Buckelwal in der Ostsee atmet weiterhin: Aus diesen Gründen wird die aktive Tötung ausgeschlossen

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Niendorf/Wismar/Poel - Anderthalb Wochen versuchten Rettungskräfte einen gestrandeten und zwischendurch wieder befreiten Buckelwal in der Ostsee zurück ins offene Meer zu führen. Nun scheint klar: Seine Situation ist aussichtslos. TAG24 berichtet im Liveticker.

Der Buckelwal befindet sich nach wie vor vor der Insel Poel, wo er wohl seine letzten Lebenstage verbringen wird.
Der Buckelwal befindet sich nach wie vor vor der Insel Poel, wo er wohl seine letzten Lebenstage verbringen wird.  © Florian Manz/Greenpeace Germany/dpa

Nachdem der Buckelwal am Montag, dem 23. März, auf einer Sandbank vor Niendorf (Schleswig-Holstein) gestrandet war, scheiterten mehrere Rettungsversuche. Als sich der Ozeanriese doch noch befreien konnte, strandete er wenig später mehrfach vor Wismar (Mecklenburg-Vorpommern).

Nachdem das Tier daraufhin in verschiedene Richtungen geschwommen war, strandete der Wal am Dienstag (31. März) kurz vor der Insel Poel.

Erneut versuchten mehrere Boote, ihn zum Schwimmen zu animieren - ohne Erfolg.

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Mittlerweile sind sich die Experten einig: Der Wal wird nicht überleben! Laut Umweltminister Till Backhaus verschlechtert sich sein Zustand.

Am Dienstag (7. April) teilte Stephanie Groß von ITAW mit, dass das Tier nicht lebend geborgen werden soll.

Weitere Rettungsmaßnahmen sind aktuell nicht geplant. Der Buckelwal atmet weiterhin.

8. April, 13.37 Uhr: Möglichkeiten der aktiven Tötung sind ausgeschlossen

Der gestrandete Buckelwal liegt den Experten zufolge im Sterben. Wie lange der Sterbeprozess dauert, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die beiden wichtigsten Faktoren sind dabei das Gewicht des Tieres sowie die geringe Wassertiefe.

Auch die geschädigte Haut des Wals ist ein Problem. "Es bilden sich Blasen und die werden von Möwen angepickt", so Bianca König von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland zu dpa. Dadurch könnten Bakterien auf den ganzen Organismus wirken und das Tier zusätzlich schwächen.

Ähnlich wie die anderen Experten betätigt auch König, dass es keine Option ist, den Wal von seinem Schicksal zu erlösen. Zu wenig sei bisher über die Einschläferung von großen Säugetieren in der Praxis bekannt. So bestehe die Gefahr, dass die sedierenden Medikamente, die vor der Tötung verabreicht werden, zu gering dosiert werden.

"Man kann nicht ausschließen, dass er die Tötung bei vollem Bewusstsein miterlebt", erklärt die Expertin. Auch eine Überdosierung könne zu Komplikationen führen. Das Erschießen des Wals ist ebenfalls keine Option, weil nur schwer abzuschätzen wäre, wohin der Schuss gesetzt wird.

Eine wirksame Methode wäre nach Angaben der Expertin, einen Sprengsatz unter den Kopf des Tieres zu legen und den Kopf zu sprengen. Ethisch gesehen sei diese Option jedoch keinesfalls vertretbar. "Alle drei Möglichkeiten der aktiven Tötung wurden ausgeschlossen, und entschieden, den Wal auf natürliche Weise sterben zu lassen", stellt die Expertin klar.

8. April, 11.28 Uhr: Lage des gestrandeten Buckelwals ist unverändert

Seit mehr als einer Woche sitzt der gestrandete Buckelwal nun in der Ostsee vor Wismar fest. Auch am Mittwoch ist die Lage nach Angaben der Wasserschutzpolizei unverändert.

Noch am Dienstag erklärten Experten, dass sich der Gesundheitszustand des Tieres zunehmend verschlechtert. Ein Grund dafür, weshalb der Meeressäuger nicht lebend geborgen werden soll. Auch ein selbstständiges Freischwimmen wurde ausgeschlossen.

7. April, 18.01 Uhr: Konzept für das Bergen des Wals

Ein Konzept für eine spätere Bergung des Buckelwals ist nach den Worten von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus fertiggestellt.

Momentan befinde sich das Konzept noch in der Endabstimmung, erklärte Backhaus bei einer Pressekonferenz auf der Insel Poel.

Nach Angaben des Ministers müsse das Bergen zwei Tage lang vorbereitet werden, die Bergung selbst würde einen Tag lang dauern. Backhaus betonte: "Die Würde dieses Tieres werden wir sehr genau beobachten und beachten."

