Erzgebirge: Polizist fuhr mit frisiertem Fahrrad bei den Kollegen vor

Stollberg - Hier zeigt sich, wie pedantisch Vorschriften sein können: Weil er sein Fahrrad zu einem Pedelec umbaute, das bis zu 24 km/h ohne Muskelkraft fahren kann, musste Ronny G. (49) am heutigen Mittwoch vorm Amtsgericht in Stollberg (Erzgebirge) erscheinen. Der Grund war eine Formalie.

So sah das frisierte Motor-Fahrrad im Originalzustand aus.
So sah das frisierte Motor-Fahrrad im Originalzustand aus.  © Repro: Maik Börner

Das war passiert: Der 49-Jährige baute das Fahrrad 2022 gemeinsam mit einem Freund zu einem elektrisch betriebenen Elektrorad um.

"Wir installierten eine Elektroeinheit am Hinterrad, in das Rahmen-Dreieck wurde ein Akku eingebaut und vorne Bremshebel, die den Akku abschalten, wenn man bremst", erläutert der 49-Jährige.

Im Bereich des Pedals wurde zusätzlich ein Kurbelsensor angebracht, welcher die Beschleunigung des Rades ab 25 km/h unterbindet.

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Der Polizist radelte mit seinem neuen Gefährt im Juli 2023 zur Arbeit. Das machte Eindruck bei den Kollegen. Allerdings anders, als sich der 49-Jährige dies wahrscheinlich wünschte.

Die Ordnungshüter machten dem Kollegen deutlich, dass das Rad jetzt ein Kraftfahrzeug ist - und versicherungspflichtig sei.

Verteidiger Andreas Kohn (55) erklärte, dass sein Mandant den Strafbefehl von 4000 Euro akzeptiere.
Verteidiger Andreas Kohn (55) erklärte, dass sein Mandant den Strafbefehl von 4000 Euro akzeptiere.  © Sven Gleisberg

Polizist sauer über Strafe: "Ich finde das völlig übertrieben."

Dieses Pedelec sorgte vor Gericht für Streit.
Dieses Pedelec sorgte vor Gericht für Streit.  © Maik Börner

Vermutlich ahnte dies auch der 49-Jährige selbst: "Zur Verschleierung der fehlenden Haftpflichtversicherung hatte er eine Kopie eines Versicherungskennzeichens auf das Schutzblech geklebt", erklärte der Vizedirektor des Amtsgerichts Hartmut Meyer-Frey. Offensichtlich hatte einer von Ronny G.s Kollegen ihn deswegen angezeigt.

Der Fall landete bei der Staatsanwaltschaft, es erging ein Strafbefehl von 4000 Euro. Diesen akzeptierte der angezinkte Polizist nicht, so kam es am heutigen Mittwoch zur Verhandlung.

Doch auch hier ging das Gericht davon aus, dass das Versicherungszeichen nicht aus Versehen auf dem Schutzblech klebte, Ronny G. vorsätzlich gehandelt habe.

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Laut Ronny G.s Verteidiger Andreas Kohn (55) zog der Polizist den Einspruch schließlich zurück, es bleibt also bei 4000 Euro Strafe.

Ronny G.s Fazit zum Verfahrensausgang: "Ich finde das völlig übertrieben." Inzwischen hat er sich ein handelsübliches E-Bike gekauft.

Titelfoto: Maik Börner

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