Stade - Am Montagmittag sind in einer Jugendhilfeeinrichtung mit Mutter-Kind-Wohngruppen in Stade (Niedersachsen) mehrere Schüsse gefallen. Sechs Menschen kamen dabei ums Leben. Ein Haupttäter wurde festgenommen.
Wie die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens am Abend auf der Pressekonferenz erklärte, handle es sich bei der Tat um ein familiäres Motiv. Sie bezeichnete diese als kaltblütige Tat ohne politische Hintergründe.
Kathrin Schuol, Polizeipräsidentin von Lüneburg, gab weitere Details zum Tathergang: Gegen 12 Uhr gingen mehrere Anrufe bei der Polizei ein, dass Schüsse in der Dankersstraße gehört wurden. Vor Ort sicherten Polizisten das Gebäude und mussten zunächst klären, ob der Täter allein war oder ob es sich um mehrere handelte.
Vor Ort stellten die Beamten fest, dass vier Personen erschossen wurden, eine Person starb bei einem Reanimationsversuch. Eine weitere erlag ihren Verletzungen im Krankenhaus.
Bei allen getöteten Erwachsenen handelt es sich um Mitarbeiter der Einrichtung, vier Frauen und zwei Männer aus dem Kreis der Jugendhilfe. Keine dort Schutzsuchenden wurden angegriffen, so die Polizei.
Der mutmaßliche Täter soll ein 45 Jahre alter Mann aus Hannover mit türkischen Wurzeln sein. Er sei demnach polizeibekannt. Zunächst war der Mann flüchtig, das Fluchtfahrzeug wurde von einer 65-jährigen Frau gesteuert.
Durch Schüsse konnten der Verdächtige und die Frau unverletzt festgenommen werden. Die Fahrerin des Fluchtwagens habe eine enge Verbindung zur Familie des Täters, hieß es.
Außerhalb des Gebäudes wurden keine Personen verletzt. Die Schüsse fanden ausschließlich im Gebäude statt, erklärte die Polizeipräsidentin. Die Tatwaffe wurde sichergestellt. Woher diese kam und ob noch mehr Waffen genutzt wurden, ist Gegenstand der Ermittlungen. Der Täter soll keine Erlaubnis dafür gehabt haben.
Tatmotiv nach Angriff mit sechs Toten möglicherweise Sorgerechtsstreit
Das Tatmotiv könnte in einem Sorgerechtsstreit begründet sein. Am heutigen Montag hätte es einen Termin gegeben, um über das weitere Sorgerecht für ein drei Monate altes Kind zu entscheiden, das der Verdächtige mit einer 34-jährigen Frau hat.
Mutter und Kind sollen unverletzt sein, das Baby sich in Obhut des Jugendamtes befinden, die Frau und eine weitere Person in polizeilichen Maßnahmen. Alle Bewohner der Unterkunft konnten sicher untergebracht werden.
Bisherigen Ermittlungen zufolge habe der mutmaßliche Täter keinen Bezug zu Stade.
Polizeivizepräsident Jörg Wesemann ergänzte, dass Beamte auf die Reifen des Tatfahrzeugs geschossen haben, um die beiden Flüchtenden im Anschluss kontrolliert zu Boden bringen zu können.
Da der Tatort sehr weitläufig ist, seien die Spuren nicht so leicht zu sichern, weswegen teilweise noch Sperrungen bis Dienstag andauern können. Außerdem habe die Polizei ein Hinweisportal freigeschaltet, um mögliche Zeugenhinweise entgegenzunehmen.
Noch wartet die Staatsanwaltschaft auf die Ermittlungsergebnisse, ein möglicher Haftbefehl könnte am Dienstag erlassen werden.
Erstmeldung: 13.38 Uhr, zuletzt aktualisiert: 20.35 Uhr