Von Thomas Schöne
Magdeburg - Bei archäologischen Untersuchungen am Standort des Grabmals von Kaiser Otto dem Großen (912-973) im Magdeburger Dom sind neue Erkenntnisse zur bewegten Geschichte des bedeutenden Denkmals gewonnen worden.
Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie fanden heraus, dass die freigelegten Fundamentsteine mit spätmittelalterlichen Steinmetzzeichen darauf hindeuten, dass der Sarkophag im Laufe der Jahrhunderte mehrfach versetzt wurde.
"Die Untersuchungen lieferten keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Grabstätte Ottos des Großen bereits im Vorgängerbau des heutigen Doms an derselben Stelle befand", sagte Landesarchäologe Harald Meller. "Die Frage nach dem ursprünglichen Bestattungsort des Kaisers im Dom bleibt damit weiterhin offen."
Die Untersuchungen erfolgen im Zuge eines umfangreichen Projekts zur Dokumentation und Konservierung des stark beschädigten Grabmals. Nachdem der Kalksteinsarkophag Anfang des Jahres von seinem Standort im "Hohen Chor" entfernt worden war, konnten Archäologen erstmals den Untergrund umfassend erforschen.
Dabei zeigte sich, dass der Sarkophag auf großen Sandsteinquadern ruhte.
Ursprünglicher Bestattungsort von Otto dem Großen weiterhin unklar
Zwei der Steine tragen spätmittelalterliche Steinmetzzeichen. Zudem bargen die Forscher stark korrodierte Eisenkeile, die einst zur Nivellierung des Sarkophags dienten.
Die Grabungen erfassten auch ein seit Langem bekanntes, aber bis heute nicht vollständig erklärtes Gangsystem unter dem Fußboden des "Hohen Chors".
Die teils bis ins Mittelalter zurückreichenden Gänge waren im 19. Jahrhundert größtenteils verfüllt worden, um ein Absacken des Bodens zu verhindern.
Zahlreiche Funde zeugen von der wechselvollen Geschichte des Doms. Archäologen entdeckten unter anderem Münzen, Glasperlen, Keramik sowie Fragmente von Fensterglas aus kristallinem Gips. Den größten Fundkomplex bilden bemalte Putzreste, die auf eine einst prächtige farbige Ausgestaltung der Vorgängerbauten des heutigen Magdeburger Doms hinweisen.
Die Arbeiten sind Teil eines gemeinsamen Projekts der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Hintergrund sind erhebliche Schäden am Grabmal, die 2024 festgestellt wurden.