Reiter oder Krause: Was unterscheidet die Münchner OB-Kandidaten?
Von Britta Schultejans
München - Dieter Reiter (67, SPD) und sein Herausforderer Dominik Krause (35, Grüne) führen einen betont respektvollen Wahlkampf um das Amt des Münchner Oberbürgermeisters. Das liegt auch daran, dass die beiden Männer, deren Parteien derzeit noch die aktuelle Rathaus-Koalition bilden, sich in vielem einig sind. Doch wo liegen ihre Unterschiede?
Die seit Monaten verschwundene Eisbachwelle, beispielsweise, wollen beide Kandidaten nach eigenen Angaben so schnell und so unkompliziert wie möglich zurück. Auch was die Entwicklungsmöglichkeiten einer zunehmend verwaisten Innenstadt angeht, haben die beiden ähnliche Ansichten.
"Eine extreme Politikveränderung in die eine oder andere Richtung" sei "bei keinem der beiden Kandidaten zu erwarten", sagt der Politologe und Experte für Kommunalpolitik an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, Martin Gross.
Die Direktorin der Akademie für politische Bildung in Tutzing, Ursula Münch, sieht durchaus Unterschiede zwischen den Kandidaten.
"In der Verkehrs- und der Wohnungspolitik" unterscheiden sie sich, sagt sie. "Durchaus auch in der Wirtschaftspolitik."
Wohnen in München: Umwidmung ungenutzter Bürofläche?
"Ich will 50.000 neue bezahlbare Wohnungen schaffen", sagt Krause. Sein Plan: leer stehende Büroflächen umwidmen, von denen es rund 1,8 Millionen Quadratmeter in der Stadt gibt. Er sieht darin die Möglichkeit, unter anderem Studentenwohnungen zu schaffen, die nicht mehr als 450 Euro Miete kosten. Dafür will er eine Umwandlungsagentur ins Leben rufen.
Amtsinhaber Reiter sieht das kritisch. Investoren hätten kaum Interesse an derartigen Projekten, weil sie nicht sonderlich rentabel seien.
Verkehr in München: S-Bahn, Radwege und Uber-Preise
Dass die Münchner S-Bahn so unzuverlässig fährt, nervt beide Kandidaten gleichermaßen. Daran kann ein Oberbürgermeister allerdings nicht viel ändern, Freistaat und Bund sind da vor allem gefragt. Die Ausweitung von Fußgängerzonen können sich auch beide vorstellen.
Grünen-Kandidat Krause setzt vor allem auf den Ausbau des ÖPNV und von Radwegen. Reiter teilt das grundsätzlich, will aber auch die Autofahrer nicht vergessen wissen - vor allem den Lieferverkehr in der Stadt. Da brauche es genügend Parkplätze.
Während der SPD-Amtsinhaber daran festhält, dass auch bei Tempo 50 auf dem Mittleren Ring die Grenzwerte für Luftverschmutzung eingehalten werden, sieht das der Grüne Herausforderer kritisch und bevorzugt die vom Gericht zuletzt wieder angeordnete Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30.
Im Streit um Mindestpreise für Uber-Fahrer stellt Krause sich klar an die Seite der Taxifahrer, die sich unfair behandelt fühlen. Reiter betont im Duell auf Radio Gong, er wolle nun in zwei, drei Monaten über den Mindestpreis entscheiden, weil Uber sich in der Frage nicht bewege.
Titelfoto: Bildmontage: Lukas Barth-Tuttas/dpa, Malin Wunderlich/dpa

