Wal an Ostseeküste gestrandet: Letzte Rettungsaktion des Abends gescheitert
Timmendorfer Strand - Ein Wal wurde bereits mehrfach an der Ostseeküste gesichtet – in der Nacht zu Montag ist er am Timmendorfer Strand gestrandet. TAG24 war vor Ort.
Rettungskräfte versuchten am Montag mehrfach, das in Not geratene Tier wieder in tiefes Wasser zu bringen. Dafür näherten sie sich im Laufe des Tages immer wieder mit einem Schlauchboot an, offenbar um den Wal zum Schwimmen zu animieren.
Der Buckelwal hat sich bei den Rettungsversuchen gedreht und lautstark bekundet, dass er sich bedrängt fühlt, so die Eindrücke von TAG24 vor Ort. Je näher die Feuerwehrleute an das Tier herankamen, desto mehr windete es sich im Wasser. Am Strand herrschte währenddessen gespannte Stille unter den Schaulustigen.
Da diese Versuche scheiterten, änderten die Einsatzkräfte ihre Strategie. Zwei Schiffe der Küstenwache wurden angefordert, die mit voller Fahrt vor der Küste auf und ab fuhren. Die dabei erzeugten Wellen sollten dem Meeressäuger die Gelegenheit geben, sich zu befreien.
Doch der Buckelwal schaffte es wieder nicht. Die Experten beschlossen, das gegen Mitternacht einsetzende Hochwasser abzuwarten. Aber auch der gestiegene Wasserstand brachte nicht die erhoffte Rettung.
Diese Rettungsaktion war die letzte am Montagabend.
Dem Wal könnte ein tagelanger Kampf bevorstehen
Für Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) ist "eine Lebendstrandung von einem Großwal nicht unser täglich Brot".
Gemeinsam mit ihren Kollegen habe sie mit einer Drohne über den Wal geschaut. "Das Tier sieht von der Haut her nicht sehr gut aus und das deutet darauf hin, dass das Tier eine Erkrankung hat", erklärt sie weiter.
Am Kopfbereich habe der Wal Bewegungsfreiheit, scheint aber mit Brust oder Bauch aufzuliegen.
Weiter erklärt Groß, dass Großwale bis zu mehreren Tagen problemlos stranden können. Allerdings nur, wenn das eigene Gewicht nicht zu sehr auf die Organe drücke.
Auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (44, Grüne) war vor Ort. "Das ist ein sehr berührender und ernsthafter Moment und ich wünsche mir sehr, dass die Leute, die hier Urlaub machen, auch Abstand halten", so der Politiker. Auch er hoffe, dass der Wal gerettet werden kann.
Buckelwal am Timmendorfer Strand gesichtet: Polizist erklärt die Hintergründe
Der Buckelwal wurde in der Nacht zu Montag im Ortsteil Niendorf der Gemeinde Timmendorfer Strand entdeckt. "Heute Nacht ist uns von mehreren Personen ein lautstarkes Geräusch gemeldet worden und auch die Sichtung eines Wals hier vor dem Niendorfer Hafen", erklärt Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach auf Nachfrage.
Der betroffene Bereich wurde abgesperrt. Weiter appellierte er, dass es wichtig sei, das Tier in Ruhe zu lassen. So solle vermieden werden, sich dem Wal beispielsweise über Boote zu nähern. Auch am Land solle sich ruhig verhalten werden.
Die Geräusche des Tiers sind nach Auffassung des TAG24-Reporters vor Ort herzzerreißend. Das Dröhnen schallt über den ganzen Strand.
Sven Biertümpfel (33), Taucheinsatzleiter für Sea Shepherd Deutschland, bestätigte auf Nachfrage, dass es sich um denselben Wal handelt, der Anfang des Monats bereits im Wismarer Hafen entdeckt wurde.
Derzeit gebe es zwei Möglichkeiten, wie es mit dem Wal weitergeht: "Wenn das Tier da liegengelassen wird, kommt es entweder von alleine frei, oder es verendet dort an Ort und Stelle", so der 33-Jährige.
Alternativ könnten die Experten eingreifen und versuchen, den Wal von der Sandbank zu befreien.
Erstmeldung am 23. März 2026, um 8.31 Uhr, zuletzt aktualisiert um um 22.22 Uhr.
Titelfoto: Jens Büttner/dpa

