"Timmy" ist weiter auf dem Weg! Tierärztin: "Er will leben, das sind keine Todesgesänge!"

Niendorf/Wismar/Poel - Deutschland kann aufatmen: Buckelwal "Timmy" hat es geschafft! Nach mehreren Strandungen in den vergangenen Wochen liegt er nun in seinem in dem mit Wasser gefüllten Lastkahn - der Barge, die ihn in die Nordsee transportieren soll. Den Erfolg darf sich eine private Rettungsinitiative auf die Fahne schreiben. Am Dienstagmorgen startete die tagelang geplante Aktion, woraufhin es bereits am Abend in Richtung Nordsee ging. TAG24 berichtet im Liveticker.

Buckelwal Timmy hat es am Dienstag in die Barge geschafft und ist seitdem auf dem Weg in die Freiheit!  © Stefan Sauer/dpa

Am 28. April gegen 14.40 Uhr wurde Geschichte geschrieben: Nach mehreren vergeblichen Rettungsversuchen haben es die Helferinnen und Helfer geschafft den Buckelwal "Timmy" in eine Barge zu bewegen.

Jetzt soll er in die Nordsee transportiert werden. Die große Reise hat am Dienstagabend begonnen.

Am 23. März war der Wal erstmals auf einer Sandbank vor Niendorf (Schleswig-Holstein) gestrandet.

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29. April, 18.43 Uhr: Wo ist Timmy gerade?

Der Transportverband mit Timmy an Bord befindet sich aktuell auf Höhe der dänischen Insel Omø und setzt seine Fahrt mit einer Geschwindigkeit von 5,9 Knoten und bei einem Tiefgang von 4,5 Metern fort. Das Schiff bewegt sich damit weiterhin ruhig und gleichmäßig in Richtung Nordsee.

Der angegebene Zielhafen der "Fortuna B" – Hirtshals – soll laut VesselFinder voraussichtlich in etwa zwei Tagen erreicht werden.

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29. April, 17 Uhr: Tierärztin lässt Timmy singen und sagt "Er will leben!"

Wie es Timmy tatsächlich auf der Barge geht, ist bislang unklar. Die Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies begleitet den Wal an Bord auf seinem Weg in die Nordsee und teilte am Nachmittag erneut die tiefen Laute des Tieres auf Instagram.

"Denkt immer an die Rinder, Schweine und Hühner, die nicht in solchen komfortablen Transportbehältnissen unterwegs sind wie Timmy!", mahnt sie, während sie nochmal Timmys Wassersbecken abfilmt.

Und weiter: "Timmy will leben! Aber vielleicht findet ihr ja Wal-Experten, die sagen, dass das Todesgesänge sind. Ich bin ja schließlich keine Wal-Expertin", so ihr abschließender etwas zynischer Kommentar.

29. April, 15.21 Uhr: Meeresmuseum warnt davor, Timmy im offenen Meer freizulassen

Das Deutsche Meeresmuseum warnt in einem Statement auf seiner Webseite eindringlich davor, den "geschwächten Buckelwal" einfach in der Nordsee auszusetzen. "Das Abladen des Tieres ins offene Meer birgt die Gefahr, dass er ertrinkt. Es ist sehr geschwächt und findet im offenen Meer keine Möglichkeit, sich abzulegen", heißt es deutlich.

Der Wal zeige ein auffällig passives Verhalten – für die Experten ein klares Zeichen für einen sehr schlechten Gesundheitszustand. Entsprechend gering seien seine Überlebenschancen. Zudem bedeute der Transport in der Barge enormen Stress für das Tier: Lärm von Schiffsmotoren, Schallreflexionen im Metallkörper und die Enge könnten sogar das empfindliche Gehör des Wals dauerhaft schädigen. Auch Verletzungen sind nicht ausgeschlossen.

Und selbst wenn "Timmy" wieder im offenen Meer landet, bleibt die Lage kritisch: Zu schwach, um sich zu orientieren oder Nahrung zu finden, könnte er dort kaum überleben. Eine echte Rettung wäre erst dann gelungen, wenn der Wal langfristig wieder selbstständig unterwegs ist und frisst.

