Zu teure Kosten: Sächsischer Bürgermeister verkauft Rathaus - und muss jetzt umziehen

Oybin - Das ist ostsächsischer Pragmatismus: Weil der Unterhalt des Rathauses zu teuer und die Gemeindekasse chronisch klamm ist, hat der Oybiner Bürgermeister Tobias Steiner (53, SPD) kurzerhand seinen Amtssitz verkauft. Am Mittwoch kommt der Umzugswagen.

Mondäne Villa in traumhafter Lage mit albtraumhaften Unterhaltskosten - das Oybiner Rathaus. Jetzt hat es die Gemeinde verkauft.
Mondäne Villa in traumhafter Lage mit albtraumhaften Unterhaltskosten - das Oybiner Rathaus. Jetzt hat es die Gemeinde verkauft.  © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Um diese Residenz dürfte Tobias Steiner von Kollegen wohl des Öfteren beneidet worden sein. Eine alte Fabrikantenvilla mit edler Holztäfelung, feinem Parkett und großem Saal, idyllisch gelegen am Waldrand - das Oybiner Rathaus (im Landkreis Görlitz) ist für sich schon ein Postkartenmotiv.

Doch was nützt der schönste Palast, wenn die Unterhaltskosten immer teurer, der Sanierungsbedarf von Jahr zu Jahr größer und die Gemeindekasse immer schmalbrüstiger werden.

"Dann lieber verkaufen und noch ein paar zusätzliche Mittel zur Verfügung haben", sagt Steiner mit voller Überzeugung.

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Gesagt, getan: Mit dem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss im Rücken verkaufte der Bürgermeister die alte Villa, die nach dem Krieg enteignet wurde und danach jahrzehntelang als "Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft" kultureller Ortsmittelpunkt war, an eine Berliner Familie.

Die wolle aus dem Rathaus wieder ein Wohnhaus machen und ihren Ruhestand im Zittauer Gebirge genießen, erzählt Steiner.

Verkauf des Oybiner Rathauses spült mehr als eine halbe Million Euro in die Gemeindekasse

Seit 2018 ist Tobias Steiner (53, SPD) Bürgermeister in Oybin. Er ist der letzte Amtsträger, der in einer Villa residieren durfte.
Seit 2018 ist Tobias Steiner (53, SPD) Bürgermeister in Oybin. Er ist der letzte Amtsträger, der in einer Villa residieren durfte.  © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Rund 550.000 Euro bringt der Gemeinde die Immobilie, die sie einst in den 1990er-Jahren für 750.000 Mark Erben-Entschädigung aus dem Treuhandvermögen erworben hat.

Und was leisten sich die Oybiner für das Geld? Ein Schwimmbad, einen Musentempel oder wenigstens ein rauschendes Volksfest? Steiner winkt ab. "Wir müssen im Haushalt erst einmal die Löcher stopfen, die all die Pflichtaufgaben einer Gemeinde da immer wieder reißen."

Abwasser, Straßenbau und -beleuchtung werden wohl den größten Teil der halben Million auffressen. Wenn noch was übrig bleibt, soll es in die Neugestaltung des Kurparks gehen, wo unter anderem ein neuer Spielplatz entstehen soll, da der alte am Rathaus nach dem Grundstücksdeal abgebaut werden musste.

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Und wo kommt der ehrenamtliche Bürgermeister samt Gemeindesekretärin nun unter? "Wir ziehen ins Haus des Gastes, wo jetzt schon der Fremdenverkehrsbetrieb sitzt", sagt Steiner. Der heutige Dienstag ist sein letzter Tag in der alten Rathaus-Villa.

Titelfoto: Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

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