Kinder-Tinder: "Dating"-App aus München mit ungewöhnlicher Zielgruppe

München - Flirtpartner, Sportfreunde oder Filmfreaks per App kennenlernen ist heutzutage kein Problem mehr. Nur Eltern gehen hier leer aus. Besser gesagt: gingen. Denn diese Lücke wurde nun von München aus geschlossen.

Die Münchnerin Melanie Epp hat eine Dating-App der besonderen Art an den Start gebracht. Damit sollen Kinder Spielkameraden finden.
Die Münchnerin Melanie Epp hat eine Dating-App der besonderen Art an den Start gebracht. Damit sollen Kinder Spielkameraden finden.  © Armin Boscher

Spielzeug aus Holz oder Plastik? Spielparadies oder Wanderung? Mit sechs solcher Fragen teilt man der App - noch bevor es richtig losgeht - mit, was man für ein Typ ist, welche Vorlieben man hat, wie die Kinder erzogen werden. Denn die kostenlose Anwendung "Barrio" hat ein besonderes Ziel: Kinder mit ähnlichen Interessen zusammenzubringen.

"Barrio" ist spanisch und bedeutet "Nachbarschaft". Und das soll auch der Einsatzradius sein - aber eben für Kinder, beziehungsweise Eltern. "Es geht heute nichts mehr ohne Social Dating. Egal ob Tennisspielen oder Flirten, für alles suchen wir heute in Apps nach Spielkameraden. Nur an die Eltern wurde bisher nicht gedacht", verrät Entwicklerin Melanie Epp aus München im Gespräch mit TAG24.

Die dreifache Mutter hat dabei auch keine konkrete Zielgruppe im Auge: "Ob man zur veganen Holzschnitz-Fraktion gehört oder die in der Maximilianstraße Caffé Latte schlürfende Mutti ist, ist völlig irrelevant. Wichtig ist, dass sich die Interessen - vor allem der Kinder - decken."

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Anfang 2018 drückte man nach zahlreichen Strategieplänen, Korrekturen und Analysen schließlich den Upload-Button für die App - und seitdem kann diese App auf allen Plattformen genutzt werden. Starthilfe bekam Barrio vor allem durch den persönlichen Freundes- und bekanntenkreis der 44-Jährigen: "Ich habe allen Leuten, die ich kenne, davon erzählt.

Instagram und Blogs verhelfen zum Traumstart

Dadurch konnte ich followerstarke Instagram-Accounts und Blogger gewinnen, die ihre Leser auf die App aufmerksam machten", erinnert sich Epp. Denn was bringt eine Community-App, wenn noch keine Community da ist? Innerhalb weniger Tage waren die User-Zahlen bereits im vierstelligen Bereich. Inzwischen hat man die 40.000er-Marke erreicht. Ende des Jahres möchte man über 100.000 Mitglieder haben.

"Wir bekamen von Anfang an sehr viel positives Feedback", so Melanie Epp. Den Vergleich mit der Dating-App "Tinder" sieht die Münchnerin sehr gelassen: "Anfangs kam mir der Vergleich komisch vor. Aber im Grunde sucht man auch hier Menschen, mit gemeinsamen Interessen, die sich sympathisch sind. Also passt das im Grunde."

Nach kurzem überlegen fügt sie lanchend hinzu: "Die eine App nutzt man, damit man mit jemandem das Schlafzimmer teilen kann. Unsere, wenn das Resultat daraus da ist." Und mit etwas Glück, finden sich vielleicht dadurch Freunde fürs Leben, die sich ansonsten nicht begegnet wären: "Vielleicht gibt es ja mal irgendwann die Geschichte von den Sandkasten-Freunden, die gemeinsam Abitur machen. Möglich ist alles."

Die App "Barrio" ist und soll auch weiterhin kostenlos bleiben. Integriert in die Anwendung sind zudem Veranstaltungs-Tipps und ein Info-Magazin. Weitere Features sollen folgen. Der "Eltern-Finder" steht den Smartphone-Nutzern bei allen gängigen App-Anbietern zur Verfügung."

Titelfoto: Armin Boscher

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