Todes-Drama bei "Hartes Deutschland" aus Leipzig: Mariell verliert ihren Martin

Leipzig - "Die Sucht übernimmt deinen Körper. Diese Schmerzen willst Du nicht haben. Um diese nicht zu bekommen, holst Du dir den Stoff", sagt Benny, der schwerst abhängig von Crystal und Heroin ist. Dem selbstzerstörerischen Kreislauf können die meisten Junkies nicht entfliehen - schon gar nicht ohne fremde Hilfe. In der RTL-ZWEI-Reportage "Hartes Deutschland" werden diese Menschen in ihrem Alltag begleitet. In der aktuellen Folge aus Leipzig ist erneut ein Abhängiger zu beklagen, der an seinem jahrelangen Konsum gestorben ist.

Tobi (36, r.) setzt sich einen Schuss. Er bewohnt mit André (35, l.) und Enrico (40) ein leerstehendes Trafohäuschen am Hauptbahnhof.
Tobi (36, r.) setzt sich einen Schuss. Er bewohnt mit André (35, l.) und Enrico (40) ein leerstehendes Trafohäuschen am Hauptbahnhof.  © RTL ZWEI/Spiegel TV

Viele wissen, wie schädlich die Drogen für ihren Körper und ihre Psyche sind und dass sie sich ihr ganzes Leben durch ihre Abhängigkeit verbauen. Darauf verzichten können sie aber nicht und wollen es auch teilweise nicht. Starke Entzugserscheinungen verhindern, dass sie von ihrer Sucht wegkommen. Das Interesse am Schicksal der Junkies ist groß. Das beweisen nicht zuletzt starke Einschaltquoten.

In der letzten Folge war ein Kamerateam wieder in Leipzig unterwegs. Hier ist besonders die Billigdroge Crystal Meth verbreitet, die vor allem aus Tschechien nach Ostdeutschland und Nordbayern gelangt. Zwei Drittel aller suchtkranken Sachsen nehmen das Methamphetamin.

Dazu gehören auch Enrico (40), Tobi (36) und André (35), die ein altes Trafohäuschen auf dem Zollschuppengelände am Hauptbahnhof bewohnen. Neben dem Schnorren möbeln sie alte Fahrräder auf, um mit dem Verkauf Geld für Drogen zu verdienen. Laut Enrico standen die Drahtesel lange herrenlos herum und wurden nicht geklaut.

Ständige Gefahr einer Überdosis: "Da wär' die Scheiße hier endlich vorbei!"

Enrico (40) setzt sich in der alten Hütte einen Schuss. Die hygienischen Zustände sind besorgniserregend, obwohl sie auf sterile Spritzen bestehen.
Enrico (40) setzt sich in der alten Hütte einen Schuss. Die hygienischen Zustände sind besorgniserregend, obwohl sie auf sterile Spritzen bestehen.  © RTL ZWEI/Spiegel TV

In der verlassenen Hütte, in der die hygienischen Zustände zu Wünschen übrig lassen, setzt sich das Trio mehrfach täglich einen Schuss oder raucht das Crystal durch eine Pfeife.

André will hier von Tobi gespritzt werden, Tobi lehnt ab, will nicht verantwortlich sein, wenn etwas schiefgeht. Nachdem er sich selbst einen Schuss gesetzt hat, zittert Tobi "wie Schwein". André fragt: "Überdosis?" Tobi: "Schön wär's, Alter. Da wär' die Scheiße hier endlich vorbei."

Der seit seinem 14. Lebensjahr Drogenabhängige weiß genau, was seine Sucht mit ihm anrichtet. Weg kommt er aber nicht mehr. Durch Fehlinjektionen sind seine Arme angeschwollen, Gesicht und Hände sind mit Verletzungen übersät.

Tobi appelliert an die Zuschauer: "Ich habe den Film mit Christiane F. ["Die Kinder vom Bahnhof Zoo" von 1981, Anm. d. Red.]. Der sollte in der Schule eigentlich zur Abschreckung dienen. Abgeschreckt hat er mich nicht, höchstens noch neugieriger gemacht. Nichtsdestotrotz ist es ein gutes Fördermittel und sollte weiterhin im Unterricht gezeigt werden zur Abschreckung."

Im Bezug auf die Drogen, die er sich währenddessen vorbereitet, sagt er: "Sowas kommt dabei raus, wenn Ihr den Film guckt und trotzdem nicht abgeschreckt werdet. Lest auch das Buch, das ist sowieso besser als der Film, finde ich."

Kurz darauf wird André nach einer routinemäßigen Personalüberprüfung von der Polizei festgenommen. "Bei André war ein Haftbefehl draußen", weiß Kumpel Steffen (35). Er müsse jetzt seine Geldstrafe absitzen, da er sie nicht zahlen kann. In der JVA Leipzig sitzen mehr als zehn Prozent der etwa 450 Gefangenen wegen Drogendelikten ein.

Martin stirbt nach den Dreharbeiten

Der obdachlose Martin (32) starb wenige Wochen nach den Dreharbeiten.
Der obdachlose Martin (32) starb wenige Wochen nach den Dreharbeiten.  © RTL ZWEI/Spiegel TV

Mit seiner Freundin Mariell (31) lebt Martin (32) auf den Leipziger Straßen. Zuletzt bewohnten sie ein altes Verwaltungsgebäude im Stadtteil Möckern.

Im Hochsommer begleitete das Kamerateam den mittlerweile cleanen 32-Jährigen unter anderem bei der Körperhygiene an einem Brunnen neben der Nikolaikirche. Drei Monate später, also im Spätherbst dieses Jahres, verstirbt Martin und hinterlässt seine Mariell, die kurz zuvor erst um ihren Bruder trauern musste. In der letzten Folge starb bereits Christian. Conny erzählte von den letzten Stunden (TAG24 berichtete).

Tragisch ist auch das Schicksal von Enrico. Der dreifache Vater hat Crystal und Heroin früher als Problemlöser verherrlicht, kommt nun nicht mehr selbstständig los von den illegalen Substanzen.

"Ich geh' nach Stadtroda zur Asklepios-Klinik", berichtet er von der anstehenden Entgiftung. "Das ist eine coole Klinik, weil die langsam runterdosieren, sodass du vom eigentlichen Entzug wenig mitkriegst." Während seiner Zeit im offenen Entzug erleidet er drei Rückfälle. Er nahm Drogen, weil ihm Beine und Gelenke wehgetan haben, er Kopf- und Zahnschmerzen hatte - Entzugserscheinungen.

Urinkontrollen checken, ob die Patienten weiter Drogen nehmen. Beim nächsten Test hätte sein Rückfall bemerkt werden müssen. Enrico kommt dem zuvor und bricht die Therapie freiwillig ab. Er nimmt wenig später die Entgiftung wieder auf, war kurzzeitig in einer Klinik, da ihm von einem Mitpatienten die Nase gebrochen wurde. Dann nahm er die Therapie wieder auf.

Bis zu 1,27 Millionen Zuschauer verfolgten die letzte "Hartes Deutschland"-Folge, 11,1 Marktanteil sprang bei den 14- bis 29-Jährigen heraus.

Die aktuelle Episode könnt Ihr Euch >>>hier kostenlos noch einmal anschauen.

Zwei Drittel der Suchtkranken in Sachsen nehmen die vor allem in Tschechien produzierte Billigdroge Crystal Meth.
Zwei Drittel der Suchtkranken in Sachsen nehmen die vor allem in Tschechien produzierte Billigdroge Crystal Meth.  © RTL ZWEI/Spiegel TV

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