"Schüsse fall'n": Polizei holt Studenten aus Hörsaal, jetzt sitzt er in der Psychiatrie

Stuttgart - Ein Student ist mehrmals in Vorlesungen an der Universität Hohenheim aufgefallen, wurde von der Polizei mitgenommen - und in die Psychiatrie eingewiesen. Wie kam es dazu?

Die Hände bewegt Florentin M. im Video wie zwei Pistolen zu Meros "Baller los". (Screenshot)
Die Hände bewegt Florentin M. im Video wie zwei Pistolen zu Meros "Baller los". (Screenshot)  © Screenshot YouTube.de

Der schmächtige, junge Mann im schwarzen Hemd präsentiert stolz einen Goldring und eine goldfarbene Uhr. Hält beides in die Kamera. Dann sind Schüsse zu hören. Immer wieder.

Schließlich rappt er lippensynchron zu "Baller los" des türkischstämmigen Rappers Mero (19). Am Anfang des Videos ist zu lesen: "Baller los. Bruder, Hohenheim, Schüsse fall'n wie gewohnt."

Der junge Mann, der in dem Clip auf harter Kerl macht, heißt Florentin M. (21). Und der für einen Rapper eher ungewohnte Hintergrund (weiße Wand, zwei einfache Betten) zeigt schnell: der junge Mann filmt sich nicht in Miami oder Los Angeles. Florentin M. befindet sich in einer Psychiatrie.

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Gegen Ende des YouTube-Videos kommt er während des Refrains nah an die Kamera und rappt: "Hohenheim, Schüsse fallen wie gewohnt." Es klingt bedrohlich.

An der Universität Hohenheim im Stuttgarter Stadtbezirk Plieningen ist der Mann kein Unbekannter. Die Bild-Zeitung berichtet, dass der junge Mann dort im Hörsaal ausgerastet sei, herumgeschrien habe. Der Professor habe die Polizei alarmiert, die ihn mitnahm.

Nachfrage beim Polizeipräsidium. Auch dort ist der Fall Florentin M. bekannt. Bereits mehrere Vorfälle soll es gegeben haben. So wurde der junge Mann am 13. November letzten Jahres und zuletzt am 22. Januar von Streifenpolizisten abgeholt, kam in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Von dort gibt er wiederholt digitale Lebenszeichen von sich, lädt YouTube-Videos hoch. Über 20.000 Aufrufe erhalten die Clips zusammengenommen auf der Videoplattform. M. fordert darin etwa einen Anwalt für sich. Spricht über seine Schizophrenie-Diagnose. Oder rappt eben über Schüsse in Hohenheim.

Ist der junge Mann eine Bedrohung?

Schloss Hohenheim in Stuttgart. Große Teile der Uni sind hier untergebracht.
Schloss Hohenheim in Stuttgart. Große Teile der Uni sind hier untergebracht.  © Sins Schuldt/dpa

Geht von dem jungen Mann eine Bedrohung für die anderen Studenten aus?

Eine Sprecherin der Uni betont am Telefon: "Nach unseren Informationen gibt es keine akute Bedrohungssituation." Und versichert: "Wir sind im Kontakt mit der Polizei." Weitere Informationen zu den Vorfällen gibt es nicht, "aus Datenschutzgründen".

Derzeit läuft die Prüfungszeit an der Hochschule, wie die Sprecherin berichtet. Ganz ohne scheinen die Vorfälle an der Hochschule nicht gewesen zu sein, denn sie verschickte eine Rundmail an die Studenten. "Anlass waren die Videos", heißt es am Telefon.

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Laut dem Rundschreiben, welches der Bild-Zeitung vorliegt, kam es "in jüngster Zeit (...) mehrfach u.a. zu Störungen des Vorlesungsbetriebes, mittlerweile sind auch Videos im Internet aufgetaucht, die darauf Bezug nehmen".

Nach Rücksprache mit der Polizei könne die Universität "ausschließen, dass es während der Prüfungszeit zu einer Störung oder Gefährdung durch die in der Vergangenheit auffällige Person kommt".

Bei der Einweisung in die Psychiatrie war die Stadt Stuttgart entscheidend. Auf den Fall hin angesprochen, heißt es von dort: "Erfährt das Ordnungsamt, dass von einer Person eine Gefahr für sich selbst oder Dritte ausgehen könnte, so wird die Person durch einen Amtsarzt begutachtet."

Und weiter: "Hält der Amtsarzt eine Vorführung der Person in der Psychiatrie für sinnvoll beziehungsweise notwendig, so wird sie von der Polizei zur Untersuchung in die Psychiatrie gebracht. Falls die Spezialisten in der Psychiatrie diagnostizieren, dass von der Person eine Gefahr ausgeht (für sich oder Dritte), wird sie in der Psychiatrie untergebracht."

Für eine längerfristige Unterbringung sei eine richterliche Anordnung notwendig. Jedoch: "Zu spezifischen Fällen können wir aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Angaben machen."

Für die Videofilmchen, die im Krankenhaus gedreht wurden, interessiert sich derweil die Polizei. "Wir prüfen die strafrechtliche Relevanz der Videos", informiert der Polizeisprecher. Dem jungen Mann wurde inzwischen das Handy abgenommen. Neue Clips gibt es derzeit keine.

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