Um Tieren lange Transporte zu ersparen: Erste Genossenschaft in Sachsen baut eigenen Schlachthof

Königshain-Wiederau - Ein neuer Schlachthof für Sachsen droht an Finanzierungsproblemen zu scheitern. Während die Branche in der Krise nach einer Lösung sucht, hat sie eine kleine Genossenschaft in Mittelsachsen für sich schon gefunden: Sie baut ihr eigenes Schlachthaus direkt neben dem Stall.

In Königshain-Wiederau entsteht direkt neben dem neuen Schweinestall ein eigenes Schlachthaus.
In Königshain-Wiederau entsteht direkt neben dem neuen Schweinestall ein eigenes Schlachthaus.  © Ralph Kunz

"In sechs Wochen wollen wir die Schlachtstätte in Betrieb nehmen", sagt Jan Gumpert (59), Vorsitzender der Genießergenossenschaft Sachsen.

Die 60 Duroc-Schweine, die wöchentlich geschlachtet werden sollen, leben wenige Meter entfernt.

Tiergerechte Haltung mit Strohstreu, doppelt so viel Platz wie vorgeschrieben und spezielles Futter sollen für besonders hochwertiges Fleisch mit einem höheren Anteil an Omega-3-Fetten für Genießer-Kunden sorgen.

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Der neue Mini-Schlachthof könnte noch mehr: "Theoretisch haben wir eine Kapazität für 60 Tiere täglich. Das würde auch für unsere konventionelle Haltung mit 5000 Mastplätzen ausreichen", so Gumpert.

Vor Inbetriebnahme im vorigen Sommer durften Interessierte sich im Stall umgucken.
Vor Inbetriebnahme im vorigen Sommer durften Interessierte sich im Stall umgucken.  © Ralph Kunz
Die Schweine der Genießergenossenschaft fühlen sich mit Stroh und Auslauf sauwohl.
Die Schweine der Genießergenossenschaft fühlen sich mit Stroh und Auslauf sauwohl.  © Ralph Kunz

Lebensmittel könnten zunehmend im Ausland produziert werden

Jan Gumpert (59), Vorsitzender der Genießergenossenschaft Sachsen, erspart den Duroc-Schweinen stressige Transportwege.
Jan Gumpert (59), Vorsitzender der Genießergenossenschaft Sachsen, erspart den Duroc-Schweinen stressige Transportwege.  © Ralph Kunz

"Die Frage ist, wie viele Kunden bereit und in der Lage sind, für mehr Tierwohl mit kurzen Wegen etwas mehr zu zahlen."

Auf dieses Wagnis mag sich auch Jan Gumpert kurzfristig nicht einlassen.

Der Landwirt befürchtet: "Es könnte dazu kommen, dass Lebensmittel zunehmend im Ausland produziert werden und wir uns abhängig machen. Viele Kollegen bereiten bereits aktiv ihren Ausstieg vor. Sie stellen keine Mitarbeiter mehr ein, investieren nicht, fahren Anlagen auf Verschleiß."

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Der Genießer-Genossenschaftler will durchhalten: "Wir wollen noch da sein, wenn sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, wie wertvoll regionale, nachhaltige Produktion ist."

Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz

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