Neuer Elbtunnel: A20 wird zum Mega-Bauprojekt!

Kiel – Nach Jahren des Stillstands kommen die Planungen für die Küstenautobahn 20 laut Bundesprojektgesellschaft voran. Noch in den 20ern sollen Autos durch einen neuen Elbtunnel nach Niedersachsen rollen.

Bei einem Pressetermin werden die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt an der abgesackten Ostseeautobahn A20 vorgestellt.
Bei einem Pressetermin werden die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt an der abgesackten Ostseeautobahn A20 vorgestellt.  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

"Wir rechnen damit, dass wir als erstes Baurecht bekommen für den Tunnel selbst", sagte der Bereichsleiter der Bundes-Projektgesellschaft Deges, Bernd Rothe, am Mittwoch in Kiel. "Dies ist das Kernstück der gesamten Autobahn."

Der Bohrtunnel selbst soll 5,3 Kilometer lang sein, das gesamte Bauwerk eine Länge von 6,3 Kilometern haben. "Wir sind optimistisch, dass wir dieses Projekt in den 20er Jahren zu Ende führen", sagte Rothe. 

Autos und Lkw sollen künftig 50 Meter unter der Wasseroberfläche durch einen Tunnel fahren. Der Bau des Milliardenprojekts westliche Elbquerung kann aber erst losgehen, wenn auch für die anschließenden Teilstücke auf niedersächsischer und schleswig-holsteinischer Seite Baurecht vorliegt.

Rothe setzt darauf, dass Ende 2024 für alle Abschnitte der noch fehlenden 80 Kilometer Autobahn bis zur Elbe in Schleswig-Holstein Baurecht vorliegt.

Die dann vorliegenden Planfeststellungsbeschlüsse könnten allerdings wie bereits bei anderen Abschnitten beklagt werden. 

Insgesamt beinhalten die Planungen 90 Brücken und den westlichen Elbtunnel. Dafür könnten 2023 die Bauvorbereitungen beginnen, 2025 die eigentlichen Bohrungen starten, sagte Rothe. Voraussetzung sei, dass der Bund die Finanzierungszusagen gebe.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) ist in diesem Punkt zuversichtlich. "Was man soweit vorangetrieben hat, das wird man auch umsetzen." Die Planungen würden trotz der Corona-Pandemie mit Hochdruck vorangetrieben. Für die Wirtschaft in Schleswig-Holstein sei das Projekt westliche Elbquerung bei Glückstadt "von zentraler Bedeutung".

A7 soll sechsspurig werden

Ein Auto fährt an einem Hinweisschild vorbei auf die Autobahn 20.
Ein Auto fährt an einem Hinweisschild vorbei auf die Autobahn 20.  © Carsten Rehder/dpa

Nur auf 39 Kilometern Länge windet sich die aus dem Raum Stettin kommende Küstenautobahn bislang durch Schleswig-Holstein. Sie endet seit Jahren östlich von Bad Segeberg. 

Ende 2018 hatte das Bundesverwaltungsgericht den Weiterbau erneut vorerst ausgebremst und den etwa 20 Kilometer langen Abschnitt von der A7 bis Wittenborn für rechtswidrig erklärt. 

Die Richter hegten vor allem wasser- und artenschutzrechtliche Bedenken, sahen aber auch den Schutz des Fledermaus-Winterquartiers "Segeberger Kalkberghöhle" nicht hinreichend berücksichtigt.

Rund um Segeberg hatte das Bundesverwaltungsgericht den Bau vor Jahren gestoppt, weil der Fledermausschutz bei den Planungen nicht genügend Beachtung gefunden hatte. Besser laufen nach den Darstellungen von Deges und Verkehrsministerium die Planungen für den Ersatz der in die Jahre gekommenen Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal.

"Wir sind im Zeitplan", sagte Rothe. Der Planfeststellungsbeschluss werde im kommenden Jahr erwartet.

Künftig soll die A7 dort sechsspurig über den Kanal geführt werden. Das erste Teilbauwerk soll 2026 befahrbar sein, der gesamte Bau 2029 fertig sein. Nicht nur die Brücke, sondern der gesamte, etwa fünf Kilometer lange Abschnitt vom Rendsburger Kreuz bis zur Anschlussstelle Rendsburg wird sechsspurig. Die Reaktion der IHK Schleswig-Holstein ist positiv. "Wir begrüßen, dass die Landesregierung zusammen mit der Deges die notwendigen Planungen weiter vorantreibt", sagte der Hauptgeschäftsführer Björn Ipsen und mahnte gleichzeitig eine Reform des zeitintensiven Planungsrechts an.

Zum den aktuell erwarteten Kosten der beiden Projekte A20 und Rader Hochbrücke wollte die Deges keine Zahlen nennen.

Titelfoto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

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