Juwelen-Raub im Grünen Gewölbe: So gelangten die Täter in die Tiefgarage!

Dresden - Am Tag drei nach dem Juwelen-Raub (TAG24 berichtete) sind die Ermittler einen großen Schritt weiter. Nicht ein Duo, sondern ein Quartett stahl den Staatsschatz aus dem 18. Jahrhundert.

Das Fluchtfahrzeug: Der ausgebrannte Audi wurde gestern aus der Kötzschenbroder Straße abtransportiert. Im Wrack hatten die Ermittler entscheidende Hinweise gefunden.
Das Fluchtfahrzeug: Der ausgebrannte Audi wurde gestern aus der Kötzschenbroder Straße abtransportiert. Im Wrack hatten die Ermittler entscheidende Hinweise gefunden.  © Tino Plunert

Auswertungen der Kamerabilder brachten die neuen Erkenntnisse. Auch der mögliche Fluchtweg wird immer klarer.

"Es waren zwei Täter im Gebäude selbst, zwei weitere hielten sich außerhalb auf", so Soko-Chef Olaf Richter (51). Nach dem Coup sprangen die vier in einen Audi A6, rasten los.

Der mutmaßliche Fluchtweg: über den Postplatz, die Ostra-Allee entlang, dann über die Marienbrücke bis zur Leipziger Straße stadtauswärts. Am Ballhaus Watzke bogen sie in die Kötzschenbroder Straße, an der Nummer 8 ging es in die Tiefgarage.

Die Räuber müssen die Garage gekannt haben und wohl auch die Gewohnheiten der Nutzer. Schlüssel werden nur gegen Unterschrift an Mieter ausgegeben, bestätigt Frank Roch, Chef des Hausmeister-Service "Clean-Devil's". "Als eine Anwohnerin herausfuhr, sind sie hineingefahren", weiß ein Bewohner.

Dann stellten sie das Auto im Bereich hinter der Brandschutztür vor dem Treppenaufgang ab, legten Feuer und flüchteten - möglicherweise über das Treppenhaus. "Nachbarn sahen ein Fahrzeug, das oben wartete und dann schnell davonfuhr", sagt eine Frau.

Täter kannten sich sehr gut aus

So muss der Fluchtweg gewesen sein: vom Tatort Schloss (1) über den Postplatz, die Ostra-Allee (2)entlang. Über die Marienbrücke (3) zur Leipziger Straße (4) bis zur Garage in der Kötzschenbroder Straße (5). Von dort verliert sich die Spur.
So muss der Fluchtweg gewesen sein: vom Tatort Schloss (1) über den Postplatz, die Ostra-Allee (2)entlang. Über die Marienbrücke (3) zur Leipziger Straße (4) bis zur Garage in der Kötzschenbroder Straße (5). Von dort verliert sich die Spur.  © Grafik: Quelle Stepmap

Polizeisprecher Marko Laske: "Die Täter wählten eine Garage, damit der Fahrzeugbrand so spät wie möglich bemerkt wird."

In dem Wrack machten die Fahnder eine entscheidende Entdeckung: Gegenstände vom Schloss - der Beweis, dass es sich tatsächlich um das Täterfahrzeug handelt. Nicht gefunden wurden Werkzeuge oder Diebesgut.

Der ausgebrannte Audi war 2017 in Sachsen-Anhalt abgemeldet worden, der letzte bekannte Besitzer gilt als unverdächtig. Bis zum Morgen des gestrigen Mittwochs meldeten sich 205 Bürger bei der Polizei, deren Hinweise nun abgearbeitet werden.

Gestern war erneut die Kripo an der Kötzschenbrodaer Straße, sicherte weitere Spuren. Ein Mantrailer (Personenspürhund) verfolgte mehrere Hundert Meter eine Fährte, die sich dann verlief.

Von da an verliert sich die Spur - die A4-Auffahrt Mickten ist nur wenige Fahrminuten entfernt...

Soko-Chef hatte schon mal richtigen Riecher

Kriminalrat Olaf Richter (51) will mit seiner Soko "Epaulette" die Juwelendiebe fangen.
Kriminalrat Olaf Richter (51) will mit seiner Soko "Epaulette" die Juwelendiebe fangen.  © Ove Landgraf

Tatsächlich hatte Kriminalrat Olaf Richter (51) am Montagmorgen den richtigen Riecher: Noch bevor er Chef der Soko "Epaulette" wurde, machte ihn der Brandgeruch an der Elbe stutzig. Auch für den Dezernatsleiter Einbruch ist der Fall nicht alltäglich.

"Montags komme ich immer etwas eher, um noch den Lagefilm vom Wochenende zu lesen", sagt Richter. "So gegen 6 Uhr bin ich dann am Arbeitsplatz." Dahin geht er meist zu Fuß, so auch am Einbruchstag.

"Auf der Carolabrücke roch es brenzlig", so der Ermittler. "Auf Arbeit habe ich dann im Lagefilm nachgesehen, was das sein könnte. Da stand 'Einbruch Schloss, Grünes Gewölbe'. Ich bin sofort mit Kollegen hingefahren."

Dort die Überraschung: "Mit dem Ausmaß hatte ich nicht gerechnet", so der Kriminalrat. "Ich war erstaunt, als es dann hieß, dass die Vitrine geöffnet wurde. Mein Entsetzen wurde immer größer."

Wenig später wurde er Chef der Soko "Epaulette", die die Einbrecher fangen soll. 20 Kriminalisten arbeiten dort an dem Fall, der auch den gebürtigen Dresdner nicht unberührt lässt: "Als Dresdner macht man sich da schon Gedanken", sagt er.

"Das ist eine Tragödie für uns Sachsen." Er selbst hatte den Staatsschatz zum letzten Mal 2006 besichtigt.

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