Zu Hause auf den Weltmeeren: Dieser Sachse ist Kapitän auf einem Kreuzfahrtschiff!

Dresden - Wenn er in seinem Job ins Wanken gerät, liegt das nicht daran, dass er zu tief ins Glas geschaut hat. Denn Jörg Miklitza (45) ist auf den Weltmeeren zu Hause. Der Dresdner ist Kapitän der AIDA-Flotte, Chef über Hunderte Mitarbeiter und Passagiere.

Auf einem Kreuzfahrtschiff ist ein Kapitän so was wie ein Popstar. Er muss Autogramme schreiben, Frauen wollen Selfies mit ihm.
Auf einem Kreuzfahrtschiff ist ein Kapitän so was wie ein Popstar. Er muss Autogramme schreiben, Frauen wollen Selfies mit ihm.  © Ronny Klein

Doch wie wird ein waschechter Sachse zum Kreuzfahrt-Kapitän? Geboren in Sebnitz, aufgewachsen in Neustadt/Sachsen. Ein Plattenbaukind.

"Wasser hat mich eben schon immer magisch angezogen", sagt Miklitza, der mittlerweile seit sieben Jahren auf der AIDAmar zu Hause ist. "Die Seefahrt fasziniert mich, ein gewisser Drang zum Abenteuer vielleicht."

Grundwehrdienst, Marine, Offizierslaufbahn, Praktika auf der "Gorch Fock", erste Einsätze auf Fregatten und Minenjägern. Schließlich der erste Job bei der AIDA, eine Kreuzfahrt in die Karibik. 2012 wurde er Kapitän.

"Gleich bei der ersten Fahrt hatten wir zwei medizinische Notfälle auf hoher See", erinnert sich Miklitza. "Klar ist die Verantwortung enorm. Ich bin an Bord ständig erreichbar, meine Kabine liegt in der Nähe der Brücke. Ich muss immer schnell da sein."

Zehn Wochen in Folge steuert er so die riesige Kussmund-Lady (253 Meter Länge) durch die Ozeane, trägt die Verantwortung nicht nur für 2600 Passagiere, sondern auch für 600 Mitarbeiter - vom Offizier bis zur Putzfrau.

Seit sieben Jahren ist der Sachse Chef auf der AIDAmar. Auf den Oszeanriesen passen 2600 Passagiere und 600 Mann Besatzung.
Seit sieben Jahren ist der Sachse Chef auf der AIDAmar. Auf den Oszeanriesen passen 2600 Passagiere und 600 Mann Besatzung.  © PR

Zuletzt tourte sein Schiff durch die Ostsee, lief etwa Kopenhagen, Tallinn oder Stockholm an. Dann hat er zwei Monate Urlaub.

Fährt nach Hause in die Dresdner Neustadt, wo seine Frau und die dreijährige Tochter warten.

"Natürlich ist es nicht einfach, seine Lieben so eine lange Zeit nicht zu sehen, zum Hochzeitstag wird da schon mal der Lieferservice für Blumen bemüht", schmunzelt der Kapitän.

"Oder die Familie übernimmt. So hat mein Vater meiner Tochter jetzt das Radfahren beigebracht, beide waren unheimlich stolz. Bin ich daheim, verbringe ich natürlich möglichst viel Zeit mit ihnen. Und wir fahren in den Urlaub, gern in die Alpen, nicht auf See ..."

Dennoch: Die Arbeit auf dem Wasser will der Triathlet (seit sechs Jahren im Verein) nicht mehr missen. Sein Lieblingshafen? "Eindeutig Bergen in Norwegen, ein Traum."

Sein schönstes Erlebnis? "Als in den Stockholmer Schären ein Elch schwimmend unsere Route querte. Ein erhebendes Gefühl." Und die Sonnenuntergänge auf der Brücke?

"Sind noch immer jedes Mal ein melancholischer Genuss ..."

Und das sind seine Manager-Mädels

Quasi sein zweites Zuhause: Auf der Brücke seines Schiffs hat Kapitän Jörg Miklitza (45) das Sagen. Ist er an Bord unterwegs, ist das Telefon immer am Mann.
Quasi sein zweites Zuhause: Auf der Brücke seines Schiffs hat Kapitän Jörg Miklitza (45) das Sagen. Ist er an Bord unterwegs, ist das Telefon immer am Mann.  © Ronny Klein

Erstaunlich viele Sachsen fahren zur See. Auch zwei junge Damen aus der Region haben ihr Glück in der Ferne gefunden.

Eva Krause (30) stammt aus Schirgiswalde in der Oberlausitz und nennt sich "Shore Excursion Manager". Was nichts anderes heißt, als das sie auf dem Schiff als Abteilungsleiterin Ausflüge organisiert. "Ich habe Tourismuswirtschaft studiert, anfangs in einem Reisebüro in Bautzen gearbeitet", sagt Eva.

"Dann habe ich mich spontan beworben, als Scout begonnen." Vorteil im Job: Man begleitet die Touristen an die schönsten Orte auf der ganzen Welt.

Evas Vorgesetzte ist Luisa Strohbach (30) aus Heidenau. Sie ist zuständig für 60 Mitarbeiter auf der AIDA, verantwortet auch die Bordshops. "Ich bin gelernte Kauffrau, habe als Handelsassistentin in einem großen Modehaus gearbeitet", sagt Luisa.

"Bei einer Mittelmeer-Rundfahrt habe ich Lust auf mehr bekommen und hier an Bord als Verkäufer begonnen." In viereinhalb Jahren hat sie mittlerweile schon viele Häfen angelaufen. "Am schönsten war die Asien-Tour mit Singapur und Kuala Lumpur. Tolle Orte."

Allerdings hat ein Leben auf See auch seine Tücken. Arbeitsfreie Tage gibt es mehrere Wochen hintereinander nicht. Das Liebesleben leidet, beide Damen sind Single. Immerhin, so verrät Luisa, hat sie sich ein Stück Heimat bewahrt: "In meinem Urlaub freue ich mich auf meine Wohnung am Stadtrand von Heidenau ..."

Zuständig für Spa und Shops: Luisa Strohbach (30) aus Heidenau will noch lange zur See fahren: "Kontakt nach Hause halte ich übers Internet."
Zuständig für Spa und Shops: Luisa Strohbach (30) aus Heidenau will noch lange zur See fahren: "Kontakt nach Hause halte ich übers Internet."  © Ronny Klein
Sie organisiert auf dem Schiff die Landausflüge: Eva Krause (30) aus Schirgiswalde liebt ihren abwechslungsreichen Job.
Sie organisiert auf dem Schiff die Landausflüge: Eva Krause (30) aus Schirgiswalde liebt ihren abwechslungsreichen Job.  © Ronny Klein

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