Experten-Bericht: Darum war das Ballon-Unglück mit einem Toten und sechs Schwerverletzten vermeidbar

St. Goar/Braunschweig - Gegenüber dem Loreley-Felsen wird ein Heißluftballon von einer heftigen Windböe mitgerissen. Der Pilot stirbt bei der Bruchlandung, sechs Mitfahrer werden schwer verletzt (TAG24 berichtete). Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat nun ihren Bericht zur Ursache des Unglücks veröffentlicht.

Der Heißluftballon war am 16. August 2020 gegenüber dem Loreley-Felsen abgestürzt.
Der Heißluftballon war am 16. August 2020 gegenüber dem Loreley-Felsen abgestürzt.  © dpa/Thomas Frey

Demnach geht der Unfall vor rund eineinhalb Jahren auf fatale Fehleinschätzungen des Piloten zurück. Er hätte den Ballon nach Ansicht der BFU bei den damaligen Wetterbedingungen gar nicht erst aufsteigen lassen dürfen.

Der 35-Jährige selbst war bei dem Unfall am 16. August 2020 schräg gegenüber dem Loreley-Felsen in Rheinland-Pfalz ums Leben gekommen, als starke Windböen einer Schauer- und Gewitterfront den Ballon kurz vor der Landung erfassten.

"Die vorhergesagten und sich klar abzeichnenden Wetterverhältnisse ließen objektiv keinen Zweifel daran, dass eine Ballonfahrt nicht durchführbar war. Die Annullierung der Fahrt noch am Startplatz wäre zwingend geboten gewesen", heißt es in dem Bericht, den die Behörde mit Sitz in Braunschweig vor Kurzem im Internet veröffentlicht hat.

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Die Flugunfallexperten gehen davon aus, dass der Ballonpilot die "unkalkulierbaren Risiken" bewusst einging.

"Sehr wahrscheinlich haben wirtschaftliche Zwänge bei der Startentscheidung eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Diese Auffassung ergab sich für die BFU durch die nachgewiesene Kommunikation über ein Chatportal mit einem anderen Ballonführer vor dem Start."

Wirtschaftliche Zwänge waren wohl der Grund für den Start

Die Bergung des abgestürzten Ballons gestaltete sich äußerst kompliziert
Die Bergung des abgestürzten Ballons gestaltete sich äußerst kompliziert  © dpa/Thomas Frey

So habe er wenige Stunden vor dem Unfall geschrieben, dass er fahren müsse, weil Juli und August die besten Monate seien und der Winter komme.

Dabei habe er einen Mindestumsatz je Monat genannt, den er erreichen wolle. Der Pilot habe sich vorher auch nicht vom Deutschen Wetterdienst wegen der Wetterverhältnisse beraten lassen.

Heftige Winde hatten den Ballon kurz vor einer geplanten Landung auf einem Acker erfasst. Der Korb schlug deshalb sehr hart auf, vier Insassen wurden herausgeschleudert.

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Der Ballon wurde nach den Feststellungen der BFU nach wenigen Sekunden nochmal hochgerissen, bevor er ein zweites Mal auf dem Boden aufschlug. Dabei fiel der Pilot heraus, hielt sich aber an einer Schleppleine fest. Der Ballon rutschte dann in einen steilen Hang in Richtung Rhein, wo er hängenblieb.

Die Rettungsaktion war kompliziert. Der Pilot wurde nach dem Unfall in ein Krankenhaus gebracht, wo er an einem Schädel-Hirn-Trauma starb.

Die sechs Passagiere, drei Paare, erlitten dem Untersuchungsbericht zufolge Verletzungen an Rücken und Beinen. Der Ballon konnte erst nach mehreren Tagen geborgen werden.

"Unerklärlich": Kurz vor dem Unglück hätte der Pilot sicher landen können

Bei starken Windböen hatte der Pilot die Kontrolle über den Heißluftballon verloren.
Bei starken Windböen hatte der Pilot die Kontrolle über den Heißluftballon verloren.  © dpa/Thomas Frey

Strafrechtliche Konsequenzen wird das Unglück keine haben. Die Staatsanwaltschaft Koblenz hatte - wie in solchen Fällen üblich - ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet.

Dabei hätten sich keine Hinweise auf eine strafrechtliche Verantwortung anderer Personen ergeben, teilte die Behörde auf Anfrage mit. Das Verfahren sei daher bereits im Jahr 2021 abgeschlossen worden.

Nach Feststellung der Flugunfallexperten besaß der Pilot ausreichend Erfahrung, er hatte fünf Jahre zuvor seine Lizenz erworben. Laut seinem persönlichen Fahrtenbuch war er knapp 400 Stunden in der Luft unterwegs gewesen und hatte etwa 310 Landungen absolviert. Alleine in den 90 Tagen vor dem Unfall kam er auf 28 Ballonfahrten.

Der Heißluftballon war um 18.38 Uhr nahe der Ortschaft Ney im Rhein-Hunsrück-Kreis gestartet. Um kurz vor 20 Uhr kam es zu dem Unglück.

Nach Ansicht der BFU hätte der Pilot auch nach etwa einer Stunde sicher landen können, bevor er ein Waldgebiet überflog, über dem dann heftige Windverhältnisse herrschten. "Es ist unerklärlich, warum der Ballonführer diese Chance nicht nutzte."

Titelfoto: dpa/Thomas Frey

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