Regenfront setzt Sachsen unter Wasser: "Es drohen überregionale Hochwasser"

Leipzig - Da kommt etwas Gewaltiges auf uns zu: Die Meteorologen prognostizieren für das Wochenende eine sogenannte Vb-Wetterlage mit extremen Niederschlägen. Das Landeshochwasserzentrum Sachsen hält ein überregionales Hochwasser für möglich.

Ein Hubschrauber der Landespolizei überflog am Mittwoch die Flüsse der Leipziger Region - laut Polizeibehörde eine Gewässerkontrolle.
Ein Hubschrauber der Landespolizei überflog am Mittwoch die Flüsse der Leipziger Region - laut Polizeibehörde eine Gewässerkontrolle.  © Imago

Ein Polizeihubschrauber flog am Mittwoch im Großraum Leipzig die Flussläufe ab. Eine Gewässerkontrolle in Vorbereitung auf die kommenden Tage, wie die Behörde auf Anfrage informierte.

Denn zum Wochenende hin wird Petrus die Schleusen am Himmel weit öffnen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prognostiziert vor allem im Westen und der Südhälfte des Freistaates extrem ergiebigen Dauerregen, teilweise mit Gewittern.

"Es beginnt ab der Nacht zu Freitag und hält bis Sonntag an", erklärte DWD-Meteorologe Marcel Schmid. Verbreitet ist binnen 48 Stunden mit 50 bis 120 Litern Niederschlag auf den Quadratmeter zu rechnen. In einzelnen Regionen wie dem Erzgebirge und dem Vogtland können es lokal auch 150 Liter sein. "Es drohen überregionale Hochwasser", warnt Schmid.

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Allerdings gebe es noch Unsicherheiten - vor allem was die genaue Zugbahn der Regenfront betrifft.

Dürre-Böden können laut Experten noch große Wassermengen aufnehmen

Noch sieht es hier idyllisch aus: Das Nahle-Wehr ist eine von drei Wehranlagen am nördlichen Elsterbecken, die Leipzig vor einem Hochwasser schützen sollen.
Noch sieht es hier idyllisch aus: Das Nahle-Wehr ist eine von drei Wehranlagen am nördlichen Elsterbecken, die Leipzig vor einem Hochwasser schützen sollen.  © Alexander Bischoff

Treffen die Prognosen zu, würde in Sachsen binnen zwei Tagen so viel Regen niedergehen wie sonst in einem durchschnittlichen Monat Mai. Kai Zorn vom gleichnamigen privaten Wetterdienst beruhigt jedoch.

In Sachsen sei die Dürre in den Oberböden so hoch, dass noch genug Wasser aufgesogen werden könne. Heißt: Anders als bei vergangenen Hochwasserkatastrophen wird nicht das komplette Niederschlagswasser in die Flüsse abfließen.

Laut Zorn habe es vor dem Jahrhunderthochwasser 2002 auch wesentlich größere Regenmengen gegeben als jetzt prognostiziert.

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Das Landeshochwasserzentrum eröffnete dennoch bereits den Hochwassernachrichtendienst für die Obere Weiße Elster, die Mulden und für die Nebenflüsse Obere Elbe.

In einer am Abend verbreiteten Erklärung heißt es: "In Abhängigkeit und Folge der tatsächlichen Niederschläge ist ab Samstag die Ausbildung einer überregionalen Hochwasserlage in Sachsen möglich - beginnend in den kleineren Fließgewässern der Mittelgebirge, fortsetzend auch in den größeren Flüssen. Aktuell wird der Schwerpunkt in Süd- und Westsachsen erwartet mit den Flussgebieten Obere Weiße Elster im Vogtland und den Mulden. Betroffen sein kann aber auch die Region Osterzgebirge mit dem Flussgebiet Nebenflüsse Obere Elbe."

Es sei nicht auszuschließen, dass bei Niederschlägen größer als 100 Liter pro Quadratmeter und hohen Niederschlagsintensitäten die Wasserstände die höchste Alarmstufe 4 überschreiten.

"Achtung Lebensgefahr! Wasserstand kann plötzlich ansteigen" warnt dieses Schild hinter dem Nahlewehr vor einem möglichen Hochwasser.
"Achtung Lebensgefahr! Wasserstand kann plötzlich ansteigen" warnt dieses Schild hinter dem Nahlewehr vor einem möglichen Hochwasser.  © Alexander Bischoff

Vb-Wetterlage: Was rollt da auf uns zu?

Nicht nur bis zu 150 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter prognostizieren die Wettermodelle, auch Gewitter soll es in ganz Sachsen geben.
Nicht nur bis zu 150 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter prognostizieren die Wettermodelle, auch Gewitter soll es in ganz Sachsen geben.  © Patrick Pleul/dpa

Wenn Meteorologen eine Vb-Wetterlage (gesprochen Fünf-B) ankündigen, dann schrillen bei der Landestalsperrenverwaltung und den Katastrophenschutz-Verantwortlichen im Freistaat stets die Alarmglocken. Denn das Wetterphänomen führte 2002 und 2013 zu den verheerenden Hochwassern in Sachsen.

Doch was genau verbirgt sich hinter Vb? Die Wetterlage bezeichnet die Zugbahn eines Tiefdruckgebietes, dass sich über dem Mittelmeer gebildet hat. Dort hat sich die ursprünglich aus der Biscaya kommende Luft aufgewärmt und mit Wasserdampf vollgesogen wie ein Schwamm.

Die Vb-Tiefs ziehen östlich an den Alpen vorbei, um sich dann vor allem in den mitteleuropäischen Gebirgsregionen abzuregnen.

Wenn so ein Mittelmeertief nun in unsere Gegend kommt, gleitet es entweder auf kalte Luftmassen oder die Hänge des Erzgebirges auf. Die warme Luft wird angehoben und in der Höhe abgekühlt. Kalte Luft kann aber nicht so viel Wasser halten wie warme.

Folge: Der Wasserdampf kondensiert, es gibt Wolken, dann Regen. Manchmal tagelang und in extremen Mengen.

Titelfoto: Bildmontage: Patrick Pleul/dpa, Alexander Bischoff

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