Von Sebastian Kunigkeit-Will, Matthias Arnold, Maurice Dirker, Theresa Held, Stefan Kruse, Torsten Holtz, Julia Kilian
Berlin - Jetzt ist raus, worum es bei den Ermittlungen gegen Berlins SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (47) geht. Die Staatsanwaltschaft hat am Abend Details veröffentlicht. Krach weist die Vorwürfe weiterhin zurück.
"Ich weise sie nachdrücklich zurück", teilte Krach am späten Donnerstagabend mit. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Unbegründetheit der Vorwürfe das Ergebnis der Prüfung der Ermittlungsbehörden sein wird."
Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte zuvor erstmals öffentlich gemacht, weshalb sie gegen Krach ermittelt. Demnach geht es um den Anfangsverdacht der Vorteilsannahme in zwei Fällen. Zudem ermittelt die Behörde wegen eines Anfangsverdachts auf wettbewerbsbeschränkende Absprachen bei Ausschreibungen in Tateinheit mit der Verletzung von Geschäftsgeheimnissen und der Verletzung der Geheimhaltungspflicht.
Krach erklärte daraufhin: "Die Staatsanwaltschaft Hannover hat meinem Anwalt mitgeteilt, dass dort nur ein mich betreffendes Ermittlungsverfahren geführt wird."
Darin gehe es um zwei Fragen: zum einen um eine Spende eines Unternehmers an den SPD-Landesverband Berlin, "die bei zwei Gelegenheiten im Zusammenhang mit einem behördlichen Verfahren von mir gefordert worden sein soll. Zum anderen geht es um eine behauptete unzulässige Weitergabe eines Bieterangebotes als Geschäftsgeheimnis im Zusammenhang mit einem Bieterverfahren für eine Immobilie." Hierzu erkläre er nochmals, "dass diese Vorwürfe gegen mich unbegründet sind".
Die Ermittlungen sollen nach früheren Aussagen Krachs im Zusammenhang mit seiner Zeit als Regionspräsident von Hannover stehen. Er hatte sich von diesem Amt ab dem 23. März 2026 beurlauben lassen - wegen des Wahlkampfs in Berlin. Im Sommer 2025 war er als Spitzenkandidat für die Wahl des Abgeordnetenhauses der Hauptstadt nominiert worden, die in etwas mehr als einer Woche ansteht.
Brisantes Vergabeverfahren im Fokus
Die Ermittlungen waren am Mittwoch bekanntgeworden. Krachs Berliner Wohnung, Büroräume in Hannover und die Zentrale der Berliner Landes-SPD wurden durchsucht. Ermittelt wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft seit dem 3. September.
Vor der jüngsten Erklärung der Staatsanwaltschaft hatte Krach die Einschätzung geäußert, dass es konkret um ein Vergabeverfahren zur Nachnutzung eines Klinikgeländes in der Region Hannover gehe. Er war als Regionspräsident Chef des Aufsichtsrates der Klinik. In einem Bieterverfahren konkurrierten zwei Unternehmen um den Zuschlag.
Einer der Bieter überwies laut Krach noch während des laufenden Verfahrens eine Spende in Höhe von 9900 Euro an die Berliner SPD, deren kommissarischer Vorsitzender er zu dem Zeitpunkt bereits war. Er habe die Spende sofort zurücküberweisen lassen. Dies geschah nach seinen Angaben um den Jahreswechsel 2025/2026.
Brisant an dem Vorgang ist, dass Krach im Vergabeverfahren dafür eintrat, dem fraglichen Bieter den Zuschlag zu erteilen. Sein Ziel sei der Aufbau eines sogenannten Regionalen Gesundheitszentrums gewesen, das habe er den Menschen vor Ort versprochen, sagte Krach. Das von ihm favorisierte Unternehmen habe das garantiert und hohe Investitionen angekündigt. Am 19. Februar 2026 habe der Aufsichtsrat aber anders entschieden und dem zweiten Bieter den Zuschlag erteilt. Er habe sich bei der Abstimmung enthalten, schilderte Krach.
Die Vertragsverhandlungen habe die Geschäftsführung des Klinikums Region Hannover geführt, er selbst sei nie daran beteiligt gewesen. "Ich habe persönlich keinen Kontakt mit diesem Unternehmer gehabt", versicherte Krach. Er habe zuletzt vor zwei bis zweieinhalb Jahren mit ihm in Verbindung gestanden. Während des Vergabeverfahrens habe es keinen persönlichen Austausch gegeben. Er habe nicht einmal eine Handynummer von ihm.
Die Ermittlungen kommen für Krach zur Unzeit - zumal die Berliner SPD in Umfragen ohnehin nicht gut dasteht. In einer am Donnerstagabend veröffentlichten Erhebung von Infratest dimap im Auftrag der ARD kommen die Sozialdemokraten in der Hauptstadt auf 12 Prozent - und stehen damit nur auf Platz fünf, hinter Linke, CDU, AfD und Grünen.