"Carmen/Morgenröte eines Stiers": Zwei Tänze, zwei Choreografen - und was ist besser?

Magdeburg - Am Samstagabend feierte das Doppelballett "Carmen/Morgenröte eines Stiers" Premiere und Uraufführung am Theater Magdeburg. TAG24 war vor Ort und kann den Tanzabend wärmstens empfehlen!

Mit "Carmen" legt das Theater Magdeburg ein Ballett passend zur weltbekannten Oper vor.
Mit "Carmen" legt das Theater Magdeburg ein Ballett passend zur weltbekannten Oper vor.  © Theater Magdeburg/Ida Zenna

Magdeburg ist "Carmen"-verwöhnt! Nach dem Riesen-Erfolg der wohl bekanntesten Oper der Welt am Vierspartenhaus wird die Geschichte um die Femme Fatale, die von ihrem Liebhaber getötet wird, nun unter Ballettdirektor Jörg Mannes als Tanzstück interpretiert.

Dafür inszeniert Mannes sein Ballett düster, dramatisch, sexy, und weiß es auch noch mit seiner Spitzen-Compagnie zu besetzen. Chiara Amato und Marco Marangio als Carmen und Don José leisten sich zwischen Seilen und vor einem riesigen Spiegel ein Duell aus Leidenschaft, meisterhaften Hebefiguren und Bewegungen, die auf den Punkt sitzen.

Anastasiya Kuzina und Joshua Hunt vervollständigen als Micaela und Escamillo die Besetzung und zeigen ihr einmaliges Können. Besonders Hunt landet neben schönen Pirouetten und Sprüngen eine atemberaubende Front Aerial, bei der der Zuschauerraum kollektiv die Luft anhält.

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Hinzu dirigiert die Generalmusikdirektorin Anna Skryleva höchstpersönlich die Magdeburgische Philharmonie auf Perfektion und lenkt fast vom Geschehen auf der Bühne ab - fast.

Das Bühnenbild besteht aus Seilen und einem großen Spiegel.
Das Bühnenbild besteht aus Seilen und einem großen Spiegel.  © Theater Magdeburg/Ida Zenna

Theater Magdeburg: Stehende Ovationen für zwei Ballette an einem Abend!

Nach der Pause geht es weiter mit der Tanzentwicklung "Morgenröte eines Stiers".
Nach der Pause geht es weiter mit der Tanzentwicklung "Morgenröte eines Stiers".  © Theater Magdeburg/Ida Zenna

Nach stehenden Ovationen, minutenlangem Applaus und der Pause geht es schließlich mit "Morgenröte eines Stiers" weiter, was thematisch anknüpft.

Bei dieser Tanzentwicklung bedient sich der belgische Choreograf Jeroen Verbruggen an dem Schicksal von Georges Bizet selbst - der nach der furchtbaren Uraufführung von "Carmen" verstarb und den Welterfolg seiner Oper nicht mehr miterleben konnte.

Umgeben von der gesamten Ballettcompagnie - die in Magdeburg und über Stadtgrenzen hinaus Synonym mit Exzellenz ist - tanzt Fiammetta Gotta den "Künstler" ganz zauberhaft. Dabei wird sie in waghalsigen Hebefiguren über die Bühne gezogen, getragen, geworfen. Allein das ist sehenswert!

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Verbruggen inszeniert diese doch eher abstrakte Tanzentwicklung mit einem riesigen Stier, in dem sich seine Tänzer bewegen können, und einer Flagge und Zielscheibe für den sinnbildlichen Stierkampf.

Ist "Carmen/Morgenröte eines Stiers" einen Besuch wert?

Welcher der beiden Tänze ist besser?
Welcher der beiden Tänze ist besser?  © Theater Magdeburg/Ida Zenna

Fazit: Wie auch schon in den vorherigen Spielzeiten legt das Theater Magdeburg auch dieses Mal wieder einen Doppelballett-Abend vor, der an Präzision und Tanztalent kaum zu übertreffen ist.

"Carmen" ist mal sinnlich, mal knallhart und exzellent getanzt, "Morgenröte eines Stiers" arbeitet freier und losgelöster von klassischen Ballettfiguren. Bei beiden Kreationen spielt sich das großartige Orchester um Kopf und Kragen und der Zuschauer wird mit originellen Choreografien und vielen Hebefiguren verwöhnt.

Ein klassisches Ballett mit einer strikten Handlung darf man nicht erwarten - das ist aber auch in Ordnung. Die Kreativität sprüht förmlich und beide Tänze dürfen sich Szenenapplaus, begeisterte Zwischenrufe und stehende Ovationen am Ende abholen.

Und welches ist nun besser? "Carmen/Morgenröte eines Stiers" ist sowieso Pflichttermin für alle Ballett-Fans, dann könnt Ihr das auch selbst entscheiden.

Weitere Vorstellungen findet Ihr auf dem Spielplan des Theaters.

Titelfoto: Bildmontage: Theater Magdeburg/Ida Zenna

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