Das Steckt wirklich hinter dem Sex-Skandal im Semperopern-Ballett

Dresden - Sexueller Missbrauch an der Semperoper? Im Februar wurde bekannt, dass Hinweise auf einen möglichen Fall in den Reihen des Ballettensembles intern geprüft werden (TAG24 berichtete). Jetzt wurde öffentlich, was hinter der vermeintlichen Affäre steckt.

Der unagrische Tänzer István Simon (30) - hier in "Don Quixote" - gehört seit 2007 dem Ensemble des Semperoper-Ballett an, seit 2013 als Erster Solist.
Der unagrische Tänzer István Simon (30) - hier in "Don Quixote" - gehört seit 2007 dem Ensemble des Semperoper-Ballett an, seit 2013 als Erster Solist.  © dpa/Arno Burgi

Nicht um Missbrauch geht es, sondern um den Vorwurf "verbaler sexueller Belästigung". Erhoben vom Ersten Solisten István Simon gegen den Ersten Ballettmeister.

Diese Details wurden bekannt, weil Simon selbst - erfolglos - vor dem Arbeitsgericht Dresden gegen seine Suspendierung von den Proben vorging. Die Angelegenheit war am Donnerstag öffentlich verhandelt worden, wie das Gericht auf TAG24-Nachfrage bestätigte.

Hintergrund: Simon weigert sich, an den Proben teilzunehmen, die vom Ersten Ballettmeister geleitet werden. Grund dafür sei die für ihn "untragbare Atmosphäre". Um aber für seine Auftritte "künstlerisch und körperlich leistungsfähig" zu bleiben, sei er auf die Teilnahme an den Proben angewiesen.

Der Vorschlag, mit einem der drei anderen an der Oper beschäftigten Ballettmeister zu proben, sei organisatorisch nicht umzusetzen gewesen.

Das habe laut Gericht die Semperoper in der Verhandlung erklärt. Zudem habe der erste Ballettmeister eidesstattlich versichert, dass Simons Vorwürfe nicht haltbar seien; er habe den Sachverhalt anders dargestellt.

Simon in "Manon". Er wirft dem Ersten Ballettmeister "verbale sexuelle Belästigung" vor.
Simon in "Manon". Er wirft dem Ersten Ballettmeister "verbale sexuelle Belästigung" vor.  © Ian Wahlen

Für das Gericht war die Entscheidung der Semperoper, Simon von den Proben zu suspendieren, eine angemessene Reaktion auf den Konflikt. Seinem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung auf vertragsgemäße Beschäftigung wurde daher nicht stattgegeben.

Offen bleibt der Gehalt der von Simon erhobenen Vorwürfe. Diese hatte er intern gegenüber Ballettdirektor Aaron S. Watkin vorgebracht. Die Beschuldigungen werden von der Semperoper untersucht.

Ein Sprecher auf TAG24-Nachfrage: "Wir nehmen Hinweise beziehungsweise Vorwürfe zu sexuellen Übergriffigkeiten oder Belästigungen innerhalb des Hauses sehr ernst und verfolgen deren Aufklärung gewissenhaft."

Dafür habe man eine externe Kanzlei beauftragt: "Wider Erwarten lehnt der Mitarbeiter eine Befragung durch diese ab." István Simon werde in der laufenden Spielzeit nicht mehr besetzt.