Konzentrat statt ganze Bohnen: Kaffeesachsen 2.0 erfinden den Muntermacher neu

Dresden - Die Liebe zum Kaffee wird den meisten Menschen hierzulande in die Wiege gelegt. Mit einem Augenzwinkern nennt der Rest der Nation die Einwohner des Freistaats deshalb auch Kaffeesachsen.

Bruno Stein (22), Martin Emmrich (21) und Maximilian Buder (21, v.l.n.r.) haben gemeinsam das Start-up "Coby’s" gegründet, das flüssiges Kaffee-Konzentrat vertreibt.
Bruno Stein (22), Martin Emmrich (21) und Maximilian Buder (21, v.l.n.r.) haben gemeinsam das Start-up "Coby’s" gegründet, das flüssiges Kaffee-Konzentrat vertreibt.  © Steffen Füssel

Tatsächlich hat Sachsen viel zur deutschen Kaffeekultur beigetragen. Bereits 1694 schenkte man in Leipzig das Kaffeegetränk öffentlich aus und erließ dort die 1697 die deutsche "Kaffeehaus-Ordnung".

Drei Studenten aus Dresden fügen der Geschichte der Kaffeesachsen nun ein neues Kapitel hinzu. Ihr Start-up "Coby's" könnte den Mokka-Genuss revolutionieren.

"Appetit auf einen Karamell-Kaffee?", fragt Bruno Stein (22) fröhlich seinen Gast, während er ein leeres Glas in der Hand hochhält. Klar doch! Einen Augenblick später reicht der Student das Glas, gefüllt mit duftendem Kaffee, dem verblüfften Besucher.

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"Wie ging das so fix?", fragen dessen große Augen. Dann trinkt der Gast einen Schluck. Seine strahlenden Augen sagen nun: "Lecker, dieser Wachmacher!"

Solche und ähnliche Reaktionen sammeln Bruno Stein, Maximilian Buder (21) und Martin Emmrich (21). Seit der Gründung ihrer gemeinsamen Firma "Coby's" 2023 sind sie professionelle Kaffee-Erklärer, -Verführer und -Verkäufer. Bruno Stein: "Wir verkaufen flüssiges Kaffeekonzentrat. Es wird für uns in Deutschland in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen hergestellt."

Max packt eine Bestellung für den Versand. Ein 16-qm-Zimmer in der Wohnung von Bruno Stein dient den Gründern momentan als Filmstudio, Büro, Lager, Packstation, Versand- und Firmenzentrale.
Max packt eine Bestellung für den Versand. Ein 16-qm-Zimmer in der Wohnung von Bruno Stein dient den Gründern momentan als Filmstudio, Büro, Lager, Packstation, Versand- und Firmenzentrale.  © Steffen Füssel

Junge Kaffeesachsen vermarkten ihr Konzentrat via Social Media

Vier Geschmacksrichtungen gibt es gegenwärtig. Fünf neue Produkte sind in Vorbereitung.
Vier Geschmacksrichtungen gibt es gegenwärtig. Fünf neue Produkte sind in Vorbereitung.  © Steffen Füssel

Um das Verfahren zu beschreiben, brauchen die geschäftstüchtigen Studenten nur wenige Worte: Ihr Kaffee wird frisch gebrüht und auf natürliche Weise konzentriert. Das Resultat ist ein Konzentrat mit der Power eines 30-fach konzentrierten Kaffees - vergleichbar mit einem Sirup, was Geschmack und Konsistenz betrifft.

"Die geringe Menge von einem Esslöffel reicht aus, um mit etwa 200 Milliliter heißem Wasser einen perfekten Kaffee zu Hause innerhalb weniger Sekunden zuzubereiten. Unsere Kaffee-Extrakte sind die perfekte Basis für eine Vielzahl von Getränken", erklärt Maximilian Buder. Er hat die Idee für das Konzentrat aus Japan mitgebracht.

Die Liebe zum Kaffee und eine Freundschaft aus Teenager-Tagen verbindet die drei. Martin Emmrich: "Wir sind Schulhof-Freunde und gingen zusammen in Hoyerswerda aufs Lessing-Gymnasium." Nach dem Abitur trafen sich die jungen Männer in Dresden beim Studium der Betriebswirtschaftslehre wieder.

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Bei der Vermarktung ihrer Extrakte setzen die drei Studenten auf Geschmack, Kreativität und das Internet. Auf Instagram und TikTok betreiben sie Kanäle unter dem Namen "yourcoffeedude". Dort präsentieren sie Rezepte für Kaffee-Spezialitäten von A wie Aufgeschlagener Iced Latte über E wie Erdbeer-Käsekuchen-Kaffee bis hin zu Z wie Zimt-Frappé.

Damit treffen sie den Geschmack der Massen: Über 566.000 Anhänger weltweit zählt "yourcoffeedude" auf TikTok. Bei Instagram gar über 943.000 Follower. Mehr als 5,4 Millionen Likes haben die Sachsen bereits für ihre Mokka-Mischungen bekommen. Die Vermarktung der Coby's-Kaffee-Extrakte erfolgt auch ausschließlich im Internet.

Von den ersten Verkaufserfolgen und vom Zuspruch im Netz lässt sich das Trio nicht blenden. Unisono erklären die drei: "Wir wollen zuerst das Studium meistern, bevor wir ins große Geschäft einsteigen." Echte Kaffeesachsen 2.0 ...

So werden Existenzgründer unterstützt

Die Vorliebe der Sachsen für Kaffee ist seit dem 18. Jahrhundert belegt.
Die Vorliebe der Sachsen für Kaffee ist seit dem 18. Jahrhundert belegt.  © Imago images

Sachsen zählt gegenwärtig zu den innovativsten Regionen Europas. Das industrielle Erbe und der Mittelstand beflügeln die Entwicklung neuer Unternehmungen. Dresden sowie Leipzig gelten als Gründer-Hochburgen.

Das Netzwerk futureSAX hilft Gründern in die Erfolgsspur. Zarte Start-up-Pflänzchen unterstützen der Freistaat und die Sächsische Aufbaubank (SAB) zum Beispiel mit Mikrodarlehen. Sie werden etwa als zinsverbilligte Darlehen von bis zu 30.000 Euro für Existenzgründungsvorhaben gewährt.

Die Laufzeit der Darlehen beträgt maximal sechs Jahre (ein Jahr davon tilgungsfrei). Anträge nimmt die SAB digital in ihrem Förderportal entgegen.

Die Mikrodarlehen zielen zum einen darauf ab, die Gründung einer nachhaltigen selbstständigen oder freiberuflichen Existenz zu unterstützen.

Zum anderen sollen sie bestehende junge Unternehmen oder freiberufliche Existenzen festigen. Finanziert werden Investitionen und Betriebsmittel (mit bis zu 80 Prozent).

www.sab.sachsen.de

Dieser Preis ist heiß

Heißer Tipp: Noch bis zum 4. März läuft die Bewerbungsfrist für den 24. Sächsischen Staatspreis für Gründer.

Der Preis ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert. Das Geld winkt Jungunternehmern mit innovativen Ideen und Projekten. Die sächsische Innovationsplattform futureSAX GmbH organisiert den Wettbewerb im Auftrag des SMWA. Bewerben können sich Einzelpersonen, Teams und junge Unternehmen mit (zukünftigem) Sitz in Sachsen.

Die Gründung muss noch nicht abgeschlossen, aber für 2024 geplant sein. Bereits gegründete Unternehmen dürfen maximal drei Jahre alt sein.

www.futuresax.de

Titelfoto: Steffen Füssel

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