Von Bettina Grönewald
Düsseldorf - In der Gesamtbewertung der 24 meistgewählten Ausbildungsberufe haben angehende Bankkaufleute in Nordrhein-Westfalen die höchste Zufriedenheit und die besten Ausbildungsbedingungen.
Das geht aus dem in Düsseldorf präsentierten Ausbildungsreport 2025 des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) für NRW hervor. Die Einzelergebnisse des Regionalreports offenbaren dabei große Unterschiede und die Erkenntnis: Die meisten schwarzen Schafe erweisen sich schon seit Jahren in immer denselben Branchen als Azubi-Schreck.
Die schlechtesten Bewertungen vergaben die rund 2500 befragten Azubis in NRW in den Ausbildungsberufen Koch, Automobilkaufmann, Zahnmedizinische Fachangestellte, Hotelfachmann, Elektroniker, Kfz-Mechatroniker, Verkäufer und ganz am Ende der Skala Anlagenmechaniker.
In die Gesamtbewertung flossen nach Angaben des DGB NRW vier Kategorien ein: die fachliche Qualität der Ausbildung sowie deren persönliche Bewertung, Ausbildungszeiten und Überstunden sowie die Vergütung.
Allein nach der persönlichen Zufriedenheit befragt, hoben 100 Prozent aller angehenden Bankkaufleute den Daumen. Bei den Zahnmedizinischen Fachangestellten waren es nur knapp 60 Prozent - der niedrigste Wert in dieser Kategorie.
Wo hakt es besonders?
- Jeder Dritte gab an, regelmäßig Überstunden machen zu müssen.
- Ausbildungsfremde Tätigkeiten wie Kaffeekochen, Botengänge für den Chef oder Putztätigkeiten gehören für 15 Prozent zum Ausbildungsalltag.
- Gut acht Prozent haben nach eigenen Angaben keinen Ausbilder, der sie betreut.
- Von denen, die einen Ausbilder haben, sagen fast 12 Prozent, dieser sei nie oder nur selten präsent.
56 Prozent wussten zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht, ob sie von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen werden. Auch bei der Ausbildungsvergütung zeigt der Bericht zudem erhebliche Unterschiede: Während angehende Bankkaufleute rund 1300 Euro verdienen, ist es bei künftigen Friseuren mit 719 Euro nur halb so viel.
Wer seine Azubis schlecht behandle, wenig zahle, viel Überstunden verlange und noch dazu einen rauen Umgangston pflege, müsse sich nicht wundern, wenn niemand bei ihm lernen wolle, hielt DGB-Landeschef Thorben Albrecht uneinsichtigen Arbeitgebern vor.
"Es sind seit Jahren praktisch dieselben Branchen, die in unserer Befragung schlecht abschneiden", stellte der Abteilungsleiter Jugend beim DGB NRW, Andreas Jansen, fest. Der Ausbildungsreport wird seit 2009 jährlich von der DGB-Jugend herausgegeben.
Was sind die Hauptforderungen?
Der DGB fordert mehr Ausbildungsbereitschaft der Betriebe. Dies könne etwa erreicht werden, wenn alle Unternehmen in einen gemeinsamen Topf einzahlen, um Ausbildung zu finanzieren und die Kosten dafür gerechter zu verteilen. Derzeit bildet nach Angaben des DGB nur jedes fünfte Unternehmen in NRW aus.
Angesichts hoher Mieten vor allem in den Großstädten seien darüber hinaus Azubi-Wohnheime und ein bundesweit gültiges vergünstigtes Azubi-Ticket nötig.
Nach wie vor würden viel zu viele junge Menschen zurückgelassen, kritisiert der DGB. Jeder fünfte Erwachsene im Alter von 20 bis 34 Jahren bleibe in NRW ohne Berufsabschluss, bemängelte Albrecht. Das sei schon lange so. Im Bundesländervergleich belege NRW damit den vorletzten Platz vor Bremen.