Das ist doch Käse! Mogelpackung des Monats kommt von Leerdammer

Hamburg - Die Verbraucherzentrale Hamburg hat die Mogelpackung des Monats gekürt. Diesmal trifft es den Scheibenkäse von Leerdammer. Dieser schummelt auf besonders raffinierte Art und Weise.

Leerdammer ist zwar nicht leerer, aber deutlich teurer geworden.
Leerdammer ist zwar nicht leerer, aber deutlich teurer geworden.  © 123RF/TEA

Achtung, jetzt wird es kompliziert. Obwohl der Scheibenkäse von Leerdammer mehr Inhalt besitzt, verdient er völlig zurecht den Titel "Mogelpackung des Monats". Wie kann das sein?

Ganz einfach: Durch einen immensen Preisanstieg zahlen die Verbraucher im Schnitt 21 Prozent mehr, trotz gestiegenem Inhalt.

Wie gemein! Denn auf nahezu jeder Packung prangt die Ankündigung "+ 1 Scheibe" oder "dauerhaft mehr". 

Waren es bei der Sorte Leerdammer Original zunächst 7 Scheiben und 140 Gramm Inhalt, erhält der Käufer nun 8 Scheiben und damit 20 Gramm mehr Genuss pro Packung.

Bei dem Blick auf die Preisgestaltung währt die Freude jedoch nicht lange. Denn diese zusätzliche Käsescheibe geht arg ins Geld. 

Ohne Berücksichtigung der Mehrertsteuer-Senkung kostete die "alte" Packung im Schnitt 1,49 Euro. Im Juli wurde für das Produkt mit dem größeren Inhalt schlappe 1,99 Euro fällig, also 50 Cent mehr für eine einzige Käsescheibe. Bisher hatten die einzelnen Scheiben pro Stück nur 15 Cent gekostet.

Insgesamt macht das bei Leerdammer eine Preiserhöhung um bis zu 21 Prozent. Jede Käsesorte des Herstellers wirbt mit mehr Inhalt, kostet in den Läden aber wesentlich mehr.

Die Marken "Original" und "Léger" werden 17 Prozent teurer, "Feine Scheiben" kostet sogar 21,4 Prozent mehr. "Delacrème" und "Caractère" erhalten nur 15 Gramm Zuwachs, hier beträgt die Erhöhung sogar 19,2 Prozent.

Stellungnahme von Bel Deutschland überzeugt nicht

Wie üblich bat die Verbraucherzentrale den Hersteller Bel Deutschland, der dem französischen Milchkonzern Bel angehört, um eine Stellungnahme. Diese rechtfertigten den höheren Preis mit der Verwendung von Milch ohne Gentechnik sowie einer nachhaltigeren Verpackung. An sich ein löbliches Vorgehen, doch komplett überzeugt dieses nicht für die Erhöhung.

Denn bereits viele, auch deutlich preisgünstigere Unternehmen, verwenden ausschließlich gentechnikfrei produzierte Milch. Zudem sollen die Landwirte von Bel nur geringfügig mehr Geld erhalten, lediglich ein bis zwei Cent mehr pro Kilogramm Milch.

Recyceltes Plastik als neue Verpackung zu verwenden hat zudem auch Vorteile für den Hersteller. Denn wenn das Produkt mehr Inhalt hat, lässt sich die Ware so kostengünstiger verpacken. Ein Gewinn für Leerdammer, dennoch zahlt der Verbraucher mehr. Fair geht anders.

Weitere Packungen fallen im Juli durch verdeckte Preiserhöhungen auf

Die Verbraucherzentrale stellte weitere Artikel mit gemeinen Preiserhöhungen aus. Unter anderem traf es:

  • Andechser Natur Bio Trinkjoghurt. Dieser hat nur noch 330 statt 500 Gramm, kostet aber auch 30 Cent mehr (1,49 Euro statt 1,19 Euro). Preiserhöhung: 21 Prozent.
  • Weichspüler Aldi. Der Preis bleibt gleich bei 99 Cent, doch der Inhalt reduziert sich um einen halben Liter (!) auf 1 Liter. Preiserhöhung: 51,5 Prozent.
  • Babydream Pflegetücher, Eigenmarke Rossmann. Der Preis bleibt gleich (0,99 Euro), doch der Inhalt reduziert sich, es gibt nur noch 90 statt 100 Tücher. Preiserhöhung: 11,1 Prozent.

Auch im Sommer und trotz Mehrwertsteuer-Senkung bleiben die Schummeleien also nicht erspart. Nachdem monatelang Schokoladen-Produkte zur Mogelpackung des Monats gekürt wurden (TAG24 berichtete), betrifft es nun ein Milchprodukt. 

Titelfoto: 123RF/TEA

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