Hamburg - Während die Umfragewerte der AfD immer weiter steigen, stellt sich zunehmend die Frage: Wie lange kann die viel zitierte "Brandmauer" überhaupt noch aufrechterhalten werden? Ex-"Tagesschau"-Sprecher Constantin Schreiber (47) hat dazu eine klare Meinung.
Die Brandmauer sei lange ein "moralisches Versprechen" gewesen, verdeutlichte der 47-Jährige in einem Video, das er am Sonntag auf seinem Instagram-Kanal veröffentlichte. "Keine Zusammenarbeit mit der AfD, keine Koalition, keine Tolerierung, keine gemeinsame Machtoption", lautete das Credo.
Doch angesichts der steigenden Umfragewerte verändere sich die Frage. "Früher lautete sie: 'Soll man mit der AfD zusammenarbeiten?' Heute lautet sie zunehmend: 'Wie lange kann man eine Partei ausschließen, die in manchen Regionen stärkste Kraft ist?'", erläuterte Schreiber.
Besonders im Osten sei dieses Problem "existenziell", wie der Journalist unterstrich. "Wenn die AfD in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern [bei den anstehenden Landtagswahlen, Anm. d. Red.] deutlich stärkste Kraft wird, aber keine Partner findet, entstehen schwierige Konstruktionen", betonte der 47-Jährige.
Die Folge seien "Allparteienbündnisse gegen die AfD, Minderheitsregierungen, wechselnde Mehrheiten, vielleicht sogar Koalitionen, die politisch kaum zusammenpassen", prophezeite der gebürtige Niedersachse.
Constantin Schreiber spricht auf Instagram über Brandmauer zur AfD
Constantin Schreiber: AfD kann Bündnis der anderen Parteien nutzen
Jede dieser Lösungen hätte einen hohen Preis, gab Schreiber zu bedenken. "Je breiter das Bündnis gegen die AfD, desto stärker kann die AfD sagen: 'Seht ihr, alle gegen uns. Wir sind die einzige echte Opposition.'"
Aus diesem Grund formulierte der frühere Nachrichtensprecher eine deutliche Prognose: "Die Brandmauer wird anfangen zu bröckeln, durch viele kleine praktische Fragen."
Was passiere beispielsweise bei kommunalen Abstimmungen? Bei Richterwahlen? Oder wenn die AfD einem Antrag zustimme, der inhaltlich aus der Union komme? "Ist das schon Zusammenarbeit oder nur parlamentarische Realität?", fragte Schreiber in den Raum.
Genau in dieser Grauzone rechne er mit dem Bröckeln der Brandmauer - "begleitet von heftigen politischen, gesellschaftlichen, medialen Diskussionen", so seine abschließende Mutmaßung.