Lesung von Aktivist in Magdeburg verlegt: OB Borris weist Einfluss zurück

Von Daniel Josling

Magdeburg - Im Streit um eine verlegte Lesung des Autors und Aktivisten Arne Semsrott (38) hat Oberbürgermeisterin Simone Borris (63, parteilos) Vorwürfe politischer Einflussnahme zurückgewiesen.

Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris (63, parteilos) habe keinen Einfluss auf die kontroverse Verlegung einer Buchlesung gehabt.  © Matthias Bein/dpa

"Eine Entscheidung oder Weisung meinerseits, die Veranstaltung abzusagen, die Lesung zu untersagen oder die Kooperation der Stadtbibliothek zu beenden, hat es nicht gegeben", sagte Borris in öffentlicher Sitzung des Magdeburger Stadtrats. 

Die ursprünglich für den 5. Juni geplante Lesung aus Semsrotts neuem Buch "Gegenmacht - Die Zivilgesellschaft schlägt zurück" sollte zunächst in der Stadtbibliothek stattfinden. Inzwischen wurde sie in das Kulturzentrum Moritzhof verlegt.

Semsrott hatte die Verlegung scharf kritisiert und von einer "Ausladung" gesprochen. Der Autor vermutet hinter der Entscheidung politischen Druck.

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Er gehe "sehr stark davon aus", dass die Diskussion mit einer kritischen Anfrage der AfD im Magdeburger Stadtrat zu einer früheren Lesung zusammenhänge.

Belegen könne er dies bislang nicht. Allerdings habe er von mehreren Seiten gehört, dass der Inhalt seines Buches als "zu provokativ" eingeschätzt worden sei.

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Simone Borris lädt Arne Semsrott zu Gespräch ein

Der Aktivist Arne Semsrott (38) will am 5. Juni in Magdeburg sein neues Buch vorstellen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Oberbürgermeisterin Borris schilderte den Ablauf dagegen anders. In einer Dienstberatung am 14. April sei die Veranstaltung im Zusammenhang mit Fragen parteipolitischer Neutralität vor Wahlen lediglich angesprochen worden.

"Ich habe keine Absage angewiesen. Ich habe um Prüfung gebeten", sagte sie. Sie habe weder den Autor noch dessen Bücher gekannt und sich deshalb an der Diskussion "gar nicht weiter beteiligt".

Nach Angaben der Oberbürgermeisterin lag bereits zuvor eine fachliche Einschätzung der Stadtbibliothek vor, die sich ausdrücklich dafür ausgesprochen habe, die Veranstaltung stattfinden zu lassen. Diese Stellungnahme mit Verweis auf Meinungs- und Kunstfreiheit sei ihr in der Dienstberatung jedoch nicht bekannt gewesen.

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Zugleich räumte Borris ein, dass der weitere Verlauf bei Beteiligten "irritierend, enttäuschend oder auch verletzend angekommen sein kann". Für kommenden Mittwoch habe sie Semsrott sowie Vertreter der Heinrich-Böll-Stiftung, die das Event veranstalten, zu einem Gespräch eingeladen. "Für mich ist entscheidend: Eine Stadtbibliothek muss ein Ort der offenen Debatte bleiben", sagte Borris.

Sie habe sowohl von Semsrott als auch von der Böll-Stiftung bereits eine Zusage erhalten. 

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