Studie zieht Bilanz: Darum hat es 2022 mit der Einhaltung der Klimaziele nicht geklappt

Berlin - Die Analyse des deutschen Think-Tanks "Agora Energiewende" kommt zu dem Ergebnis, dass die gesetzten Klimaziele Deutschlands, trotz bester Voraussetzungen, im Jahr 2022 verfehlt wurden. Für 2023 werden dringende Maßnahmen gefordert.

Die Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken, wie hier dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in der Lausitz, hat durch die Energiekrise wieder zugenommen.
Die Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken, wie hier dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in der Lausitz, hat durch die Energiekrise wieder zugenommen.  © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Obwohl der Energieverbrauch Deutschlands 2022 um 4,7 Prozent im Vergleich zu 2021 abgenommen habe und der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung auf einem "Rekordhoch" liege, sei die "erforderliche Reduktion der CO₂-Emissionen ausgeblieben", so das Fazit der am Mittwoch veröffentlichten Studie.

Die Emissionen seien 2022 stattdessen sogar um acht Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Ein "Alarmsignal" für Simon Müller, Direktor Deutschland bei Agora Energiewende.

Grund für den ausbleibenden positiven Effekt für das Klima sei "Agora" zufolge der "verstärkte Einsatz von Kohle und Öl" als kurzfristige Antwort auf die Energiekrise. Ein steigender Erdgaspreis habe die Kohleverstromung letztlich befördert.

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Das Studienergebnis reiht sich damit in die aktuelle politische Debatte um den Kohleausstieg ein, die zuletzt am Dienstag in Lützerath ihren Höhepunkt fand, als Klimaaktivisten der "Letzten Generation" ein ganzes Dorf blockierten, um den dort geplanten Kohleabbau zu verhindern.

Mit Solarenergie zu niedrigen Energiepreisen

Durch den Ausbau erneuerbarer Energien, wie Solar- und Windkraft, erhofft sich der Think-Tank "Agora Energiewende" eine schnellere Unabhängigkeit von kostspieligen fossilen Energien.
Durch den Ausbau erneuerbarer Energien, wie Solar- und Windkraft, erhofft sich der Think-Tank "Agora Energiewende" eine schnellere Unabhängigkeit von kostspieligen fossilen Energien.  © Roland Weihrauch/dpa

Während die Energiewirtschaft und die Industrie ihre Klimavorgaben knapp hätten einhalten können, bleibe der Verkehrs- und Gebäudebereich weit hinter den Erwartungen zurück und verfehle das Sektor-Ziel um fünf Millionen Tonnen an Emissionen.

Die Preise für Erdgas, Kohle und Erdöl seien schon 2022 durchschnittlich stark angestiegen und werden Müller zufolge "voraussichtlich auf hohem Niveau" bleiben.

Deshalb fordere der Agora-Direktor für 2023 einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. "Gerade der schnelle Ausbau von Solarenergie kann jedoch die Preise zügig dämpfen", so Müller.

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Das Ziel sei eine vorzeitige Unabhängigkeit von "fossilen Energien und deren volatilen Preisen".

Im Ergebnis der Studie wird betont, dass die "Zustimmung der Energiewende in der Bevölkerung deutlich gewachsen" sei.

Titelfoto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

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