Das Museum fordert deshalb volle Transparenz: Trackerdaten in Echtzeit, Videoaufnahmen und eine lückenlose Dokumentation sollen zeigen, ob die riskante Rettungsaktion tatsächlich eine Chance für den Wal bietet – oder sein Leiden verlängert. Gleichzeitig sehen die Experten den Fall als Weckruf für besseren Meeresschutz.

Timmy ist weiter in seiner Barge in Richtung Nordsee unterwegs. Laut einem Reporter vor Ort soll er immer wieder Wasser ausstoßen und mit seiner Fluke schlagen.  © NEWS5 / Sebastian Peters

29. April, 13.52 Uhr: So ist der Plan mit "Timmy"

Aktuell befindet sich "Timmy" mit seiner Barge zwischen Lolland und Langeland. "Wenn alles gut läuft, ist er in 2 Tagen in der Nordsee. Das Allerschlimmste hat er jetzt schon hinter sich", erklärte Backhaus.

Anschließend soll er, so ist der Plan, ausgewildert werden. Experten halten dies für möglich, so Constanze von der Meden, Anwältin der Rettungsinitiative, die aber auch bestätigte, dass es eine Alternative gebe. "Plan B ist, dass er in eine Wal-Auffangstation kommt."

Die erklärte ebenfalls, dass die Informationen über den angebrachten GPS-Tracker nicht für die Allgemeinheit zur Verfügung stehen werden. "Diese Information, wo sich der Wal befindet, befindet sich bei den Initiatoren. Wir wollen keinen Wal-Tourismus, der Wal soll seine Ruhe haben."

Buckelwal "Timmy" wird in der Barge in Richtung Nordsee gezogen.  © Philip Dulian/dpa

29. April, 13.43 Uhr: Till Backhaus berichtet über den aktuellen Stand

Backhaus zeigte sich Mittwochmittag auf einer Pressekonferenz äußerst glücklich: "Wir haben ein Stückchen Wal-Geschichte geschrieben." Er erklärte zudem, dass man sich in der Sache zwar gestritten habe, aber dennoch Lösungen gesucht und schließlich auch gefunden habe.

Mittlerweile ist die Barge mit "Timmy" in dänischen Gewässern angekommen, wie der Minister bestätigte. "Er liegt ruhig. Er hat heute Nacht angeblich auch vokalisiert. Es geht ihm gut." Bei der Bergung habe der Wal seinen Angaben nach auch keine Verletzungen erlitten.

Backhaus betonte, dass er immer an eine erfolgreiche Rettung geglaubt habe. "Zeitweise hatte man Zweifel, ob alles gut geht. Aber am Ende ist es Vertrauen und Verlässlichkeit", erklärte er, betonte aber: "Er war aus unserer Sicht erschöpft, er war desorientiert. Und die medizinische Sicht die war nicht ganz ohne."

Der Transport sei für den Buckelwal die letzte Chance gewesen, verdeutlichte Backhaus erneut.

29. April, 13.32 Uhr: So geht es der Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert

In einer Pressekonferenz hat sich Till Backhaus auch zu dem Zustand von Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert geäußert. Am Dienstag habe er nach eigenen Angaben noch mit ihrem Ehemann gesprochen.

Der Minister berichtete über das Gespräch: "Sie ist aus dem Koma erwacht. Es geht ihr aber schlecht. Sie ist noch einseitig gelähmt. Aber sie nimmt schon wieder Dinge wahr. ‚Das wird ein langer Weg‘, sagt ihr Mann, aber wir hoffen, sie wird schnell genesen."

29. April, 13.22 Uhr: Walforscher Fabian Ritter bleibt skeptisch

Meeresbiologe und Walforscher Fabian Ritter verdeutlichte, dass der geborgene Buckelwal "Timmy" bislang alle Erfahrungswerte der Wissenschaft sprenge. "Ja, es steckt Lebenswillen in ihm, keine Frage", erklärte er.

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen, dass Großwale nach wiederholten Strandungen nur wenige Tage überlebt hätte, habe es die Empfehlung gegeben, den vor der Ostsee-Insel Poel gestrandeten Buckelwal "in Würde sterben zu lassen und keine Rettungsmaßnahmen vorzunehmen", so Ritter. "Dass sich das anders und zu einem Drama ohne gleichen entwickelt, konnte keiner wissen."

