Bundeswehr veröffentlicht versehentlich Geheimplan für die Marine

Rostock - Wegen der drastisch geänderten Sicherheitslage macht sich die Bundeswehr Gedanken um die zukünftige Aufstellung – auch auf See. Ein bislang geheimer Plan zeigt, wie die Deutsche Marine ab Mitte des kommenden Jahrzehnts aussehen könnte. TAG24 konnte die sogenannte "Zielbild Marine 2035+" einsehen.

Offiziere auf der Kommandobrücke der Fregatte "Hessen" üben für den Ernstfall.
Offiziere auf der Kommandobrücke der Fregatte "Hessen" üben für den Ernstfall.  © Oliver Wunder/TAG24

Darin heißt es unter dem Titel "Fit für die Zukunft", dass sich die deutschen Seestreitkräfte "angesichts der neuen Bedeutung von Abschreckung und Verteidigung" am technischen Fortschritt ausrichten müssen. "Das bedeutet den umfassenden Einstieg in unbemannte Systeme und Künstliche Intelligenz."

Bei Abschreckung und Verteidigung seien der Nordatlantik, die Nordsee sowie die Ostsee und ihre Zugänge von "herausgehobener Bedeutung".

"Die Marine muss fit für die Zukunft des Seekrieges werden. Sie braucht eine Vielzahl unbemannter Systeme und benötigt Künstliche Intelligenz, insbesondere für die Lagebildführung und -auswertung." Daher seien jetzt zwei Punkte besonders wichtig: Finanzierung und Erprobung unbemannter Systeme.

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Bundeswehr Deutschland rüstet auf: Rheinmetall baut neue Granatenfabrik

Der als "Zielbild Marine 2035+" bezeichnete Plan war kurzzeitig auf der Internetseite der Bundeswehr zu finden, mittlerweile heißt es dort "404 - Ziel nicht gefunden", weil er wieder offline genommen wurde. Auf TAG24-Nachfrage bei der Marine heißt es, dass es sich "um eine noch nicht finalisierte Version" gehandelt habe. Mit einer Finalisierung sei in den kommenden Wochen zu rechnen.

Das bedeutet, alle Zahlen und Zitate stehen unter Vorbehalt. Sie geben aber einen interessanten Einblick über das, was bei der Bundeswehr gerade geplant wird. Darunter ist auch ein Wunschzettel.

Diese Struktur könnte die Deutsche Marine im Jahr 2035 haben

Die Bundeswehr gibt im "Zielbild Marine 2035+" einen Ausblick, wie die Flotte künftig aussehen soll.
Die Bundeswehr gibt im "Zielbild Marine 2035+" einen Ausblick, wie die Flotte künftig aussehen soll.  © Bundeswehr
Die "Baden-Württemberg" (F222) gehört zum Typ 125 und ist Bedrohungen teilweise wehrlos ausgeliefert.
Die "Baden-Württemberg" (F222) gehört zum Typ 125 und ist Bedrohungen teilweise wehrlos ausgeliefert.  © Oliver Wunder/TAG24

Aus einer Grafik (siehe oben) geht hervor, dass die Marine ab 2035 aus 15 Fregatten, sechs bis neun Korvetten, ergänzend bis zu 18 Einheiten eines noch zu entwickelnden Kampfsystems, sechs bis neun U-Booten, bis zu zwölf Minenjagdbooten, acht Seefernaufklärern des Typs P8A von Boeing oder des noch in der Entwicklung befindenden Maritime Airborne Warfare System (MAWS), drei Flottendienstbooten, drei Tankern, drei Einsatzgruppenversorgern, mehr als 17 Hubschraubern sowie mindestens 34 unbemannten Systeme über, auf und unter Wasser bestehen soll.

Im Vergleich zum bisherigen Plan 2031 zeigt sich eine teilweise Verschiebung zwischen unterschiedlichen Typen und teils mehr, teils weniger Einheiten, insgesamt will die Marine aber aufrüsten und ihr Arsenal vergrößern.

Außerdem wird viel mehr auf unbemannte Drohnen gesetzt. Bemerkenswert dabei ist, dass es eine Fregatte weniger vom derzeit modernen Typ 125 geben soll und eine mehr vom Typ 127.

"Zielbild Marine 2035+": Was kostet die Umsetzung?

Verteidigungsminister Boris Pistorius (62, SPD) ließ sich im Februar bei einem Antrittsbesuch bei der Marine in Eckernförde zeigen, was die Seestreitkräfte können und brauchen.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (62, SPD) ließ sich im Februar bei einem Antrittsbesuch bei der Marine in Eckernförde zeigen, was die Seestreitkräfte können und brauchen.  © Oliver Wunder/TAG24

Erstere Kriegsschiffe, wie die "Baden-Württemberg", eignen sich zwar zur Überwachung der See und zum Schutz vor Piraten, wie Anfang der 2000er benötigt, aber nicht für Seegefechte. Außerdem sind sie gegen Angriffe aus der Luft und unter Wasser fast wehrlos. Das soll mit Fregatten vom Typ 127 ganz anders werden. Bislang gibt es sie aber nur auf dem Papier.

Laut Bundeswehr orientieren sich die Zahlen an NATO-Forderungen sowie eigenen Einschätzungen zu "erforderlichen Seekriegsmitteln für das Kräftedispositiv im Bündnis" und an absehbaren nationalen Aufgaben. Außerdem seien bemannte und unbemannte Systeme direkt voneinander abhängig.

Was die Aufrüstung kostet? Bislang unbekannt. Bei den Zahlen im "Zielbild Marine 2035+" dürfte es sich um Maximalforderungen handeln.

Was Verteidigungsminister Boris Pistorius (62, SPD) davon umsetzen kann, hängt vor allem an Bundeskanzler Olaf Scholz (64, SPD) und Finanzminister Christian Lindner (44, FDP) ab. Argumentationshilfe dürfte Pistorius bei seinem Antrittsbesuch bei der Marine vor knapp zwei Wochen in Eckernförde erhalten haben.

Titelfoto: Oliver Wunder/TAG24

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