Jüngste Abgeordnete hüpft und springt durch den Bundestag: Sollte sie sich so verhalten?

Berlin - Emilia Fester (Grüne) ist mit gerade einmal 24 Jahren die jüngste Abgeordnete im Deutschen Bundestag - und sie polarisiert. Neben emotionalen Reden fällt die gebürtige Hildesheimerin auch durch Social-Media-Videos auf, die sie hüpfend im Bundestag zeigen. Doch sollte sich eine Abgeordnete, die für ihren Job fürstlich bezahlt wird, wirklich so verhalten? Wir haben ihren Kollegen Kassem Taher Saleh (29), Grünen-Abgeordneter aus Dresden, nach dessen Meinung gefragt.

Emilia Fester (24, Grüne) ist Deutschlands jüngste Bundestagsabgeordnete.
Emilia Fester (24, Grüne) ist Deutschlands jüngste Bundestagsabgeordnete.  © Kay Nietfeld/dpa

TAG24: Wie findest Du eigentlich den Social-Media-Auftritt Deiner jungen Kollegin Emilia Fester? Repräsentiert sie damit Partei und Politik?

Kassem Taher Saleh: Vor der Bundestagswahl habe ich mir immer anhören müssen, dass das Parlament nicht alle Bereiche der Gesellschaft repräsentiert, viel zu alt und homogen ist. Jetzt ist eine Emilia Fester als jüngste Abgeordnete in den Bundestag eingezogen und spricht natürlich die Themen der jungen Leute an.

Dabei hat sie eine andere Sprache und eine andere Herangehensweise als ein 0815-Politiker. Das Parlament sollte die Aufgabe haben, die gesamte Bevölkerung zu repräsentieren. Das schafft sie aktuell vielleicht nicht zu 100 Prozent, aber sie schafft es auf jeden Fall mehr, als das in der letzten Wahlperiode der Fall war. Andere müssen einfach akzeptieren, dass sie eine andere Sprache und Herangehensweise hat.

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TAG24: Junge Menschen beziehen ja auch immer weniger über die klassischen Wege ihre Informationen…

Taher Saleh: Genau, auch viele meiner Freunde beziehen ihre Informationen beispielsweise von Instagram, vielleicht auch von TAG24. Wenige davon lesen eine Zeitung, oder aktiv in einer App. Deshalb muss es doch auch ok sein, dass andere Politiker*Innen eine andere Sprache sprechen und eine andere Herangehensweise haben.

"Dieses Tanzen und Hüpfen im Parlament ist doch nur ein kleiner Teil der Arbeit!"

Er hat kein Problem mit dem Social-Media-Verhalten von Fester: Kassem Taher Saleh (29) sitzt für die Grünen und Dresden im Deutschen Bundestag.
Er hat kein Problem mit dem Social-Media-Verhalten von Fester: Kassem Taher Saleh (29) sitzt für die Grünen und Dresden im Deutschen Bundestag.  © Eric Münch

TAG24: Eine andere Sprache und eine andere Herangehensweise sind ja völlig ok. Aber kannst Du nicht auch das Argument verstehen, dass es für Tanzen und Hüpfen durch den Bundestag nicht unbedingt 10.000 Euro im Monat geben muss?

Taher Saleh: Aber, das stimmt doch gar nicht. Das ist doch nur ein Teil von vielen. Ich stehe doch auch nicht von früh bis abends da und überlege mit meinem Team, was ich als Nächstes produzieren kann.

Wir verhandeln im Parlament, reden mit der Industrie, sprechen mit der Zivilgesellschaft… Social Media, dieses Tanzen und Hüpfen im Parlament ist doch nur ein kleiner Teil der Arbeit!

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TAG24: Schon klar, aber Du weißt doch selbst, wie schnell sich heutzutage anhand weniger Bilder eine Meinung gebildet hat! Das kann doch nicht ignoriert werden…

Taher Saleh: Ich kann doch aber auch nicht auf jede Meinung hören. Ich muss schauen, wo meine Idee ist, wie meine Art und Weise zu sprechen ist. Andere Stimmen sind total ok und legitim, die muss ich akzeptieren und respektieren. Wichtig ist, dass die nicht das Grundgesetz oder mich als Person angreifen.

So hüpft Emilia Fester durch den Bundestag

Ihr wollt noch mehr über den Fester-Kollegen Kassem Taher Saleh erfahren? Kein Problem!

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa

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