Für den Meeresbiologen ist der Ausgang der Rettung noch völlig offen, denn der Transport sei Stress pur für "Timmy": "Wir wissen nicht, was das mit dem Wal macht."

Der Gesundheitszustand sei, und das würden auch die Befürworter der Rettungsaktion teilen, nicht gut. Das Tier habe sich in Netzen verfangen, sei wochenlang herumgeirrt und habe fünf Selbststrandungen hinter sich. "Das sind deutliche Zeichen, dass der Wal alles andere als fit ist."

Ritter sieht den Moment der Freilassung als entscheidend an. Der Wahl müsse neben genug Nahrung und normal schwimmen und tauchen können, um eine Chance zu haben. Ob er das könne, ist fraglich. "Von einer Rettung kann erst gesprochen werden, wenn der Wal über Wochen nach der Freilassung normales Verhalten zeigt", machte der Walforscher deutlich.

Meeresbiologe und Walforscher Fabian Ritter bleibt trotz der bislang erfolgreichen Rettung skeptisch.  © Serdar Dogan/dpa

29. April, 12.13 Uhr: Sonnensegel soll Wal in Barge schützen

Der Verband befindet sich nun in dänischen Gewässern! Ein Mitglied der Initiative auf dem Schleppverband erklärte der dpa: Über der Barge mit dem Wal sei am Vormittag ein Sonnensegel angebracht worden, um den Wal zu schützen. Zudem werde er bewässert. Er floate und bewege die Flipper. Gefüttert werden solle der Wal allerdings nicht.

Die Informationen ließen sich zunächst jedoch nicht durch unabhängige Quellen verifizieren. Zuletzt waren Angaben zum Zustand des Wals häufig von Beteiligten gemacht worden, die keine ausgewiesene Expertise für Großwale besitzen. So sei weiterhin auch die kritische Perspektive zu betrachten.

Der aus einer flachen Bucht vor Wismar geborgene Buckelwal wird in Richtung Nordsee transportiert.  © Philip Dulian/dpa

29. April, 11.31 Uhr: "Timmy" soll bereits in der Nordsee freigelassen werden

Während zunächst noch die Überlegung im Raum stand, den Wal bis in den Atlantik zu bringen, steht nun offenbar fest, dass "Timmy" bereits in der Nordsee freigelassen werden soll. Wo genau, stehe noch nicht fest, sagte ein Mitglied der Initiative, das den Schleppverband begleitet, der dpa.

Auf dem Schiffs-Ortungsdienst VesselFinder befand sich der Verband gegen 11 Uhr nördlich von Fehmarn ziemlich mittig zwischen der schleswig-holsteinischen Insel und der dänischen Insel Lolland.

Das Tier liegt während seines Transports in Richtung Nordsee in einem gefluteten Lastschiff und nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommens Umweltministerium auf einem Bett aus Sand. Das Tier sei dadurch sozusagen sein eigener Anker.

29. April, 10.45 Uhr: Experten des IWC üben Kritik

Die Freude über den Erfolg der Rettungsaktion ist nach wie vor groß. Doch es gibt auch kritische Stimmen. Experten der Internationalen Walfangkommission (IWC) warnen vor einem Trugschluss.

"Das Tier scheint schwer geschädigt zu sein und dürfte selbst bei einer Verbringung in tieferes Wasser kaum überleben", hieß es vom dem zuständigen Expertengremium für Strandungen zu dpa. "Nach unserer Einschätzung bedeuten diese Maßnahmen, obwohl sie gut gemeint sind, eine erhebliche zusätzliche Belastung für ein Tier, das bereits schwer erkrankt ist, und bringen letztlich kaum Nutzen."

Der Buckelwal soll in dem Stahlbecken in einer tagelangen Fahrt Richtung Nordsee gebracht und schließlich ausgesetzt werden. Das IWC Strandings Expert Panel betonte, der Wal müsse dafür unbedingt mit einem Sender ausgestattet werden.

Bisher hieß es von der Privatinitiative nur, ein solcher Sender solle noch angebracht werden. Ohne Sender würde unbemerkt bleiben, wenn das Tier binnen Tagen oder Wochen nach dem Freisetzen stirbt.

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