"Hochdramatische Lage": Düngemittel-Produzent droht Stilllegung - mit weitreichenden Folgen

Wittenberg - Einem der größten Düngemittelproduzenten in Deutschland, der SKW Stickstoffwerke Piesteritz in Wittenberg, droht angesichts der Gaskrise ein Produktionsstopp und Kurzarbeit.

Auf die SKW Stickstoffwerke Piesteritz kommen schwere Zeiten zu.
Auf die SKW Stickstoffwerke Piesteritz kommen schwere Zeiten zu.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Grund seien die extrem hohen Gaspreise und die Gasumlage, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch in Wittenberg. Die Energiekrise treffe das Unternehmen extrem hart. Die Produktion benötige sehr viel Gas.

Die Lage bei SKW war auch Thema beim Energiegipfel der Landesregierung von Sachsen-Anhalt.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (68, CDU) hatte im Anschluss am Dienstag betont, das Land wolle sich beim Bund weiter starkmachen, damit Unternehmen wie SKW oder auch die in Ostdeutschland strukturbestimmenden Chemieparks Entlastungen in der Energiekrise bekommen. Die Arbeitsplätze sollen gesichert werden.

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SKW müsse nun monatlich 30 Millionen Euro Gasumlage zahlen, sagte der Firmen-Sprecher. Das sei finanziell nicht zu stemmen. Das Unternehmen fordere Entlastungen bei der Umlage.

Es gehe nicht darum, bevorzugt zu werden. "Es geht uns darum, international wettbewerbsfähig zu bleiben", sagte der Sprecher. "Wenn alles so bleibt wie jetzt, dann werden wir gezwungen sein, spätestens zum 1. Oktober Kurzarbeit anzumelden", sagte er. Das würde nahezu alle der rund 860 Arbeitsplätze bei SKW betreffen.

"Kurzarbeit würde bedeuten, dass dann die komplette Produktion stillgelegt werden müsste", sagte er. Dies hätte gravierende Folgen für die Wirtschaft in Deutschland, für Zulieferer, abhängige Unternehmen, für viele Familien in der strukturschwachen Region. SKW gilt als größter Produzent von Ammoniak und Harnstoff in Deutschland. Es ist somit ein wichtiger Düngemittelhersteller für die Landwirtschaft, die mit der Ernährungsbranche verbunden ist.

"Wir schätzen die Lage hochdramatisch ein"

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (68, CDU) will die SKW entlasten.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (68, CDU) will die SKW entlasten.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Bei SKW wird auch AdBlue hergestellt. Die Harnstofflösung wird bei der Abgasnachbehandlung von Dieselmotoren eingesetzt und bewirkt eine Verringerung der ausgestoßenen Stickoxide um bis zu 90 Prozent.

Nahezu jeder Lastwagen der Speditions-, Logistik und Transportbranche in Deutschland fahre mit Diesel. "Die Fahrzeuge bringen auch die Lebensmittel in die Supermärkte", sagte der Firmensprecher.

SKW, mit einem Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro (2020), gehört zum tschechischen Konzern Agrofert (Prag) mit rund 32.000 Beschäftigten.

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Von der Firma SKW abhängig sind viele mittelständische und kleine Unternehmen. "Wir schätzen die Lage hochdramatisch ein", sagte der Wittenberger Landrat Christian Tylsch (39, CDU) zur Stimmung in der Region. Ein Betriebsstopp von SKW hätte weitreichende Folgen für Hunderte Familien, ganze Generationen, die mit dem Werk verbunden sind. "Das sind alles Schicksale", sagte er.

Der Produktionsstandort hat eine mehr als 100-jährige Geschichte. Das heutige Unternehmen ist in der Region strukturbestimmend. Für den Landkreis sei es existenziell, auch was die Gewerbesteuereinnahmen betrifft. "Wir reden da von zweistelligen Millionenbeträgen, die uns dann fehlen würden", sagte der CDU-Politiker. Davon abhängig seien soziale Leistungen, freiwillige Bildungs-, Kultur- und Freizeitangebote.

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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