Einlösbar nach Tod: Künstler verkauft seine Haut "en bloc" an Sammler

München - Horrorfilm oder Kunstwerk? Eigentlich wollte der Aktionskünstler Flatz am Donnerstagabend seine Haut samt Tätowierungen versteigern, einlösbar nach seinem Tod - doch es kam anders als gedacht.

Flatz, Künstler aus Österreich, steht nackt auf einer Bühne in der Pinakothek der Moderne.
Flatz, Künstler aus Österreich, steht nackt auf einer Bühne in der Pinakothek der Moderne.  © Felix Hörhager/dpa

Nackt auf der Bühne präsentierte er sich samt Tattoos den rund 1000 Gästen, die zur Benefiz-Auktion "To Risk One's Own Skin" des Auktionshauses Christies in die Pinakothek der Moderne in München geströmt waren.

Doch es kam anders.

"Die angekündigte Auktion findet nicht statt", sagte der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Bernhard Maaz, dem verblüfftem Publikum. "Ein Sammler hat sich vor wenigen Stunden entschieden, die gesamte Arbeit mit dem Titel 'Die Haut zu Markte tragen' en bloc zu erwerben."

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Details wurden nicht verraten. Nur so viel: Ein international tätiger Sammler aus der Schweiz habe die Tattoos als ungeteilte Werkgruppe erhalten wollen, teilte die Pinakothek mit.

Wie viel lässt sich das der Käufer kosten? "Die Summe geht dich nichts an", antwortet Flatz. "Aber es war ein Angebot, wo ich nicht nein sagen konnte, wo niemand nein gesagt hätte." Das Geld soll unter anderem an die gemeinnützige Flatz Stiftung fließen, die junge Künstlerinnen und Künstler unterstützt.

Im Testament festgelegt: Tattoos von Flatz werden präpariert und hinter Glas ausgestellt

Kurator Bernhart Schwenk spricht bei der Eröffnung der Ausstellung "Flatz. Something Wrong with Physical Sculpture".
Kurator Bernhart Schwenk spricht bei der Eröffnung der Ausstellung "Flatz. Something Wrong with Physical Sculpture".  © Felix Hörhager/dpa

Und noch etwas ist dem gebürtigen Österreicher aus Vorarlberg wichtig: "Ich bin froh, dass das ganze Werk bei einem Sammler landet und damit auch zusammenbleibt und auch wieder zusammen ausgestellt werden kann."

13 Tätowierungen hat sich der 71-Jährige bislang stechen lassen. Eines davon hat er seinem Sohn versprochen, die 12 anderen gehen an den Sammler, der bis zum Tod des Künstlers lebensgroße Fotografien erhält. Wenn Flatz stirbt, sollen seine Hautpartien vom Körper abgelöst, präpariert und hinter Glas in die Fotos eingesetzt werden - alles festgelegt in einem Testament.

Doch noch ist der Wahlmünchner selbst das Gesamtkunstwerk - und präsentiert sich dem Publikum in der Pinakothek als solches. Im schwarzen Kimono betritt er die Bühne, löst den roten Gürtel und steht schließlich nackt da.

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Minutenlang verharrt er regungslos auf einer Scheibe, die sich langsam dreht und ihn von allen Seiten zur Schau stellt. "Aktion statt Auktion", kommentiert der Kunsthistoriker Maaz und würdigt Flatz als Motor der Kunstfreiheit, der die Grenzen der Bildenden Kunst immer weiter herausgeschoben habe.

Gesamtkunstwerk: Flatz präsentiert sich nackt im Museum

Künstler Flatz geht mit seinen Performances immer wieder an seine körperlichen Grenzen.
Künstler Flatz geht mit seinen Performances immer wieder an seine körperlichen Grenzen.  © Felix Hörhager/dpa

Wie weit der Künstler zu gehen bereit ist, zeigt die Retrospektive "Something Wrong with Physical Sculpture". Bis zum 5. Mai präsentiert die Pinakothek der Moderne Werke wie Fotos, Installationen und Performances. So etwa die Installation "Bodycheck", 1992 bei der Documenta IX in Kassel: Von der Decke hängen 90 schwere Boxsäcke, durch die sich die Besucher förmlich durchschlagen müssen.

Auch mit Glitzersteinen besetzte Motorräder gibt es zu sehen, ebenso wie ein Video von 1990: In einer zerstörten Synagoge im georgischen Tiflis baumelt Flatz an einem Seil von der Decke. Wie ein Glockenschwengel pendelt er hin und her und knallt gegen zwei riesige Metallplatten, bis er bewusstlos wird.

Ausstellungskurator Bernhart Schwenk schätzt den Mut des Künstlers zu stören und zu verstören. Kunst werde immer mehr vereinnahmt, vom Kommerz, vom Kapital, von gesellschaftlichen und von politischen Strömungen. "Das ist gefährlich", warnt Schwenk.

"Denn wir wissen aus der Geschichte, dass gesellschaftliche Systeme, in denen Kunst instrumentalisiert oder verboten wurde, keine Zukunft haben oder eine Zukunft, in der wir alle nicht leben wollen."

Titelfoto: Felix Hörhager/dpa

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