Magdeburg - Am Samstagabend feierte das Theater Magdeburg Premiere von "Scholl - Die Knospe der Weißen Rose". TAG24 war dabei.
Das Musical über Hans und Sophie Scholl ist ein ganz neuer Blick auf die Geschichte: In zwei Zeitstrahlen erzählt das Stück den Sinneswandel der Geschwister, bis hin zur Entstehung der "Weißen Rose" und der Inhaftierung sowie Hinrichtung der beiden.
Die Geschwister verbringen zum Jahreswechsel 1941 auf 1942 einen Skiurlaub in den Bergen Österreichs, wo sie beginnen, ihre Treue zum Vaterland und dem Nationalsozialismus zu hinterfragen.
Auch wird Hans Scholls komplizierte Beziehung zu Traute Lafrenz und erstmals seine Homosexualität thematisiert - ein biografisches Detail, was viele Jahre nicht berücksichtigt wurde.
Titus Hoffmann und Thomas Borchert schrieben und inszenierten das originelle Musikstück erstmals 2023 für das Stadttheater Fürth, von dem es nun an das Magdeburger Haus übernommen wurde.
Ist "Scholl - Die Knospe der Weißen Rose" einen Besuch wert?
Die Handlung spielt in nur einem einzigen Raum - der Skihütte, die die Freundesgruppe im Winter besuchte. Durch schwebende Holzelemente können dennoch unterschiedliche Räume und Orte erzeugt werden.
"Scholl - Die Knospe der Weißen Rose" bedient sich an einer grandiosen Live-Band und nur sieben jungen Sängerinnen und Sängern, lässt sie die Überzeugungsarbeit leisten. Und das tun diese allemal.
Das gesamte Ensemble verzaubert von der ersten bis zur letzten Minute das Publikum mit einer unglaublichen Stimmkraft.
Celena Pieper als Sophie und Alexander Auler als Hans Scholl nehmen sich der Mammutaufgabe an, diese realen Personen darzustellen. Dabei spielen sie die Zerrissenheit und Emotionalität und auch Fehltritte der Geschwister perfekt.
Aulers glasklare Stimme ist mit jedem Solo, mit jeder noch so kleinen Gesangseinlage ein absoluter Hochgenuss. Sein Talent wird auch beim diesjährigen Domplatz-Openair "Oklahoma!" zu sehen sein.
Theater Magdeburg holt mit "Scholl" stehende Ovationen
Auch Judith Caspari als Traute wird zu einer überraschenden, aber willkommenen, liebenswerten und anmutigen Schlüsselfigur. Sie ist ein stimmliches Highlight des Abends.
Ein hervorragender zweiter Akt lässt kein Auge trocken und setzt dem gelungenen Abend die Krone auf.
Fazit: Die Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl in einem mitreißenden Musical singen und tanzen zu lassen, klingt erstmal nach einer kuriosen Idee.
Dass am Premierenabend das komplette Publikum am Ende schon in die stehenden Ovationen aufsprang, bevor das Licht überhaupt wieder anging, kommt aber nicht von irgendwoher.
"Scholl - Die Knospe der Weißen Rose" überzeugt mit jeder einzelnen Facette. Es ist eine frische, originelle Aufarbeitung dieser Biografien, die mit großen Stimmen und magischen Musical-Momenten ein haushoher Erfolg für das Theater Magdeburg ist und wahrscheinlich hunderte, tausende Zuschauer begeistern wird.
Weitere Vorstellungen findet Ihr auf dem Spielplan des Theaters.