Witwer macht erschreckende Entdeckung auf Leipziger Friedhof

Von Anke Brod

Leipzig - Bestürzt zeigte sich am 4. Januar ein Besucher der "Abteilung X IV" auf dem Leipziger Südfriedhof. Der Rentner Steffen Herz (67) wollte jenen Samstag an der Grabstelle für Körperspender der Universität Leipzig mal wieder seiner im September verstorbenen Frau Eleonore (†70) gedenken. Da bemerkte er plötzlich, dass an einer Stelle der Grabschmuck anderer Trauernder komplett fehlte.

Steffen Herz ist häufig auf dem Südfriedhof, um seine verstorbene Frau zu besuchen.
Steffen Herz ist häufig auf dem Südfriedhof, um seine verstorbene Frau zu besuchen.  © Anke Brod (Bildmontage)

"Am Donnerstag davor war noch alles da", erinnert er sich. Die Gestecke seien teilweise frisch gewesen.

Der Witwer fährt fort: "Ich habe sofort meine Kerze, das Gesteck und das Foto meiner Frau unter einen Busch gesetzt, da stört es hoffentlich niemanden!" - So groß ist offenbar seine Angst, es könne bald den eigenen Schmuck treffen.

"Wir schlossen voriges Jahr einen Vertrag mit der Universität Leipzig ab, wonach meine krebskranke Frau Eleonore ihren Körper nach dem Tod als Spende für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung stellen würde. Danach sollte sie per Urne auf einer Gemeinschaftsanlage der Universität auf dem Südfriedhof beerdigt werden", erklärt er.

Dies geschah letztlich am 12. November vorigen Jahres. "Ich war froh", so Steffen Herz, "dass ich damit zur Trauerbewältigung endlich einen konkreten Bezugspunkt hatte".

Er gehe oft hin, brauche mit seinem an einer bestimmten Stelle platzierten Gesteck einen Fixpunkt, um den Tod der geliebten Partnerin besser zu verkraften. Die plötzliche Wegnahme von rund 50 Fremd-Gestecken inklusive Fotos von Verstorbenen finde er pietätlos und sagt: "Letzten Sonntag standen drei konkret betroffene Angehörige vor der leeren Fläche. Sie waren sprachlos."

Verschwundener Grabschmuck: Alles nur ein Missverständnis?

Für die nächste Urnenbestattung wurde ein Teil alter Gestecke weggeräumt.
Für die nächste Urnenbestattung wurde ein Teil alter Gestecke weggeräumt.  © Anke Brod

Einen Passus, wonach Trauernde wie bei den anderen, unmittelbar der Friedhofsverwaltung unterstellten Gemeinschaftanlagen am Südfriedhof nichts auf die Fläche legen dürfen, hat Herz nicht im Vertrag.

„Das Grabfeld wird regelmäßig von einer Gärtnerei gepflegt. Dabei wird Laub gekehrt und ein Teil der vertrockneten Gestecke entfernt. Ein Teil des Grabfeldes muss auch für Urnenbeisetzungen frei bleiben", erklärte eine Pressesprecherin der Medizinischen Fakultät TAG24 auf Anfrage. Das passierte demnach auch am 3. Januar.

Bärbel Zimmermann ergänzt als Mitarbeiterin des Universitätsklinikums Leipzig: "Als unser Gärtner gerade dort arbeitete, kam jemand von der Friedhofsverwaltung hinzu und bat ihn, auf der Wiese gleich noch eine Schneise für die nächste Urnenbestattung freizuräumen." Dies habe er getan und dabei etwa 15 vertrocknete Gestecke entsorgt.

"Die frischen Sachen hat er zu den schon vorhandenen auf der Anlage gesetzt", so Zimmermann. Das Fazit der hochemotionalen Angelegenheit: Es war alles ein Missverständnis!

Körperspender haben einen besonderen Platz auf dem Südfriedhof in Leipzig.
Körperspender haben einen besonderen Platz auf dem Südfriedhof in Leipzig.  © Anke Brod

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