Wann die Bergung stattfinden soll, ist bislang nicht bekannt. Sowohl Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern als auch Dänemark stünden dafür unter Vertrag.

Bei der Bergung seien Hebezeuge und Schiffe dabei. "Man muss ihn ja irgendwie rauskriegen", betonte der Umweltminister.

Till Backhaus (SPD), Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, sprach unter anderem auch über das Konzept einer möglichen Bergung des Wals.
Till Backhaus (SPD), Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, sprach unter anderem auch über das Konzept einer möglichen Bergung des Wals.  © Philip Dulian/dpa

7. April, 16.30 Uhr: ITAW schließt aus, den Wal lebend zu bergen

Generell habe sich der allgemeine Gesundheitszustand des Tiers verschlechtert, erklärt Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). "Das Tier erscheint vermehrt geschwächt." Auch auf die Annäherung des Bootes am Vormittag hat der Buckelwal, anders als zuvor, kaum reagiert.

Dennoch ist die Atmung weiterhin regelmäßig. Doch auch die Hautveränderungen haben sich verschlechtert, so die Expertin. "Die Haut fängt an, auf der Oberfläche einzureißen." Unter anderem ein Grund, weshalb ein Versuch, das Tier mit Gurten anzuheben, nicht geplant ist. Zu hoch ist das Risiko, dass der Wal dadurch noch mehr verletzt wird.

"Deshalb würden wir davon ausgehen, dass dieses Tier nicht transportfähig ist." Aufgrund der Gewichtseinwirkung sind auch Organschäden mittlerweile nicht mehr auszuschließen. "Deshalb würden wir davon abraten, dieses Tier lebend bergen zu wollen", so Groß.

Auch eine Sterbehilfe für das Tier ist ausgeschlossen, stellt Umweltminister Till Backhaus (SPD) klar. Wie es nun weitergeht? "Die Option ist, das Tier in Ruhe zu lassen", erklärt der Politiker.

Stephanie Groß, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) erklärte, dass sich der allgemeine Gesundheitszustand des Tieres weiter verschlechtert.
Stephanie Groß, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) erklärte, dass sich der allgemeine Gesundheitszustand des Tieres weiter verschlechtert.  © Philip Dulian/dpa

7. April, 16 Uhr: Selbstständiges Freischwimmen des Wals ist ausgeschlossen

Burkard Baschek (55), Meeresbiologe und Direktor des Deutschen Meeresmuseums, begleitet den gestrandeten Buckelwal ähnlich wie seine Experten-Kollegen nun seit einigen Tagen. Ein Gutachten zum Gesundheitszustand des Tieres werde derzeit weiterhin erstellt und solle schon bald finalisiert werden.

So sind Verletzungen der Haut durch Fischernetze und offenbar auch durch Schiffsschrauben mittlerweile deutlich zu erkennen. "Wenn das Tier sich aus eigener Kraft freischwimmen wollen würde, bräuchte es einen Wasserstand, der noch einmal 60 Zentimeter höher ist als heute", erklärt der Experte.

Das Problem: Die Prognose für die nächsten vier Tage gebe steigenden Wasserstand nicht her, eher im Gegenteil. Auch die Kraft des Tieres schätzen die Experten als nicht ausreichend ein, sodass ein selbstständiges Freischwimmen des Wals als ausgeschlossen gilt.

Angenommen, das Tier wäre schlagartig in der Nordsee, dann wären die Aussichten weiterhin nicht gut, so Baschek weiter. "Es hatte einen Grund, dass das Tier vier Mal gestrandet ist. Es hat immer noch Seilreste im Maul. Es hat einen geschwächten Gesundheitszustand inklusive Hauterkrankung." Es sind Faktoren, die nach Angaben des Experten dafür sprechen, dass es dem Tier auch im Wasser mit mehr Salzgehalt nicht unbedingt besser gehen würde.

7. April, 15.15 Uhr: Experten waren erneut mit Boot unterwegs

Ein Expertenteam war am Vormittag erneut mit einem Schlauchboot beim Wal, um sich ein aktuelles Bild zu verschaffen. Taucher hätten zudem die Lage und Position des Tieres überprüft, um gegebenenfalls Veränderungen zu erkennen.

Nach derzeitigem Stand ist der Meeressäuger krank und verletzt. Genauere Erkenntnisse sollen am Nachmittag auf der Insel Poel mitgeteilt werden.

Im Raum steht auch ein neuer Rettungsversuch mit einem Katamaran. Das Boot sei in Dänemark verfügbar und könne das zwölf Tonnen schwere Tier mit breiten Gurten hochheben und lebend transportieren.

