Diese Fassade wird die Krönung fürs Dresdner Schloss





So soll die fertige Loggia einmal aussehen. Vorn die 2009/2010 rekonstruierten Bögen, dahinter die Bilder.
So soll die fertige Loggia einmal aussehen. Vorn die 2009/2010 rekonstruierten Bögen, dahinter die Bilder.  © Steffen Füssel

Dresden – Erneut darf sich die Residenzstadt über Superlative für ihr Residenzschloss freuen: Die Rekonstruktion am größten europäischen Fresko beginnt. Darüber hinaus werden zwei weitere Säle fertiggestellt.

Georg Unland (63, CDU) fühlt sich wohl. Hier, inmitten von Restauratoren, Bauleuten und Kunsthistorikern im großen Innenhof des Schlosses, ist der sächsische Finanzminister willkommen. Mal kein Gemecker über zu wenig Geld, mal keine Proteste von unterfinanzierten Institutionen.

Zudem kann der Schöngeist Großes verkünden: Die farbigen Fresken an der inneren Schlossfassade werden wiederhergestellt. Die ursprünglichen Meisterwerke der A-fresco-Malerei, also auf frischen Putz getupfte Bilder, sind fast 500 Jahre alt.

Sie schmücken eine 1547 bis 1556 errichtete Loggia, die nach der Zerstörung 1945 im Jahr 2010 neu entstand.

Der große Schlosshof, auch Renaissancehof genannt. Deutlich sichtbar: Die Loggia unter dem Hausmannsturm ist die einzig noch nicht ausgemalte Fläche.
Der große Schlosshof, auch Renaissancehof genannt. Deutlich sichtbar: Die Loggia unter dem Hausmannsturm ist die einzig noch nicht ausgemalte Fläche.  © Steffen Füssel

"Die Kosten dafür lagen bei 2,8 Millionen Euro", so Unland. "Die Fresken werden 2,2 Millionen kosten."

Die Rede ist von einem monumentalen Bilderbogen, dem größten seiner Art in Europa, ein Supercomic. Gezeigt werden biblische Szenen, vor allem aber die Figur des Auftraggebers: Kurfürst Moritz von Sachsen (1521-1553).

Weder er noch die Nachwelt hatten viel von dem Bilderbuch. Bereits im 18. Jahrhundert war es fast verschwunden - bis auf Ausschnitte, wie Restaurator Matthias Zahn betont.

Damit sowie mit viel Forschung haben er und seine Kollegen nun eine Neuinszenierung entworfen, so Zahn wörtlich. Zunächst auf Modellen, 2019 soll alles 1:1 auf die Originalwand übertragen sein. Zahn: "Dann ist die letzte große Fehlstelle im Schlosshof beseitigt."

Wann das Schloss selbst fertig wird, ist indes unklar. "Da haben wir uns bewusst nicht festgelegt", so Finanzminister Unland.

Diese neuen Räume eröffnen noch diese Woche

Noch vor dem Fresko werden weitere Räume im Schloss eröffnet. Zunächst Ostern die "Kurfürstliche Kleiderkammer". Diese Zimmer unter dem Hausmannsturm zeigen wertvolle höfische Bekleidung, darunter ein seltener Rock, für den extra eine überdimensionale Glasvitrine entstand.

Im "Kurfürstensaal" ist das bekannte Moritzmonument von 1555 zu sehen, von dem heute eine Kopie am Brühlschen Garten nahe der Synagoge hängt. Nebenan befindet sich der "Gardesaal". Alle Räume werden in dieser Woche fertig. Der Gardesaal öffnet Ende 2017. Kosten der Räume: 8,9 Millionen Euro. Baukosten für das Schloss bislang: 316 Millionen Euro.

Restaurator Matthias Zahn. Hinter ihm ein 1:10-Modell der Loggia.
Restaurator Matthias Zahn. Hinter ihm ein 1:10-Modell der Loggia.  © Steffen Füssel




So soll der Bilderbogen einmal wieder aussehen. Die Urfassung entstand vor fast 500 Jahren. Urheber waren zwei italienische Künstler.
So soll der Bilderbogen einmal wieder aussehen. Die Urfassung entstand vor fast 500 Jahren. Urheber waren zwei italienische Künstler.  © Steffen Füssel

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