Attentat in Halle: Die schreckliche Tat von Neonazi Stephan B.

In Halle erschoss der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan B. zwei unschuldige Menschen und verletzte weitere Personen.
In Halle erschoss der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan B. zwei unschuldige Menschen und verletzte weitere Personen.  © Swen Pförtner/dpa

Halle (Saale) - Am Mittwochmittag kam es in Halle (Saale) und im benachbarten Landsberg (Sachsen-Anhalt) zu mehreren Schießereien. Zwei Personen wurden dabei getötet. Wir halten Euch im Ticker auf dem Laufenden.

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Der 27-jährige deutsche Neonazi Stephan B. hat am Mittwochmittag in Sachsen-Anhalt ein Attentat verübt und für einen riesigen Polizeieinsatz weit über die Stadtgrenzen hinaus gesorgt, so die aktuelle Polizeimeldung.

In einem gemieteten VW fuhr der Mann in Militärkleidung in die Nähe einer Synagoge, stellte seinen Wagen dort ab. Bewaffnet wollte er sich Zutritt zu dem Gebäude verschaffen, in dem sich zu diesem Zeitpunkt aufgrund des wichtigen jüdischen Feiertags "Jom Kippur" etwa 80 gläubige Juden befanden.

Die Tür hielt seinen Schüssen stand, wodurch der mutmaßliche Einzeltäter wieder abzog. Auf der Straße erschoss er eine Passantin, die zufällig dort unterwegs war.

Er fuhr weiter zu einem etwa 600 Meter entfernten Dönerimbiss, warf eine Granate hinein, die jedoch nicht explodierte. Einen männlichen Kunden erschoss der Mann.

Auf seiner anschließenden Flucht kaperte er ein Taxi an einer Werkstatt in Wiedersdorf bei Landsberg, schoss einen Mann an, verletzte ihn. Auf einer Bundesstraße wurde er in einen Unfall verwickelt, wodurch ihn die Polizisten stoppen und festnehmen konnten. Dabei wurde er verletzt und musste in einer Klinik operiert werden.

21.45 Uhr: Große Trauer auf dem Hallenser Marktplatz

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21.35 Uhr: Todesschütze hat Wohnung in Halle

Der mutmaßliche Todesschütze Stephan B. soll nach Angaben eines Nachbarn seines Vaters eine Wohnung in Halle haben. Demnach sei der 27-Jährige vor rund zehn Jahren aus dem Haus seines Vaters in Helbra im Landkreis Mansfeld-Südharz ausgezogen.

Die Mutter lebt demnach in dem gut zwei Kilometer entfernten Benndorf, wie der Nachbar, der seinen Namen nicht nennen wollte, in Helbra der dpa sagte. Zudem soll er diesen Aussagen zufolge eine ältere Schwester haben.

Der Nachbar beschreibt die Familie als ruhig, der Täter soll viel zu Hause gewesen sein. Der Vater des Schützen wollte sich nicht äußern.

21.30 Uhr: Kleine Mahnwache in Dresden

An der Dresdner Synagoge haben sich einige Menschen zu einer kleinen Mahnwache versammelt. Hier wird unter Schutz der Polizei samt Maschinengewehren den Opfern aus Halle gedacht.

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21 Uhr: Bundeskanzlerin Merkel besucht Berliner Synagoge

Nach dem Angriff in Halle hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (65, CDU) kurzfristig an einer Solidaritätskundgebung an der Neuen Synagoge in Berlin teilgenommen.

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20.55 Uhr: DFB-Elf gedenkt Todesopfern

Wie erwartet hat es vor dem Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Argentinien in Dortmund eine Schweigeminute in Gedenken an die beiden Todesopfer aus Halle abgehalten. Diese ging wenig später in Applaus über.

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20.40 Uhr: Netanjahu: "Weiterer Ausdruck für Antisemitismus in Europa"

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat den Angriff als einen "weiteren Ausdruck für Antisemitismus in Europa" bezeichnet. Die Attacke am jüdischen Nationalfeiertag Jom Kippur habe am "heiligsten Tag für unser Volk" stattgefunden, sagte er in einer Mitteilung seines Büros am Mittwoch. "Ich fordere die Behörden in Deutschland auf, weiterhin entschlossen gegen das Phänomen des Antisemitismus vorzugehen", fügte der Premierminister hinzu.

"Im Namen des Volkes von Israel spreche ich den Familien der Opfer mein Beileid aus und wünsche den Verletzten eine rasche Genesung", schrieb Netanjahu ferner.

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20.29 Uhr: Sachsens Ministerpräsident Kretschmer: "Hass, Rassismus und Gewalt haben keinen Platz in unserer Gesellschaft"

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat mit Entsetzen auf die tödlichen Schüsse und den Angriff auf die Synagoge in Halle reagiert. "Die schrecklichen Ereignisse haben mich zutiefst erschüttert", sagte er am Mittwoch in Dresden. Die Gedanken seien bei den Familien der Toten und Verletzten. "Hass, Rassismus und Gewalt haben keinen Platz in unserer Gesellschaft", sagte er und forderte dazu auf, sich "dem entschieden entgegenzustellen".

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20.26 Uhr: Juden setzten Gottesdienst nach gescheitertem Amoklauf fort

51 jüdische Menschen, darunter Gäste aus den USA, die an dem Gottesdienst in der betroffenen Synagoge teilgenommen hatten, setzten diesen nach der gescheiterten Attacke durch Stephan B. fort. Das bestätigt Max Privorozki, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle.

20.15 Uhr: Zentralrat der Juden kritisiert Polizei scharf: "Skandalös!"

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat nach dem Angriff schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. "Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös", teilte Schuster am Mittwochabend mit. "Diese Fahrlässigkeit hat sich jetzt bitter gerächt."

Schuster erklärte weiter: "Die Brutalität des Angriffs übersteigt alles bisher Dagewesene der vergangenen Jahre und ist für alle Juden in Deutschland ein tiefer Schock."

Die Tat von Halle am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur habe die jüdische Gemeinschaft auf das Tiefste in Sorge versetzt und verängstigt, so Schuster. "Zuallererst sind wir jedoch erschüttert, dass zwei Menschen von dem skrupellosen Täter umgebracht wurden. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt ihren Angehörigen. Ebenso sorgen wir uns um die Verletzten und wünschen ihnen rasche und vollständige Genesung."

Josef Schuster ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Josef Schuster ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.  © Josef Hildenbrand/dpa

20.12 Uhr: Israelische Botschaft spricht von "brutalen Terroranschlägen"

Die israelische Botschaft in Berlin hat die bewaffneten Angriffe in Halle als "brutale Terroranschläge" bezeichnet. "Wir sind geschockt und erschüttert von den brutalen Terroranschlägen heute Mittag in Halle, während jüdische Betende in den Synagogen in ganz Deutschland versammelt waren um Jom Kippur zu begehen, den heiligsten Tag im Judentum", hieß es am Mittwoch in einer auf Facebook verbreiteten Erklärung der Botschaft. "Gemeinsam müssen wir jede Form von Extremismus ablehnen und vereint gegen solchen sinnlosen Terror vorgehen."

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