Rechtsbeugung! Sachsens härtester Mafia-Jägerin droht nun selber Knast

Leipzig - Sie brachte Dutzende Drogenbosse und Dealer hinter Gitter. Doch nun kommt Sachsens erfolgreichste Mafia-Jägerin selbst auf die Anklagebank. Der Leipziger Oberstaatsanwältin Elke Müssig (53) wird Strafvereitelung im Amt, Rechtsbeugung und Falschaussage vor Gericht vorgeworfen.

 Früher war sie die Anklägerin - jetzt muss Oberstaatsanwältin Elke Müssig (53) selbst auf die Anklagebank.
Früher war sie die Anklägerin - jetzt muss Oberstaatsanwältin Elke Müssig (53) selbst auf die Anklagebank.  © Ralf Seegers

Fast 14 Monate lang stritten sich Chemnitzer Staatsanwälte und Leipziger Landrichter, ob ihre Kollegin ein Fall für den Kadi ist. Gestern gab das Oberlandesgericht Dresden seine Entscheidung bekannt: Ja, die Anklage gegen die seit Dezember 2017 suspendierte Oberstaatsanwältin ist zulässig, das Landgericht Leipzig muss gegen Müssig verhandeln.

Und darum geht‘s: In einem großen Drogenprozess 2014, in dem die Staatsanwaltschaft aufgrund schlampiger Aktenführung ein Fiasko erlebte und Mitglieder einer Crystal-Bande auf freien Fuß kamen, zeigte der Vorsitzende Richter Rüdiger Harr (53) die Oberstaatsanwältin noch in der Verhandlung an.

Die schweren Vorwürfe: Müssig habe vor Gericht gelogen. Zeugenschaftlich soll die Mafia-Jägerin erklärt haben, dass sie bei der Vernehmung eines Kronzeugen nicht anwesend war. Ein BKA-Beamter hatte allerdings ausgesagt, dass Müssig die Vernehmung selbst führte.

Die weiteren Anklagepunkte wiegen noch schwerer: Die Oberstaatsanwältin soll den Drogenhändler, der ihr Kronzeuge war, vor Strafe bewahrt haben. Angeblich stellte Müssig ein Verfahren gegen den 42-Jährigen ein, obwohl dieser mit zwei Kilo Crystal gehandelt haben soll (TAG24 berichtete).

 Zeigte seine Studienfreundin knallhart an: Rüdiger Harr (53), Vorsitzender Richter am Landgericht Leipzig.
Zeigte seine Studienfreundin knallhart an: Rüdiger Harr (53), Vorsitzender Richter am Landgericht Leipzig.  © Ralf Seegers

Allerdings: Hinter dem bizarren Fall steht auch ein privates Zerwürfnis.

Landrichter Harr und Oberstaatsanwältin Müssig waren einst Studienkollegen und lange eng befreundet. Doch dann kam der Bruch, über dessen Gründe in sächsischen Juristenkreisen trefflich spekuliert und getratscht wird.

Im Leipziger Landgericht ist man derweil bemüht, für die Verhandlung der delikaten Angelegenheit eine möglichst unbefangene Kammer zu finden, deren Richter auch nicht mit den bisherigen Drogenprozessen von Müssig befasst waren. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest.

Für die einst für ihre Erfolge im Antidrogenkampf gefeierte und von Kripo-Ermittlern geschätzte Spitzenjuristin geht es um alles. Da Rechtsbeugung ein Verbrechenstatbestand ist, würde Müssig bei einer rechtskräftigen Verurteilung Job und Beamtenrechte, mithin auch ihre Pensionsansprüche verlieren.

Zudem würden ihr dann bis zu fünf Jahre Gefängnis drohen.

 Ein Vorwurf: Die Mafia-Jägerin soll den Handel mit zwei Kilo Crystal nicht zur Anklage gebracht haben, um einen zwielichtigen Kronzeugen vor Strafe zu schützen.
Ein Vorwurf: Die Mafia-Jägerin soll den Handel mit zwei Kilo Crystal nicht zur Anklage gebracht haben, um einen zwielichtigen Kronzeugen vor Strafe zu schützen.  © DPA

Titelfoto: Ralf Seegers

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