Beunruhigende Studie: Kitas in NRW können Betreuung nicht gewährleisten

Yuriko Wahl-Immel

Gütersloh - In Nordrhein-Westfalen sind einer Studie zufolge nur wenige Kitas mit der optimalen Personalstärke ausgestattet, um für alle Kinder gute Bildung und Betreuung zu gewährleisten.

Kitas in Nordrhein-Westfalen sind personell nicht ausreichend ausgestattet. (Symbolbild)  © Maximilian von Klenze/dpa

Lediglich 6,4 Prozent der Einrichtungen verfügen demnach zu 100 Prozent über die wissenschaftlich empfohlene Personalausstattung. Das geht aus einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung und des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖiF) an der Uni Wien hervor.

Die Untersuchung sieht bei der Ausstattung mit pädagogisch tätigem Personal in allen Bundesländern Handlungsbedarf - zugleich aber große Unterschiede. Laut Analyse für 2024 verfügen in NRW ein Viertel der Kitas (25,3 Prozent) über eine recht gute Personaldecke - und kommen auf 80 bis unter 100 Prozent der empfohlenen Quote.

Die Mehrheit von gut 55 Prozent der Einrichtungen hat 60 bis unter 80 Prozent der fachlichen Personalempfehlung zur Verfügung, wie die Stiftung schilderte.

Nordrhein-Westfalen Ranking zeigt: Diese NRW-Stadt ist am besten gegen Klimagefahren gewappnet

Und 13,1 Prozent der Kitas arbeiten mit einer schwachen Personaldecke, dort arbeiten also 60 Prozent und weniger als nach wissenschaftlichen Standards für eine qualitativ hochwertige Bildung, Betreuung und Erziehung erforderlich.

Anzeige

Kinderbildungsgesetz und ein Ministerinnen-Wechsel

Josefine Paul (43, Grüne) ist überraschend als NRW-Familienministerin zurückgetreten.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Man habe dabei mit einer neuen Personalausstattungsquote gearbeitet, die mehrere zentrale Faktoren wie Altersstruktur oder Anteil der daheim nicht Deutsch sprechenden Kinder differenziert berücksichtige, hieß es aus Gütersloh.

In NRW gilt die Kita-Lage als angespannt, Tausende Plätze und Fachkräfte fehlen. Familienministerin Josefine Paul (43, Grüne) war am Dienstag überraschend zurückgetreten. Sie war auch wegen der unpopulären Änderung des Kinderbildungsgesetzes stark unter Druck geraten.

Ihre bisher vorgestellten Reformbausteine waren teilweise scharf kritisiert worden. Die Freie Wohlfahrtspflege warnte vor einer Verschlechterung der frühkindlichen Bildung.

Nordrhein-Westfalen Viel befahrene Autobahn-Brücke in NRW plötzlich gesperrt: Staus im Berufsverkehr

Grünen-Politikerin Verena Schäffer (39) war schon kurz nach Pauls Rücktritt zur neuen NRW-Familienministerin ernannt worden. Die muss die KiBiz-Novelle nun vorantreiben, die zum Kitajahr 2027/28 wirksam werden soll.

Mehr zum Thema Nordrhein-Westfalen: