Gewaltbereite Jugendliche: Gruppendelikte um das 16-fache gestiegen! Das sind die Gründe

Bayern - Das Bayerische Landeskriminalamt stellt einen besorgniserregenden Anstieg der Straftaten bei gewaltbereiten Jugendgruppen in Großstädten fest. Eine entsprechende Studie wurde nun vorgestellt.

In einer Mitteilung zur Studie spricht das Landeskriminalamt von "schwerwiegende und aufsehenerregende Gewalttaten von kriminellen Jugendgruppen". (Symbolbild)
In einer Mitteilung zur Studie spricht das Landeskriminalamt von "schwerwiegende und aufsehenerregende Gewalttaten von kriminellen Jugendgruppen". (Symbolbild)  © 123RF/Felix Renaud

Erstellt wurde diese durch die kriminologische Forschungsgruppe der Bayerischen Polizei (KFG).

"Anlass waren schwerwiegende und aufsehenerregende Gewalttaten von kriminellen Jugendgruppen in den zurückliegenden Jahren", heißt es in einer Pressemitteilung vom Freitag.

Als Beispiel wurde im Speziellen ein Fall von Mitte März 2022 hervorgehoben.

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Bei einem gewalttätigen Streit zweier Gruppen von Jugendlichen sind damals in München ein 18-Jähriger getötet und ein 15-Jähriger schwer verletzt worden. Dem tödlichen Angriff ging eine verbale Auseinandersetzung voraus.

"Auf Basis polizeilicher Daten richtet sich der Fokus der Studie zunächst auf soziale Merkmale und Deliktskarrieren von Mitgliedern", heißt es in der Meldung. "Anschließend werden Experteninterviews und Aussagen ehemaliger Mitglieder zusammengefasst dargestellt, die aufschlussreiche Informationen über die individuellen Ursachen sowie Motive zur Bildung von oder Teilnahme an gewaltbereiten Jugendgruppen liefern."

Das Ergebnis: Neben den allgemein steigenden Fallzahlen bei jugendlichen Tatverdächtigen aus organisierten Gruppen in Bayern sei "auch die Zahl der Gruppendelikte seit 2018 um das 16-fache" angestiegen. Vor allem in den Bereichen Waffen und Rauschgift sei dies aufgefallen.

Gründe: Perspektivlosigkeit und zerrüttete Familienverhältnisse

Vor allem in den Bereichen Waffen und Rauschgift ist ein auffälliger Anstieg der Delikte zu verzeichnen.
Vor allem in den Bereichen Waffen und Rauschgift ist ein auffälliger Anstieg der Delikte zu verzeichnen.  © 123RF/Katarzyna Białasiewicz

"Die Analyse polizeilicher Daten ergibt, dass die Gruppen zu 98,9 Prozent von männlichen Jugendlichen dominiert werden, welche durchschnittlich 17,6 Jahre alt sind und größtenteils eine Haupt- oder Mittelschule besuchen", heißt es in der Auswertung.

"Die meisten Jugendlichen wurden jedoch im Alter zwischen elf und 14 Jahren erstmals wegen eines Delikts polizeilich registriert (61,1 Prozent)." Grundsätzlich jedoch wurden Gruppen-Mitglieder jünger als 14 Jahre teilweise gar nicht erfasst.

Laut Gesprächen mit Gruppenmitgliedern hinsichtlich der sozialstrukturellen Hintergründe kam heraus, dass die meisten Tatverdächtigen in "zerrütteten Familienverhältnissen und sozioökonomisch schwächeren Stadtvierteln" aufwachsen. "Diese Viertel sind gekennzeichnet durch einen hohen Anteil an Migranten."

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Viele brechen vorzeitig die Schule ab oder schaffen den Abschluss nicht, leben in engen Wohnverhältnissen, sind von einem niedrigen Familieneinkommen betroffen und haben häufig wenige beruflichen Perspektiven.

"Durch die Mitgliedschaft in einer gewalttätigen Jugendgruppe suchen die jungen Menschen Respekt und Anerkennung; finanzielle Anreize und der Ersatz für fehlenden familiären Halt sind weitere Motive der Zugehörigkeit."

Es sollen nun Maßnahmen entwickelt beziehungsweise intensiviert werden, die über die Präventionsarbeit in Schulen hinaus gehen.

Titelfoto: 123RF/Felix Renaud

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