Maxhütte-Haidhof/Deggendorf - Diese Ankündigung lässt hellhörig werden: Im Bezirk Niederbayern macht die deutsche Kette "Netto Marken-Discount" direkt auf dem Titelblatt des Werbeprospekts der kommenden Woche auf ein Ende der gedruckten Version aufmerksam. Mit diesem Schritt würde das Unternehmen etwa dem Lebensmittel-Einzelhändler "Rewe" folgen, der schon seit Juli 2023 auf das Print-Produkt verzichtet. Doch was steckt wirklich dahinter? TAG24 hat nachgehakt!
Es ist direkt die erste Seite, die so manchen Netto-Kunden in der Region von Landshut bis nach Deggendorf und Passau am Wochenende überraschen dürfte: "Demnächst kein Papier mehr", steht auf einer knallroten Fläche geschrieben.
Darunter der Hinweis: "Prospekt in der App jederzeit abrufbar". Dort könnten auch jede Woche exklusive Coupons verwendet und Payback-Punkte gesammelt oder eingelöst werden, so das Versprechen. Für Käufer, die sich über Netto-Angebote informieren wollen, bedeutet das: Ohne digitales Endgerät geht gar nichts mehr!
Auf Anfrage teilt der Discounter zur Neuerung mit: "Es handelt sich um einen Test in ausgewählten Filialen. Dieser Test ist aktuell nicht mit einer grundsätzlichen Einstellung des wöchentlichen Handzettels verbunden", sagt Christina Stylianou, Leiterin der Unternehmenskommunikation.
Sie betont, dass auch die Bedürfnisse von Kunden berücksichtigt würden, die digitale Kanäle nicht oder nur eingeschränkt nutzen. "Der Handzettel bleibt weiterhin ein zentrales Informationsmedium bei Netto Marken‑Discount", so Stylianou. Dazu würden auch Preisvorteile und Aktionen in gedruckten Medien gehören.
Umfrage: Mehrheit gegen Abschaffung von Briefkasten-Werbung
Doch was sagen die Deutschen zum Abschied von klassischen Papierprospekten? Eine Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH Köln aus dem vergangenen Jahr hat gezeigt, dass 52 Prozent – also über die Hälfte – der betroffenen Menschen die Briefkasten-Werbung vermissen.
Fast jeder Zweite (45 Prozent) kauft infolge der Abschaffung weniger bei Anbietern, die eine solche Entscheidung getroffen haben. Eine gleiche Prozentzahl an Befragten beklagt, dass die Nutzung anderer Kanäle oder Medien zu kompliziert sei.
Laut damaligen IFH-Angaben sind die Handzettel noch in 83 Prozent der Haushalte zu finden. Die Reichweite ist damit weiterhin groß. Zudem erklärten 78 Prozent aller Umfrage-Teilnehmer, dass sie die gedruckte Werbung einmal in der Woche oder sogar öfter lesen würden.
Spannend ist auch ein Blick in die Niederlande: Dort hat eine empirische Studie bewiesen, dass die Abschaffung der Print-Flyer zu signifikanten und anhaltenden Rückgängen im Einkaufsverhalten bei den betroffenen Lidl-Märkten führte. Die wöchentlichen Einkaufsfahrten seien um 2,5 Prozent, die gesamten wöchentlichen Ausgaben um 8,7 Prozent gesunken, wie "print.de" berichtet. Diese Effekte hätten über den gesamten Beobachtungszeitraum angehalten.