"Ariadne auf Naxos" im Theater Magdeburg: Besucher bleiben fern - aus gutem Grund!

Magdeburg - Das Theater Magdeburg premierte die Oper "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Schon die Premiere hatte kein ausverkauftes Haus, die Folgevorstellungen sind nichtmal zum Viertel gefüllt. Das hat leider seine Gründe.

Als zwei komplett verschiedene Stücke gemeinsam aufgeführt werden sollen, müssen Zerbinetta (l.) und der Komponist (r.) einen Kompromiss finden.
Als zwei komplett verschiedene Stücke gemeinsam aufgeführt werden sollen, müssen Zerbinetta (l.) und der Komponist (r.) einen Kompromiss finden.  © Theater Magdeburg/Andreas Lander

Zur Handlung: Ein reicher Herr veranstaltet Feierlichkeiten in seinem Anwesen. Nach dem Abendmahl und vor einem riesigen Feuerwerk soll die ernste Oper "Ariadne auf Naxos" aufgeführt werden und direkt im Anschluss eine witzige Posse von und mit Zerbinetta.

Soweit laufen die Vorbereitungen auf die Vorstellung gut, bis der Haushofmeister plötzlich ankündigt, dass auf Wunsch des Hausherren beide Stücke irgendwie gleichzeitig aufgeführt werden sollen, um Zeit zu sparen.

Das passt weder dem jungen Komponisten, der mit "Ariadne auf Naxos" seine erste Oper inszenieren wollte, noch Zerbinetta und ihrer Komikertruppe.

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Nachdem alle Beteiligten, mehr oder minder erfolgreich, von den neuen Plänen überzeugt werden konnten, geht der Vorhang auf und das Mischmasch aus tragischer Oper und witziger Posse kommt auf die Bühne.

Zuschauer, die sich bei diesem Inhaltsabriss aber auf einen kurzweiligen, unterhaltsamen Abend voller Lacher freuen, werden leider schnell und gnadenlos enttäuscht.

"Ariadne auf Naxos" zeigt die zuweilen chaotischen Zustände hinter den Theaterkulissen.
"Ariadne auf Naxos" zeigt die zuweilen chaotischen Zustände hinter den Theaterkulissen.  © Theater Magdeburg/Andreas Lander

"Ariadne auf Naxos" verspricht ein tragisch-komisches Kauderwelsch - hält es das Versprechen?

Ein Problemchen gleich zu Beginn: Die Oper entscheidet sich dafür, im Vorspiel die versprochenen Übertitel wegzulassen (immerhin spielt der erste Teil quasi "hinter den Kulissen"). Zwar ist "Ariadne auf Naxos" eine deutsche Oper, trotzdem ist Operngesang notorisch schwer zu verstehen, besonders wenn mindestens die Hälfte des Ensembles mit starkem Akzent spricht. So lässt man sich als Zuschauer doch eher berieseln und bekommt den Dialog nur so zur Hälfte mit.

Die Exposition vor der Pause überzeugt lediglich in der kreativen Herangehensweise, die Regisseur James Bonas nutzt, um realgetreu die Abläufe und zuweilen das Chaos hinter dem Vorhang darzustellen. Bonas nimmt Strauss' und Hofmannstahls Original und adaptiert es mit modernen Kostümen und Requisiten. Der Höhepunkt im ersten Akt wird durch ein eindrucksvolles Duett zwischen Emilie Renard als Komponist und Lisa Mostin als Zerbinetta erreicht. Die Beiden glänzen in ihren Rollen und heben die Stimmung für den zweiten Akt.

Leider ist die Handlung in Part Eins für das moderne Publikum zu langwierig und der Konflikt scheint überflüssig und repetitiv. Dies soll an dieser Stelle nicht negativ ins Gewicht fallen, immerhin stammt das Stück nicht aus der Feder des Regisseurs. Es ist aber bemerkenswert, dass sich das Magdeburger Theater erneut für ein langatmiges Stück entscheidet, nachdem diese Rechnung schon mit Grete Minde in der vergangenen Spielzeit nicht aufgegangen war.

So mancher Zuschauer wird sich bei einem Gläschen Sekt in der Pause dann auf den Beginn des Stücks in der zweiten Hälfte gefreut haben: Endlich ein chaotisches Mischmasch aus zwei Stücken, was sicherlich für einige Lacher sorgt...

Die beteiligten Figuren wollen am liebsten alles hinschmeißen,...
Die beteiligten Figuren wollen am liebsten alles hinschmeißen,...  © Theater Magdeburg/Andreas Lander

Ist "Ariadne auf Naxos" im Theater Magdeburg einen Besuch wert?

...einigen sich dann jedoch darauf, eine tragische Oper und eine witzige Posse gleichzeitig aufzuführen. Ob das was wird?
...einigen sich dann jedoch darauf, eine tragische Oper und eine witzige Posse gleichzeitig aufzuführen. Ob das was wird?  © Theater Magdeburg/Andreas Lander

Doch bereits nach einigen Minuten wird klar, dass das keineswegs das Ziel der Handlung war. Zwar wechseln sich die Posse um Zerbinetta und die tragische Oper um Ariadne, Theseus und Bacchus ab, trotzdem sind die Schnitte klar gesetzt und vom erwarteten Chaos (was dem Ganzen einen gewissen Witz verpasst hätte) ist nichts zu sehen.

Zwar versucht sich die Inszenierung mit grotesken Zwischeneinlagen, wie einem Gorilla auf einem Fahrrad oder eine riesige Maus, die einen Geburtstagskuchen dabei hat, diese Momente landen aber nicht so richtig beim Publikum, besonders bei den älteren Damen und Herren.

So minimalistisch, wie das Bühnenbild im Vorspiel war, so extravagant kommt es im zweiten Teil daher (fast so, als müsse man mit etwas Eindrucksvollem von der dünnen Handlung ablenken).

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Aber, Ehre wem Ehre gebührt: Trotz all dem eher enttäuschenden Drumherum beeindrucken die Sänger mal wieder auf ganzer Bahn. Besonders die beiden Gastsolistinnen, Soojin Moon-Sebastian als Ariadne und Lisa Mostin als Zerbinetta geben den ganzen Abend 110 Prozent (und das, obwohl der Zuschauersaal nicht einmal halb voll war). Mostin knallt atemberaubend hohe Töne heraus, die man auf kleinen Lokalbühnen doch eher selten hört, und Moon-Sebastian schließt, gemeinsam mit Arnold Bezuyens fantastischem Bacchus, den Abend mit einem rührenden Duett. Beide kassieren für ihre Glanzleistungen verdienten Szenenapplaus.

Fazit: Allgemein ist "Ariadne auf Naxos" zu langwierig, besonders für ein Publikum, das einen witzigen Abend erwartet hatte. Die Gastsolistinnen sind großartig und geben ihr Bestes, den Abend erinnerungswürdig zu machen. Aber wenn alles andere nicht stimmig ist, retten auch die tollsten Sänger den Laden nicht mehr.

Alle Veranstaltungen von "Ariadne auf Naxos" findet ihr im Spielplan des Theaters.

Titelfoto: Bildmontage: Theater Magdeburg/Andreas Lander

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