In offenem Brief: Bundeswehr-Generalinspekteur warnt vor Krieg mit Russland
Berlin/London - Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer (61), hat gemeinsam mit dem Chef des britischen Verteidigungsstabs, Richard Knighton (57), in einem offenen Brief vor einem Angriff Russlands auf die NATO gewarnt.
"Wir schreiben heute nicht nur als militärische Führer zweier Länder mit den höchsten Verteidigungsausgaben Europas, sondern als Stimmen für ein Europa, das sich nun unbequemen Wahrheiten über seine Sicherheit stellen muss", eröffnen die beiden jeweils ranghöchsten Soldaten ihres Landes ihren Brief, der in deutscher Sprache am Montag bei "Welt" veröffentlicht wurde.
Die englischsprachige Version, mit identischem Inhalt, wurde bereits am Sonntag in der Zeitung "The Guardian" veröffentlicht.
Die beiden Top-Militärs warnen dabei, auch auf Grundlage von Geheimdienstinformationen, vor einem steigenden Risiko eines Konflikts zwischen Russland und dem NATO-Bündnis.
"Moskaus militärische Aufrüstung, verbunden mit seiner Bereitschaft, Krieg auf unserem Kontinent zu führen – in der Ukraine ist das schmerzhaft deutlich geworden –, erhöht das Risiko und verlangt unsere gemeinsame Aufmerksamkeit."
Top-Militärs Carsten Breuer und Richard Knighton: Bedrohungslage erfordert "ehrlichen Dialog" mit Bürgern
Diese Bedrohung nehmen Breuer und Knighton zum Anlass, um den Bürgern ihrer Länder zu verdeutlichen, wie wichtig die Erhöhung der Verteidigungsausgaben zum Zwecke der Abschreckung seien: "Wenn Russland Europa als schwach oder gespalten wahrnimmt, könnte es sich ermutigt fühlen, seine Aggression über die Ukraine hinaus auszuweiten."
Dies sei derzeit aber nicht der Fall: "Europa ist stark. Die NATO ist das erfolgreichste Militärbündnis der Geschichte, und heute ist die militärische Macht der NATO unübertroffen."
Dennoch erfordere die derzeitige Bedrohungslage einen "ehrlichen Dialog" mit der Öffentlichkeit, schreiben sie weiter.
Breuer und Knighton fordern zudem den Aufbau einer "gesamtgesellschaftliche Verteidigung", die sich durch eine "robuste Infrastruktur, Forschung und Entwicklung im Hightech-Bereich durch den privaten Sektor sowie nationale Institutionen, die darauf vorbereitet sind, auch unter wachsenden Bedrohungen handlungsfähig zu bleiben" kennzeichne.
Titelfoto: Christoph Soeder/dpa

