Von Ali Bekhtaoui, Larent Thomet
Paris (Frankreich) - Erneut ist ein Hitzerekord gefallen: Der vergangene Monat war der heißeste Juni in der Geschichte Westeuropas - in ganz Europa und auch weltweit stiegen die Temperaturen auf den zweithöchsten jemals gemessenen Durchschnittswert.
In Westeuropa lag die Durchschnittstemperatur im Juni bei 20,74 Grad, wie der EU-Klimadienst Copernicus am Donnerstag mitteilte. Damit wurde der bisherige Höchstwert aus dem vergangenen Jahr noch übertroffen.
Im Vergleich zum Juni-Durchschnittswert der Jahre 1991 bis 2020 lagen die Temperaturen in Westeuropa im vergangenen Monat laut Copernicus um mehr als drei Grad Celsius höher. Auf ganz Europa gesehen war der Juni den Angaben zufolge der zweitwärmste der Geschichte.
Auch weltweit kletterten die Temperaturen den Angaben zufolge auf den zweithöchsten je gemessenen Durchschnittswert.
Weltweit lagen die Durchschnittstemperaturen im Juni um 1,39 Grad über dem geschätzten Durchschnitt des vorindustriellen Zeitalters. Die Weltmeere waren zudem im vergangenen Monat so warm wie noch nie.
"In einer wärmeren Welt werden wir mehr Hitzewellen erleben", sagte Samantha Burgess vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Klimavorhersagen (ECMWF), das Copernicus betreibt, der Nachrichtenagentur AFP. "Sie werden intensiver sein und länger andauern, und sie werden mehr geographische Gebiete betreffen."
Rekordwerte auch im Mittelmeer
Die Menschheit befinde sich am Übergang von einer Zeit, in welcher der Klimawandel "als ein abstraktes statistisches Problem der Zukunft" erschien, zu einer Realität, in der die Erderwärmung das Alltagsleben konkret beeinträchtige. Dabei schreite die Klimaerwärmung in Europa deutlich schneller voran als in anderen Weltregionen, sagte Burgess.
Die Hitzewelle im Juni habe erhebliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit gehabt und zu Todesfällen geführt, erklärte Copernicus weiter.
Hohe Luftfeuchtigkeit führte zu einer Abfolge von Tropennächten, in denen das Thermometer auch nachts nicht unter 20 Grad sank. Dazu trugen laut Burgess Rekord-Wassertemperaturen im Mittelmeer bei: "Wenn das Meer warm ist, bekommen wir nachts weniger Erleichterung, weil die kühlende Meeresbrise fehlt", erklärte die Wissenschaftlerin.
Europa brauche Pläne zur Klimaanpassung, mahnte Burgess: "Viele Gebäude in Europa wurden vor hunderten von Jahren errichtet, und das damalige Klima gibt es nicht mehr." Zudem müsse der Ausstoß von Treibhausgasen durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe so schnell wie möglich auf Null gesenkt werden.