"Mich pisst es an": Kurt Krömer macht kurzen Prozess mit AfD-Pöbler

Berlin - Nach fünf Jahren Sendepause hat sich der bissige Kult-Komiker Kurt Krömer (44) mit einer neuen Fernsehshow zurückgemeldet. Wer zu "Chez Krömer" geht, lässt sich gerne beschimpfen. Wer im Publikum gegen den Humor-Anarchisten poltert, fliegt schon mal aus dem Saal.

Komiker Kurt Krömer wählt bei einem Pöbel-Publikum den kurzen Entscheidungsweg.
Komiker Kurt Krömer wählt bei einem Pöbel-Publikum den kurzen Entscheidungsweg.  © Tom Schulze dpa/lbn

Alexander Bojcan, wie der Berliner gebürtig heißt, nimmt als Kunstfigur bekanntlich kein Blatt vor dem Mund und schenkt verbal gerne einen ein.

Für den 44-Jährigen gibt es klare Grenzen, wie er im Interview mit dem "Tagesspiegel" erklärte.

Da fackelt der gnadenlose Kabarettist nicht lange und macht kurzen Prozess: "Im Laufe eines Abends ist auch eine AfD-Nummer dran. Dann denke ich mir, mal sehen, wie das hier heute ankommt. Und prompt steht einer im Thor-Steinar-Pulli auf und faselt los: 'Dir müsste man das Jochbein brechen.' Security!"

Seine politischen Koordinaten legt der Moderator offen: "Mir geht das voll an mir selber auf den Sack, dass ich diese AfD-Nummer überhaupt machen muss. Ich meine, ist doch klar, wo ich stehe: Kreuzberg, Ufa-Fabrik, Schwarzer Kanal! Mich pisst es an, dass ich jetzt politisch sein muss, um extra nochmal zu unterstreichen, dass ich nicht rechtsradikal bin."

Ob es sinnvoll sei, ins Gespräch mit Rechtsradikalen zu gehen, wisse Krömer nicht: "Wenn ich Plasberg oder Maischberger sehe, denke ich: 'Schlagt mehr auf die ein und duldet die nicht so!' Gauland hatte ich eingeladen, von Storch und Petry, aber die hatten viel zu tun", machte der schlagfertige TV-Prolet seinen Standpunkt deutlich.

Auch wenn er auf der Bühne gerne Grenze überschreitet und den Empörten spielt, verkneift sich der passionierte Anzugträger in den Sozialen Medien mittlerweile politische Statements – aus einem bestimmten Grund.

"Weil ich darauf zehnmal mehr Reaktionen kriege als auf einen Witz", erklärte der Schauspieler und fuhr fort; Das Politische ist hundertmal interessanter, als das, was ich sonst mache. Und ich wäre dann der Moralapostel, der immer gegen die Rechten schießt und daraus ein Geschäft macht."

Rückblick: Im Bühnenprogramm "Heute stimmt alles" mimte der Sohn einer Schneiderin und eines Tischlers eine "besorgte Frau". Es fiel der Satz: "Ick möchte Weihnachten nich' inne Moschee feiern." Daraub tobte und wütete der Netz-Mob auf Facebook. Krawall-User wünschten dem Dreifach-Vater die Pest an den Hals und dass Flüchtlinge seine Familie vergewaltigen mögen.

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