Herzinfarkt, Schlaganfall, Sturz oder Unfall: Fast stündlich hebt Sachsens Luftrettung ab

Leipzig - Wenn sie in der Luft sind, dann geht es meist um Leben und Tod. Durchschnittlich 18-mal am Tag heben die fünf im Freistaat stationierten Rettungshubschrauber ab, um Menschen zu retten. Zusammen kamen sie im vergangenen Jahr auf 6539 Einsätze.

In Zwickau steuert Pilot Mario Hartmann (53) den ADAC-Hubschrauber "Christoph 46".
In Zwickau steuert Pilot Mario Hartmann (53) den ADAC-Hubschrauber "Christoph 46".  © Ralph Koehler/Propicture

Wenn es um Rettungseinsätze geht, dann teilt sich der Himmel über Sachsen in Gelb und Rot. Die zwei roten Helicopter gehören zur Stiftung Luftrettung DRF. "Christoph 62" - ein Eurocopter H 145 - ist in Bautzen stationiert, "Christoph 38" (EC 135) in Dresden.

Das gelbe "Geschwader" besteht aus drei EC-135-Rettungshubschraubern. "Christoph 46" geht von Zwickau aus in die Luft, seine Brüder 61 und 63 haben ihre Basis im Leipziger Norden.

Mit insgesamt 2605 im letzten Jahr hatten die "Gelben Engel" aus der Messestadt die meisten Einsätze. "Mehr als 70 Prozent der Einsatzorte lagen in Sachsen", berichtet Jochen Oesterle (62), Sprecher der ADAC Luftrettung. Knapp 700 Flüge gingen aber auch nach Sachsen-Anhalt, einzelne sogar nach Thüringen, Brandenburg und Hessen.

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"Unser Einsatzgebiet erstreckt sich über einen Radius von 70 Kilometern, sodass wir jedes Ziel in spätestens 20 Minuten erreichen", erklärt Oesterle. Mit etwa 230 Stundenkilometern sind die Eurocopter von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang unterwegs, zumeist in einer Flughöhe von 300 Metern.

Zur Crew gehören neben dem Piloten ein Notarzt und ein Notfallsanitäter. Binnen zwei Minuten müssen sie einsatzbereit sein. Ob ein Hubschrauber zum Einsatz kommt, entscheidet die jeweilige Rettungsleitstelle nach Kriterien wie Erreichbarkeit des Einsatzortes und der Auslastung des Rettungsdienstes am Boden.

Platz ist im Rettungshubschrauber nur für einen Patienten.
Platz ist im Rettungshubschrauber nur für einen Patienten.  © Ralph Koehler/Propicture
Wenn die "Gelben Engel" wie hier der Leipziger "Christoph 63" in der Luft sind, geht es zumeist um Leben und Tod.
Wenn die "Gelben Engel" wie hier der Leipziger "Christoph 63" in der Luft sind, geht es zumeist um Leben und Tod.  © Ralf Seegers
Das ist ein Rettungshubschrauber-Team (v.l.): Notarzt Dr. Frank Thümmler (47), Pilot Mario Hartmann (53) und Notfallsanitäter Frank Peschel (49) vom „Christoph 46“ aus Zwickau.
Das ist ein Rettungshubschrauber-Team (v.l.): Notarzt Dr. Frank Thümmler (47), Pilot Mario Hartmann (53) und Notfallsanitäter Frank Peschel (49) vom „Christoph 46“ aus Zwickau.  © Ralph Koehler/Propicture

Während Corona: Sachsens Luftrettung bekam Verstärkung

Wenn am Boden kein Notarzt schnell verfügbar ist, fliegt er wie hier nach einem Quad-Unfall im Hohwald bei Neustadt mit dem Hubschrauber ein.
Wenn am Boden kein Notarzt schnell verfügbar ist, fliegt er wie hier nach einem Quad-Unfall im Hohwald bei Neustadt mit dem Hubschrauber ein.  © Marko Förster

Nicht Unfälle, sondern Herzinfarkte sind der häufigste Einsatzgrund an Sachsens größter Luftrettungsstation.

Oesterle: "Im Jahr 2020 hatten knapp 33 Prozent der Einsätze einen internistischen Notfall zum Anlass." Beim "Gelben Engel" aus Zwickau war es anders. Rund 35 Prozent seiner 1232 Flüge führten zu einem Unfallgeschehen. Auch die rote Rettungsflotte kann sich über mangelnde Aufträge nicht beschweren. "Christoph 62" war im vergangenen Jahr 1527-mal in der Luft.

Der große Rote ist Sachsens fliegende Intensivstation - 2020 hat er in 516 Verlege-Einsätzen schwerstkranke Menschen zwischen Kliniken transportiert. Besonderheit: "Christoph 62" fliegt auch nachts. Sein kleiner Bruder "Christoph 38" in Dresden war vergangenes Jahr 1175-mal in Aktion. Laut DRF erfolgte seine Alarmierung zumeist wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Übrigens: Wenn das Einsatzgeschehen besonders hoch ist, bekommt Sachsens Luftrettung kurzfristig Verstärkung. Wie zu Jahresbeginn, als der Bautzner Hubschrauber permanent Covid-19-Patienten verlegen musste. Für mehrere Wochen war dann ein dritter Roter am Himmel zu sehen - "Christoph 114".

Titelfoto: Ralph Koehler/Propicture

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