Siedlung der Schamanin von Bad Dürrenberg entdeckt: Ausgrabungen für 2023 geplant

Halle (Saale) - Archäologen haben Hinweise auf die Siedlung entdeckt, in der die Schamanin von Bad Dürrenberg (Saalekreis) vermutlich vor rund 9000 Jahren gelebt hat.

Ein Wissenschafter drapiert die sterblichen Überreste der vor rund 9000 Jahren gestorbenen Schamanin von Bad Dürrenberg in der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle/Saale.
Ein Wissenschafter drapiert die sterblichen Überreste der vor rund 9000 Jahren gestorbenen Schamanin von Bad Dürrenberg in der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle/Saale.  © Hendrik Schmidt/dpa

Das Areal bei Dehlitz im Burgenlandkreis liegt etwa sieben Kilometer südlich von ihrem Grab entfernt. Die Wissenschaftler stießen auf den Platz an der Saale, nachdem der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Wolfgang Bernhardt über fünf Jahre lang immer wieder Steinwerkzeuge von einem Acker absammelte.

"Er konnte dabei die unglaubliche Anzahl von über 7000 Steingeräten bergen", sagt Landesarchäologe Harald Meller. "Der Fundplatz liegt auf über 100 Meter Höhe, ungefähr sieben Kilometer Luftlinie südlich des Kurparks von Bad Dürrenberg."

Von dort gibt es einen freien Blick auf den Ort, an dem die Schamanin bestattet wurde. "Damit passt die Lage der Siedlung auf den Ort ihres Grabes, zumal der Blick der Schamanin im Grab nach Süden gerichtet war", sagt Meller. "Ihr Grab war wohl noch lange nach ihrem Tod wichtig und wurde wie eine Pilgerstätte regelmäßig aufgesucht."

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Unter den Funden sind über 150 sogenannte Mikrolithen, typische kleine Feuersteinwerkzeuge der frühen und späten Mittelsteinzeit.

"Dehlitz hat damit die zweitmeiste Anzahl an Mikrolithen an einem mesolithischen Fundplatz in Sachsen-Anhalt", sagt Archäologe und Steinzeitspezialist Holger Dietl. "Die transparenten, leicht grau-braunen Mikrolithen entsprechen den Funden aus dem Grab der Schamanin."

Schamanin kommunizierte mit Geistern

Archäologen 1934 das Grab der Schamanin in Bad Dürrenberg im Saalekreis entdeckt.
Archäologen 1934 das Grab der Schamanin in Bad Dürrenberg im Saalekreis entdeckt.  © Hendrik Schmidt/dpa

Erst kürzlich wurde beim Grab der Schamanin eine Grube entdeckt, die zwei aus Hirschgeweihen hergestellte Masken enthielt. Die Masken waren rund 600 Jahre nach der Bestattung der Schamanin niedergelegt worden.

Die etwa 30- bis 35-jährige Frau war aufrecht, in hockender Haltung mit einem Kleinkind vor der Brust in einem aufwendig gestalteten Grab mit einer Fülle an Beigaben beigesetzt worden. Ein Kopfschmuck aus Rehgeweih und Tierzahn-Gehänge zeigen die besondere Stellung der Toten als Schamanin.

Den Erkenntnissen von Experten zufolge war sie eine spirituelle Spezialistin und Anführerin einer Gruppe, die den Kontakt zu den Geistern pflegte und heilerisch tätig war.

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Das Grab in Bad Dürrenberg (Saalekreis) wurde 1934 zufällig beim Anlegen einer Wasserleitung entdeckt. Im Jahr 2019 fanden Nachgrabungen statt. Ein Team von Archäologen, Genetikern, Anthropologen und Medizinern konnte bislang in mehrjähriger Forschungsarbeit zahlreiche Rätsel rund um das Grab lösen.

"Die Ausgrabung der vermuteten Siedlung der Schamanin startet im nächsten Jahr", sagt Meller. "Wir hoffen auf weitere Funde sowie auf aktuelle Forschungsergebnisse zur Zeitstellung, Siedlungsaktivitäten und Umwelt."

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa

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