Umsätze von Sachsens Industrie sinken: Was ist der Grund?

Dresden/Kamenz - Die Umsätze der sächsischen Industrie sinken, obwohl bundesweit noch immer Wachstum vorherrscht. Vor allem die Metallfirmen im Freistaat haben schwer zu kämpfen.

Im Edelstahl-Werk "Schmees" in Pirna laufen die Öfen weiter heiß, doch die Nachfrage geht zurück.
Im Edelstahl-Werk "Schmees" in Pirna laufen die Öfen weiter heiß, doch die Nachfrage geht zurück.  © imago/Sylvio Dittrich

Zwar ist das Bruttoinlandsprodukt in Sachsen im ersten Halbjahr real um drei Prozent gestiegen. Das gilt aber nicht für Sachsens Industrie. Dort sind die Erlöse real um fast zwei Prozent eingebrochen, teilte das Statistische Landesamt am Mittwoch mit.

Deutschlandweit hingegen verzeichnete die Industrie ein reales Plus von einem Prozent. "Real" bedeutet, dass die Statistiker Preiseffekte herausrechneten, die seit dem Vorjahr eingetreten sind.

Wieso steht Sachsen so schlecht da? Eine mögliche Erklärung hat Martin Witschaß (37), Standortpolitik-Chef der IHK Chemnitz: "Die sächsische Industrie reagiert öfter mit Produktions-Einschränkungen auf die hohen Energie-Preise als der bundesdeutsche Schnitt."

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Schon ein Viertel der Industrie-Unternehmen in seinem Kammerbezirk habe laut Umfragen die Produktion gedrosselt. Das könnte laut Witschaß daran liegen, dass im Freistaat viele Metallfirmen ansässig sind.

Ihre Arbeit ist besonders energieintensiv, die hohen Kosten könnten die meist kleineren Betriebe kaum abfangen.

"Nirgends sind die Energiepreise so hoch wie hier"

Die Chemnitzer Härtetechnik & Metallbearbeitung GmbH (HTM) härtet Metallteile durch Hitze, etwa für die Autoindustrie.
Die Chemnitzer Härtetechnik & Metallbearbeitung GmbH (HTM) härtet Metallteile durch Hitze, etwa für die Autoindustrie.  © Kristin Schmidt

Das Edelstahl-Werk "Schmees" in Pirna mit seinen 160 Mitarbeitern hat bisher 130 Tonnen weniger Gussteile verkauft als im Vorjahreszeitraum, so Geschäftsführer Johann Unglaub (57). "Das ist ein Rückgang von 15 Prozent."

Einerseits sinke die Nachfrage, andererseits gewinne die internationale Konkurrenz an Land. "Denn nirgends sind die Energiepreise so hoch wie hier."

Düstere Aussichten herrschen auch bei der Chemnitzer Härtetechnik & Metallbearbeitung GmbH. "Noch verzeichnen wir keinen Einbruch, aber er wird kommen", sagt Einkaufs-Leiter Christian Nussbaum (32). Denn die Kunden aus Autoindustrie und Maschinenbau würden bereits schwächeln.

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Eine Ausnahme ist das Muldenthaler Emaillierwerk, das Ofenrohre herstellt. "In einer Krise kaufen viele Leute Kaminöfen", sagt Chef Tino Homilius (47).

Bei der HTM Chemnitz befürchten Einkaufs-Leiter Christian Nussbaum (32, l.) und Inhaber Hendrik Seibt (37) den Einbruch.
Bei der HTM Chemnitz befürchten Einkaufs-Leiter Christian Nussbaum (32, l.) und Inhaber Hendrik Seibt (37) den Einbruch.  © Kristin Schmidt
Diese Firma schaut nicht in die Röhre: Das Muldenthaler Emaillierwerk hat gerade viel zu tun.
Diese Firma schaut nicht in die Röhre: Das Muldenthaler Emaillierwerk hat gerade viel zu tun.  © dpa/Waltraud Grubitzsch
Wirtschaftsminister Martin Dulig (48, SPD) fordert den Gas-Preisdeckel.
Wirtschaftsminister Martin Dulig (48, SPD) fordert den Gas-Preisdeckel.  © Steffen Füssel
Martin Witschaß (37), Standortpolitik-Chef der IHK Chemnitz.
Martin Witschaß (37), Standortpolitik-Chef der IHK Chemnitz.  © PR

Sachsens Wirtschaftsminister, Martin Dulig (48, SPD), der derzeit in Kanada auf Staatsreise ist, schlägt aus der Ferne Alarm: "Angesichts der dramatischen Schilderungen, die uns täglich von unseren Unternehmen erreichen, bedarf es jetzt einer Garantenstellung des Staates für bezahlbare Energiepreise." Er pocht weiter auf einen Gas-Preisdeckel vom Bund.

Titelfoto: imago/Sylvio Dittrich, Kristin Schmidt

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