Geheimer Bundeswehrplan sieht weniger Stützpunkte an der Ostsee vor

Rostock - Die Bundeswehr will die Deutsche Marine angesichts der neuen Bedrohungslage durch Russland umkrempeln. Im versehentlich veröffentlichten Plan "Zielbild Marine 2035+" gibt es dazu ein Kapitel, das auch die Standorte betrifft. Es dürften noch weniger werden.

Die Deutsche Marine unterhält drei Stützpunkte an der Ostsee, wie hier in Rostock. (Archivbild)
Die Deutsche Marine unterhält drei Stützpunkte an der Ostsee, wie hier in Rostock. (Archivbild)  © Frank Hormann/dpa

Derzeit unterhält die Marine drei Großverbände: zwei Einsatzflottillen und ein Marinefliegerkommando.

Mit Eckernförde und Kiel gibt es zwei Stützpunkte an der Ostsee in Schleswig-Holstein und einen in Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Im niedersächsischen Wilhelmshaven befindet der einzige an der Nordsee. Die Flieger sind ganz in der Nähe in Nordholz (Landkreis Cuxhaven) stationiert.

Seit der Wende wurden laut Bundesarchiv sieben Stützpunkte an Nord- und Ostsee geschlossen. In Friedenszeiten nach Ende des Kalten Kriegs wurde die Bundeswehr verkleinert und andere Aufgaben wie beispielsweise der Schutz von Seewegen vor Piratenangriffen erschienen wichtiger als Abschreckung und Verteidigung. Das ändert sich jetzt mit dem noch nicht finalen "Zielbild Marine 2035+".

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Bei Umsetzung des Plans dürften es zukünftig noch weniger Stützpunkte werden.

Diese Marinestützpunkte wackeln

Wie lange bleibt der Marinestützpunkt Kiel noch erhalten? (Archivbild)
Wie lange bleibt der Marinestützpunkt Kiel noch erhalten? (Archivbild)  © Marcus Brandt/dpa

In dem Dokument heißt es, dass diese "über alle Eskalationsphasen hinweg einen unverzichtbaren Beitrag zum Betrieb der Flotte" leisten. Es gehe um Versorgung, Instandsetzung, Betreuung und Regeneration.

"Damit sind sie ein besonders lohnendes Ziel für einen Gegner; sowohl mit Blick auf hybride Angriffe über alle Eskalationsphasen hinweg als auch im Krieg", schreibt die Bundeswehr.

Mit zunehmender Eskalation wachse der Leistungsumfang, den ein Marinestützpunkt zu erbringen habe. Der Schutzbedarf sei höher, außerdem steige der logistische Umschlagbedarf und der Instandsetzungsaufwand. Darauf müssen die Stützpunkte organisatorisch und infrastrukturell vorbereitet werden, heißt es im Plan. "Der dafür zu erbringende Aufwand ist beträchtlich. Aus diesem Grund können nicht alle Stützpunkte dafür vorgesehen werden."

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Weiter: "Mit steigender Eskalation ist die Anzahl der zu betreibenden Stützpunkte auf einen für Nordsee und mindestens einen für die Ostsee zu reduzieren." Wilhelmshaven ist damit gesetzt. Wie es mit Nordholz aussieht, ist fraglich, die geografische Nähe spricht aber für einen Erhalt.

Gerade in Schleswig-Holstein dürften die Sätze aber Kopfzerbrechen auslösen. Mit Übernahme des ehemaligen Standorts der insolventen MV-Werften in Warnemünde durch die Bundeswehr im August 2022 ist der Stützpunkt Rostock nämlich im Vorteil. Dort werden jetzt Marineschiffe gewartet und repariert. Eckernförde und Kiel haben kein Marinearsenal, wackeln wohl.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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