DNA-Analyse von Buckelwal "Timmy": Proben wohl von unterschiedlichen Tierarten!
Hamburg/Anholt (Dänemark) - Dieses Ergebnis wirft viele Fragen auf! Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies hat am Mittwoch in Hamburg die Ergebnisse der DNA-Analyse von Buckelwal "Timmy" vorgestellt.
Als der Kadaver eines Buckelwals vor der Insel Anholt angespült wurde und die Rettungsinitiative auch noch den Tracker an dem Tier fand, schien alles klar zu sein: Bei dem toten Tier handelt es sich um die sterblichen Überreste des wahlweise "Timmy" oder "Hope" genannten Buckelwals, der von März bis Ende April immer wieder an der deutschen Ostseeküste gestrandet war.
Am Mittwochmorgen dann der große Knall: Laut Bild stimmten die DNA-Proben, die am lebenden Tier vor Wismar und am verstorbenen Wal vor Anholt entnommen wurden, nicht überein.
Das bestätigte Tierärztin Tönnies bei einer Pressekonferenz am Nachmittag in Hamburg.
Beide Proben würden laut Analyse von weiblichen Tieren kommen. So weit, so klar. Die Analyse habe zudem eine Qualität von 99,1 Prozent. Es gebe bei den Proben zwar Übereinstimmungen, aber die Abweichungen seien so groß, dass es nach Ansicht von Tönnies und der Analysten unterschiedliche Tiere sein müssen. Genauer: zwei unterschiedliche Tierarten!
"Das hat uns sehr große Bauchschmerzen gemacht. Aber ich bin jetzt hier, um Ihnen die Faktenlage zu demonstrieren", so Tönnies. Der Frage, ob die Ergebnisse bedeuten würden, dass es sich bei dem Buckelwal vor Anholt nicht um Timmy handelt, wich die Tierärztin aus.
DNA-Krimi um "Timmy": Analysten springen kurzfristig ab
Eigentlich wollte die Tierärztin die Ergebnisse gemeinsam mit zwei nicht genannten Personen vorstellen, die für die Analyse verantwortlich waren.
"Diejenigen, die die Analyse dieser DNA vorgenommen haben, haben jetzt so viel Angst um ihren Berufsstand, dass sie mich eindringlichst gebeten haben, sie völlig außen vorzulassen. Und das tue ich hiermit", sagte Tönnies. So führte die Expertin die anwesenden Medienvertreter selbst durch die Zahlen, die sie, wie sie eingestehen musste, selbst nicht alle verstehen kann.
"Die Hauptfragen sind immer: Was sind das für Proben? Wo kommen die Proben her?", so Tönnies, die gleich die Antworten lieferte. Eine Probe hätten "tapfere Krieger" für sie aus Dänemark geholt. Probematerial sei noch vorhanden und stehe Zweiflern zur Überprüfung zur Verfügung.
Die zweite Probe sei von der Barge. Diese habe eine Breite von fünf Millimetern und sei acht Zentimeter lang. Das Material stamme von der Stichsetzung für den Tracker. Sie sei am 1. Mai gewonnen worden, Tönnies selbst sei nicht dabei gewesen.
Das Probenmaterial sei allerdings zunächst auf dem Boot vergessen und erst vier Tage später tiefgekühlt worden. Eine weitere Probe sei vor Poel gewonnen worden, aber auch erst am 5. Mai in die Tiefkühlung gekommen.
Am 26. Mai seien die Proben per DHL-Express abgeholt und in einem Labor in China analysiert worden. Deutsche Labore hätten die Analyse abgelehnt.
Die Ergebnisse seien in Form von 85 Gigabyte Rohmaterial gekommen, das Tönnies selbst nicht habe auslesen können. Experten in Deutschland hätten sie dabei unterstützt, die aber nicht genannt werden möchten.
Titelfoto: Bildmontage: Marcus Golejewski/dpa/Marcus Brandt/dpa

