Wirbel um verdrehtes Biden-Zitat: "Wir werden Russland in das 19. Jahrhundert zurück setzen"

Russland - Die USA haben den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine scharf verurteilt, Sanktionen verhängt und die Ukraine seither auch mit Waffenlieferungen unterstützt. Einige Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Netzwerken sehen die Vereinigten Staaten sogar in einem direkten Konflikt mit Russland.

US-Präsident Joe Biden (79) hat in einer Rede ein ähnliches Zitat genannt als das, was verbreitet wird. Die Neuanordnung der Worte stellen den Satz aber in einem völlig anderen Kontext dar.
US-Präsident Joe Biden (79) hat in einer Rede ein ähnliches Zitat genannt als das, was verbreitet wird. Die Neuanordnung der Worte stellen den Satz aber in einem völlig anderen Kontext dar.  © Carolyn Kaster/AP/dpa

So habe US-Präsident Joe Biden (79) etwa "Wir werden Russland in das 19. Jahrhundert zurück setzen" gesagt; oder auch: "Wir vertreiben Russland wieder ins 19. Jahrhundert".

Dazu wird eine Karte gezeigt, die die westlichen Grenzen Russlands in diesem Jahrhundert zeigen soll - mit deutlich größerem Gebiet als derzeit. Aber hat Biden sich so geäußert?

Es gibt tatsächlich eine Äußerung von Joe Biden anlässlich des Kriegs in der Ukraine, in der er auf Russland im 19. Jahrhundert eingeht. Vermutlich geht das falsche Zitat darauf zurück. Allerdings droht er dort nicht, das Land in diese Zeit "zurückzuversetzen".

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Joe Biden Auf Militärstützpunkt: Joe Biden wird Weihnachtsmann-Helfer

Vielmehr sagte Biden am 26. März bei einer Rede in der polnischen Hauptstadt Warschau: "Wladimir Putins Aggression hat Sie, die russische Bevölkerung, von der übrigen Welt abgeschnitten, und sie führt Russland zurück ins 19. Jahrhundert."

Der Redetext ist unter anderem von der US-Botschaft in Deutschland dokumentiert worden. Die Passage ist auch in einem Mitschnitt klar zu hören.

In den sozialen Netzwerken wird sogar falsche Karte verbreitet

Der Krieg in der Ukraine hat bereits viele Opfer gefordert. Hier ein aktuelles Bild aus Charkiw.
Der Krieg in der Ukraine hat bereits viele Opfer gefordert. Hier ein aktuelles Bild aus Charkiw.  © Felipe Dana/AP/dpa

Zu der falschen Biden-Aussage verbreiten Nutzerinnen und Nutzer eine historische Karte von Osteuropa.

Darauf seien - so wird behauptet - die Grenzen Russlands im 19. Jahrhundert zu sehen. Teile des heutigen Polens, das Baltikum, Moldau, Belarus, die Ukraine und auch Finnland sind auf dieser Karte russisch sowie die heutigen Kaukasus-Staaten Georgien, Armenien, Aserbaidschan und Gebiete der heutigen Türkei.

Auch die Gebiete der heutigen zentralasiatischen Staaten Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan sind auf der Karte russisch.

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Allerdings stimmt die Datierung dieser Karte nicht ganz. Zu sehen ist das russische Zarenreich in seiner Ausdehnung im Jahr 1914, also unmittelbar vor Beginn des Ersten Weltkriegs im 20. Jahrhundert - wie ein Blick auf die für die Postings verwendete Originalkarte zeigt.

Diese Ausdehnung entspricht zwar in weiten Teilen jener am Ende des 19. Jahrhunderts. Allerdings haben sich die Ausdehnung des Reichs und der Einflussbereich der russischen Zaren zwischen 1800 und 1900 immer wieder verändert.

Einige der auf der Karte als russisch markierten Gebiete gerieten erst im Laufe des 19. Jahrhunderts in den Herrschaftsbereich der Zaren.

Zudem ist der Vergleich des Russischen Reichs mit heutigen Nationalstaaten irreführend. Finnland etwa war im 19. Jahrhundert als Großfürstentum zwar Teil des Russischen Reichs, genoss aber Autonomie - mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt. Ähnlich verhielt es sich mit polnischen Gebieten, die ab dem Wiener Kongress im Jahr 1815 zunächst als russisch kontrolliertes Kongresspolen existierten und erst später direkter Teil des Zarenreichs wurden.

Begleitet wurde die Ausdehnung des Russischen Reichs zumeist von einer Politik der "Russifizierung", die jedoch oft in Konflikt mit dem damals aufkommenden Nationalismus in Osteuropa geriet.

Titelfoto: Carolyn Kaster/AP/dpa

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