Pilsen/Chemnitz - Der Fall der Rechtsextremistin Marla-Svenja Liebich (55) sorgt für heftige Debatten. Kritiker werfen Liebich vor, das Geschlecht nur gewechselt zu haben, um das Selbstbestimmungsgesetz der Ampel-Regierung vorzuführen. Ex-Familienministerin Kristina Schröder (48, CDU) fordert nun, das Gesetz abzuschaffen.
Die Ampel-Regierung wollte es so: Seit November 2024 kann jeder sein Geschlecht wechseln - ohne ärztliches Attest oder psychologische Begutachtung.
Zwar gab es im Bundestag massive Kritik an dem Vorhaben, doch das Gesetz kam. Nun kocht die Debatte allerdings wieder hoch - und zwar durch Marla-Svenja Liebich.
Hintergrund: Die 55-Jährige wurde unter dem Vornamen Sven zu anderthalb Jahren Knast verurteilt. Durch das neue Ampel-Gesetz wechselte Liebich das Geschlecht, trat seitdem immer wieder im Frauen-Look auf.
Womöglich kommt die Rechtsextremistin, die aktuell im Tschechen-Knast sitzt, bei einer Auslieferung in die Frauen-JVA in Chemnitz. Die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder spricht im Gespräch mit der "WELT" von einem "Skandal". "Das ist für die weiblichen Insassen (...) absolut nicht zumutbar", sagt die 48-Jährige.
Aber: Auch ein Neonazi wie Liebich dürfe das Gesetz anwenden. "Ich sehe keinen Missbrauch. Er gebraucht das Gesetz, wie es der Gesetzgeber beschlossen hat", so Schröder.
CDU-Politikerin sieht Gefahr für Jugendliche und Frauenschutzräume
Das Gesetz gebe keine Möglichkeit, an einem "Geschlechter-Tausch" zu zweifeln. "Denn, wenn man das Geschlecht von der Einschätzung dritter Personen loslösen will, dann kann man nicht in einem bestimmten Fall, in dem es einem nicht passt, sagen: 'Aber hier zweifle ich jetzt doch'", sagt die ehemalige Familienministerin.
Die Diplom-Soziologin kritisiert das Selbstbestimmungsgesetz scharf. Nicht nur wegen Liebich - ebenso Jugendliche würden durch den einfachen "Geschlechter-Wechsel" vorschnell zu Medikamenten greifen. Auch für Frauenschutzräume sei die Umsetzung eine Gefahr.
"Deswegen sollten wir dieses Gesetz schnellstmöglich wieder abschaffen", sagt Schröder.