Experten nahmen am Dienstagvormittag Wasserproben direkt am Tier.
Experten nahmen am Dienstagvormittag Wasserproben direkt am Tier.  © NEWS5 / Sebastian Peters

7. April, 8.30 Uhr: Buckelwal lebt weiterhin

Die Situation ist auch am Dienstagmorgen unverändert, der gestrandete Buckelwal liegt weiterhin vor der Insel Poel. "Es gibt keine Neuigkeiten", sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Das Tier werde weiterhin von den Einsatzkräften beobachtet.

Der Dienstag wird allerdings mit großer Spannung erwartet. Ein gesundheitliches Gutachten von Meeresbiologen und Veterinären zum Gesamtzustand des Meeressäugers soll veröffentlicht werden. Es soll Aufschluss über die Überlebenschancen des Wales geben.

Anschließend soll eine finale Entscheidung getroffen werden, wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärt hatte.

6. April, 17.25 Uhr: Robert Marc Lehmann kommt nicht nach Wismar

YouTuber Robert Marc Lehmann wird nicht Teil eines möglichen Rettungsversuches sein. Till Backhaus gab gegenüber News5 an, Lehmann "dringend eingeladen" zu haben.

Er habe mehrfach mit dem Influencer konferiert. Dieser habe schließlich eine Entscheidung getroffen. "Er hätte jetzt eine ganz große, andere wichtige Aufgabe und auf die möchte er sich konzentrieren", so Backhaus.

6. April, 17.10 Uhr: Finale Entscheidung steht bevor

Wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) am Montag gegenüber News5 bestätigte, werde am Dienstag final über das weitere Vorgehen entschieden.

Am Dienstag soll ein Gutachten von Veterinärmedizinern und Meeresbiologen vorliegen. Sollte das Gutachten darauf hindeuten, dass eine Lebendbergung möglich ist, stünde dem "rein theoretisch" nichts im Wege, so Backhaus.

Es müsse aber geprüft werden, ob das System nutzbar sei, um diesen "schwerstkranken Patienten" tatsächlich zu transportieren. "Tierwohl und Tierschutz spielen hier auch eine entscheidende Rolle", so der Umweltminister.

6. April, 12.50 Uhr: Warum wurde nicht früher über eine Rettung mit einem Katamaran nachgedacht?

Backhaus verteidigte am Ostermontag auch noch mal das Vorgehen der Experten und äußerte sich zu der Kritik, warum man nicht früher über den Rettungsversuch mit dem Katamaran oder anderen "schweren Bergungsgeräten" nachgedacht habe.

"Fakt ist: Anders als bei der Strandung vor Niendorf wurde in der Wismarbucht kein schweres Bergegerät benötigt. Der Wal hatte sich so positioniert, dass er sich nach Einschätzung der Fachleute nach einer Ruhephase und steigendem Wasserstand selbst würde befreien können", so der Minister.

Eine Einschätzung, die sich bestätigt habe. Erst mit der Strandung in der Kirchsee habe sich die Lage "extrem zugespitzt", eine Selbstbefreiung sei dort ausgeschlossen gewesen, weshalb nun eine Bergung geplant werde.

Eine Lebendrettung mit einem solchen Bergungsgerät wird aktuell aber ausgeschlossen: "Derzeit gibt es keinen Wissenschaftler oder Veterinär, der uns zu solch einem Vorgehen rät, da das Tier beim Versuch, es lebend zu retten, schweren Qualen ausgesetzt würde. Dass es solch einen Versuch überleben würde, ist nach Ansicht aller Experten, die wir dazu befragt haben, unwahrscheinlich."

Gleichzeitig betonen die Verantwortlichen, dass weiterhin alles getan werde, um dem Wal zu helfen, und eine aktuelle veterinärmedizinische Einschätzung erwartet wird. Das Tierwohl habe oberste Priorität.

"Wir geben den Wal nicht auf - bis zum letzten Atemzug. Das habe ich versprochen und dazu stehe ich auch", betonte Backhaus erneut.

Der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (67, SPD), wird auch am Ostermontag auf die Insel Poel reisen, um sich ein Bild von der aktuellen Lage zu machen.
Der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (67, SPD), wird auch am Ostermontag auf die Insel Poel reisen, um sich ein Bild von der aktuellen Lage zu machen.  © Marcus Golejewski/dpa

6. April, 12.30 Uhr: Geht von dem Wal eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit aus?

Auch Umweltminister Dr. Till Backhaus erklärte gegen Mittag, dass die Lage "unverändert" sei. Das Tier atme noch, aber es ginge ihm sehr schlecht.

Nachdem gestern Wasserproben genommen wurden, um den Salzgehalt zu messen, soll nun die Wasserqualität untersucht werden. "Es soll damit geprüft werden, ob von dem sterbenden Tier Gefahren für die Umwelt oder die öffentliche Gesundheit ausgeht. Ich werde mir am Nachmittag erneut vor Ort ein Bild der Lage machen", so der Minister weiter.

Titelfoto: NEWS5 / Sebastian Peters

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