Grüner, queerer Bürgermeister in München: Model spricht von wichtigem Zeichen
Hamburg - Vergangenen Sonntag wurde in München per Stichwahl ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Dominik Krause (35, Grüne) gewann das Rennen vor SPD-Mitstreiter Dieter Reiter (67). Krause ist der erste grüne sowie queere Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt. Genderfluid-Model Felix Nieder (32) sieht diese Wahl als gesamtgesellschaftliche Chance.
Der Elmshorner ist Model, zweifacher Buchautor, studierter Jurist und engagiert sich zudem in Politik und Gesellschaft. Nieder ist selbst schwul.
"Ich sehe das als ganz großes Zeichen für die queere Community", betonte der 32-Jährige im TAG24-Gespräch mit Blick auf Krauses Erfolg in München.
Für ihn sei es außerdem ein wichtiges Statement, dass der zukünftige Oberbürgermeister noch bei der Wahlparty auf der Bühne offen seinen Verlobten küsste.
"Gerade in einem Bundesland, in dem noch sehr viele konservative Züge sind, ist das einfach ein sehr wichtiges Zeichen."
Schließlich gehöre es für den selbst queer lebenden Autor nicht nur dazu, Schwulsein und Homosexualität zu akzeptieren, sondern sich gesellschaftlich dahingehend weiterzuentwickeln und noch sichtbarer zu werden.
Seiner Erfahrung nach werde das Thema Queerness besonders vonseiten der Politiker noch immer zu selten thematisiert. "Ich weiß von vielen Menschen, dass sie sich nicht so sehr gesehen fühlen. [...] Das Thema wird von vielen Parteien eben immer noch als nicht so wichtig empfunden."
Nun, da ein queerer Mann als Oberbürgermeister im Amt sein wird, sieht Nieder die Chance, mehr Sichtbarkeit zu erregen. "Das ist ein Novum, von dem Bayern und in dem Fall München vor allen Dingen profitieren wird."
Mehr Sichtbarkeit für marginalisierte Gruppen durch schwulen Kanzler?
Nieder sieht zudem großen Impact auf gesamtgesellschaftlicher Ebene und über die Grenzen von München, sogar Bayern hinaus. "Politiker*innen sind einfach Vorbilder", betonte er. "Wir schaffen mit so etwas eine Bühne für unsere gesamte Gesellschaft in dem Moment."
Auch auf Bundesebene könnte es aus Sicht des Juristen noch mehr Sichtbarkeit vertragen, um marginalisierten Gruppen die Sichtbarkeit zu ermöglichen, die nötig ist.
Dafür könne er sich noch mehr queer-lebende Personen in hohen, offiziellen Positionen, besonders der Politik vorstellen. "Ich würde mir auch mal wünschen, vielleicht mal einen Kanzler zu haben, der homosexuell ist", so eine Überlegung.
Nieder selbst setzt sich auf mehreren Ebenen politisch für Queerness ein. Ein Beispiel: Der 32-Jährige tritt als Genderfluid-Model auf und lässt dabei die modischen Grenzen zwischen Mann und Frau verschwimmen. Der Fashion-Experten trägt sowohl Damen- als auch Herrenteile auf den Laufstegen und will damit zeigen: Mode ist für alle da und kennt kein Geschlecht.
Titelfoto: Bildmontage: Sven Hoppe/dpa

